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17. Juli 2009 01:43 Uhr

Überraschendes Aus für die Erlebniswelt in Triberg

Triberg hatte Großes vor: Ein riesiger Erlebnispark sollte den Ort retten. Von einer Million Besuchern und neuen Arbeitsplätzen war die Rede. Doch Traum ist nur eine Tiefgarage geblieben – und ein beleidigter Investor.

  1. Idyllisch ist die Stimmung in Triberg nur noch am Wasserfall. Foto: Stadt Triberg

Triberg hält drei Rekorde: Triberg hat die höchsten Wasserfälle Deutschlands, in Triberg steht die angeblich größte Kuckucksuhr der Welt. Der dritte Rekord taucht in keinem Hochglanzprospekt auf: Triberg ist die Stadt mit dem größten Bevölkerungsschwund im Land. Die Einwohnerzahl ist in drei Jahrzehnten von 8000 auf 5000 gesunken. Tendenz fallend, das gilt auch für die Immobilienpreise und Mieten.

Kuckucksuhren und das wilde Naturschauspiel am Wasserfall haben ihren Reiz verloren. 1991 kamen noch eine halbe Million Besucher nach Triberg, im vergangenen Jahr waren es gerade 275 000. Und wer kommt, ist schnell wieder weg. Zwei Stunden bleiben die Besucher im Schnitt. Das ist zu wenig, um Geld in die Kassen zu bringen. Die Zukunft wurde verschlafen, gesteht auch Bürgermeister Gallus Strobel (CDU) ein.

Ein gewaltiges Projekt wollte dem entgegensteuern. Auf einer Industriebrache schräg gegenüber vom Rathaus sollte die Erlebniswelt Triberg entstehen, eine Mischung aus Schwarzwald-Themenpark, Streichelzoo und Einkaufszentrum, geöffnet an 365 Tagen im Jahr. In den ersten Planungen war sogar von einer Glaskuppel die Rede, die das Areal zwischen Marktplatz und Wasserfällen überspannen sollte.

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Es gab auch einen Investor, der "Tristberg", wie die Neue Zürcher Zeitung lästerte, in ein neues, strahlendes Triberg verwandeln sollte: Günther Mökesch. Der gebürtige Triberger und Mitgründer des Softwarekonzerns SAP ist in den Vereinigten Staaten mit einem eigenen Softwareunternehmen zu viel Geld gekommen. Mit 13 Millionen Euro hatte er bereits das traditionsreiche Triberger Parkhotel Wehrle vor dem Untergang gerettet.

Nach jahrelangen Planungen schickte der Gemeinderat am 24. Juni die Erlebniswelt auf den Weg. Einen Tag später rückte Hauptinvestor Mökesch von seinem Vorhaben ab. Eine Hetzkampagne, die gegen ihn und das Vorhaben im Internet und in einigen Medien losgetreten worden sei, habe ihm zu sehr zugesetzt, lautete die Begründung.

Seit Monaten macht eine kleine Truppe mit Wurfsendungen und in Internetbeiträgen Stimmung gegen die "Wasserfallmassakerschuldigen". Auf der Webseite wurde über ein eisernes Tor des Parkhotels die Aufschrift "Arbeit macht frei" montiert – ein deutlicher Hinweis auf ein Todeslager. Die Verantwortlichen für die Erlebniswelt sollten ins ehemalige KZ Dachau geschickt werden, war dort neben heftigen Beleidigungen des Bürgermeisters zu lesen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz reagierte und beantragte am Donnerstag gegen einen der drei Beschuldigten Strafbefehl wegen grober Beleidigung und Volksverhetzung.

Aber auch im Gemeinderat ging es derart emotional und ehrabschneidend her, dass Hans-Dieter Lang, der einer anderen Gruppe großer Kritiker angehört, per Beschluss für ein halbes Jahr von den Sitzungen ausgeschlossen wurde.

Die Situation ist verfahrener denn je. Ingolf Haas will sich damit nicht abfinden. Der Uhrmacher und Designer aus benachbarten Schonach organisierte eine Unterschriftenaktion für die Erlebniswelt. Mit Erfolg. Bis zum gestrigen Abend unterschrieben 2500 Bürger. "Der Karren hat aufgehört, in die falsche Richtung zu rollen", sagt Haas zufrieden. Die Triberger seien endlich aufgerüttelt, das Schweigen der Mehrheit gebrochen. Die Bevölkerung wolle, dass etwas geschieht und wolle die Chancen nutzen, die sich durch die Erlebniswelt ergeben können. Viele Bürger seien auch zu weiterem Engagement bereit, um das Projekt doch noch zu retten. Haas ist optimistisch: "Solange Günther Mökesch an der Tiefgarage festhält, solange kann etwas passieren." Eine langsamer Ausbau des Freizeit- und Naturparks ist seiner Ansicht nach ohnehin viel vernünftiger.

Was will die Stadt? Kritiker Lang wurde unterschätzt. Bei der jüngsten Kommunalwahl trat er als Einzelkandidat an und bekam auf Anhieb 1100 Stimmen. Den Sprung in den Gemeinderat schaffte er dennoch nicht. Dies sei kein Votum gegen die Erlebniswelt, sondern eine Denkzettelwahl für den oft selbstherrlich auftretenden Bürgermeister gewesen, ist in Triberg zu hören. "Würde am nächsten Sonntag gewählt, würden der Kritiker keine hundert Stimmen mehr erhalten."

Lesen Sie auch: Erlebniswelt Triberg auf Kippe – Hetzkampagne?

Autor: Petra Kistler