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15. November 2013 00:00 Uhr

Messungen

Südbaden: Gemeinden kritisieren Windatlas – Land reagiert

Sind die im Windatlas angegebenen Werte falsch? Rund um Belchen und Blauen wollten Gemeinden vielversprechende Flächen an Windradbetreiber verpachten. Doch der Wind wehte schwächer als versprochen. Jetzt rechtfertigt sich das Umweltministerium.

  1. Wird die Geschwindigkeit, mit der der Wind die Rotoren treibt, im Schwarzwald überschätzt? Foto: dpa

Das Umweltministerium verweist darauf, dass der Windatlas nur eine erste Information gewesen sei; Messungen an den jeweiligen Standorten ersetze er nicht.

Im Dezember 2010 präsentierte der damalige Wirtschaftsminister Ernst Pfister den ersten Windatlas. Vom gesteckten Ziel, nämlich bis Ende des Jahrzehnts ein Fünftel des Energiebedarfs aus Windkraft zu decken, war das Land zu dieser Zeit noch weit entfernt. Der Liberale rechnete vor, dass weitere 30 bis 100 leistungsstarke Rotoren hinzukommen müssten und der Atlas nun den Investoren eine wichtige Entscheidungsgrundlage gebe.

Für manche allerdings bietet er eine Enttäuschung.

Sind die angegebenen Wert schlichtweg falsch?

In Südbaden rund um Belchen und Blauen wollten Gemeinden ihre vielversprechenden Flächen an Windradbetreiber verpachten. Über mehrere Monate maßen sie nach und stellten hernach enttäuscht fest, dass der Wind weit weniger stark bläst, als im Atlas verzeichnet. Manchem ihrer Standorte droht das Aus wegen Unwirtschaftlichkeit. Ähnliche Klagen sind aus Meßkirch zu hören. Der Freiburger Energieunternehmer Josef Pesch beklagte sich daraufhin: "Die Messergebnisse deuten darauf hin, dass die im Windatlas für Südbaden angegebenen Werte schlicht falsch sind."

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Das Umweltministerium, das den im Juni 2011 veröffentlichten Atlas mittlerweile verantwortet, weist diese Kritik zurück. Der Atlas war Ergebnis monatelanger Rechenarbeit an Höchstleistungscomputern. Physiker, Meteorologen, Ingenieure und Geografen werteten 400 Millionen Messpunkte aus, um eine bis dato bundesweit einmalige, höchst detailscharfe Datensammlung zu produzieren.

Rheinebene gilt als eher ungeeignet

Gleichwohl hätten die Autoren bereits in der ausführlichen Darstellung ihrer Methoden gewarnt, ihr Atlas biete lediglich eine Erstinformation. Frank Lorho vom Umweltministerium: "Es muss immer gemessen werden", denn der Atlas biete zwar eine Groborientierung, basiere aber auf Rechenmodellen und deren zwangsläufigen Unsicherheiten. Kritiker verweisen gerne auf Rheinland-Pfalz: Dort seien die Standortdaten genauer. Das ist nachvollziehbar, denn im Nachbarland stehen 1200 Windkraftanlagen, weit mehr als in Baden-Württemberg. Diese Rotoren liefern permanent exakte Daten über den tatsächlichen Wind. Sie fließen in die Kartierung ein und schärfen so die errechneten Werte.

Der TÜV, der den Windatlas verantwortete, hielt damals eine Windgeschwindigkeit von mindestens 5,3 Metern pro Sekunde für notwendig, um eine Anlage wirtschaftlich betreiben zu können – dieser Referenzwert liegt bei 60 Prozent des Tempos, mit der der Wind in Norddeutschland durchschnittlich weht. Je höher die Windräder, umso leichter wird diese Mindestgeschwindigkeit erreicht. Im Odenwald und im Hohenlohe sieht der Atlas besonders großes Potenzial für neue Anlagen. Im Schwarzwald ist die Standortwahl schwieriger: Da reichen 100 Meter Höhendifferenz, um von einem noch wirtschaftlichen Standort in einen windschwachen zu geraten. Auch die Rheinebene gilt als eher ungeeignet.

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Autor: Andreas Böhme