Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. Oktober 2012 00:13 Uhr

Elsass

Straßburg darf Roma-Lager räumen

Die Stadt Straßburg darf per Gerichtsbeschluss vier illegale Roma-Lager zwangsräumen lassen. Im Sommer hatte sie das beantragt und nun Recht bekommen.

  1. Slumartigen Bedingungen beenden Foto: dpa

Allerdings beteuert Sozialbürgermeisterin Marie-Dominique Dreyssé, die Stadt werde nicht zur Tat schreiten, ehe eine Lösung für alle 111 Bewohner gefunden sei. Bisher leben die aus Ungarn und Rumänien stammenden Roma in Zelten aus Planen, ohne Wasser und Strom.

Dreyssé begründete das Drängen auf Zwangsräumung damit, dass sie die slumartigen Bedingungen auf den Plätzen beenden wollte. Eines der Gelände soll demnächst zudem bebaut werden. Immerhin hat die Stadt für die Hälfte der Betroffenen, die wegen ihrer Herkunft nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, eine provisorische Unterkunft bereitgestellt. Für die anderen will man bald eine Lösung finden, versprach der Anwalt der Stadt vor Gericht.

"Wir sind weit davon entfernt, der Stadtverwaltung zu trauen", kommentierte dies der Verein Lacho Rom, der sich für Roma-Migranten aus osteuropäischen Ländern einsetzt. Zur Debatte steht auch, ob ein Wohnwagenplatz südlich des Bahnhofs, den die Stadt vor zwei Jahren für gestrandete Roma eingerichtet hat, erweitert wird. Dort leben 100 Menschen in zwei Dutzend Wohnwagen.

Werbung


Unterdessen sorgen auch in anderen Städten Roma-Lager für Streit. So haben Anwohner vergangene Woche eine Gruppe von Roma in Marseille vertrieben und, was sie zurückließen, verbrannt. Die Stadt brachte sie dann in einer alten Lagerhalle unter. Finanzielle Unterstützung für eine Rückkehr nach Rumänien hätten sie abgelehnt. Paris hatte im Sommer angekündigt, man wolle Räumungen ohne Alternativlösungen vermeiden und den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Aus Rumänien stammende Roma haben, obgleich sie EU-Bürger sind, erst von 2014 an unbeschränkte Arbeitserlaubnis.

Autor: Bärbel Nückles