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28. Juli 2010 00:08 Uhr
Baden-Württemberg
Umfrage sieht die Grünen im Land bei 20 Prozent
Die Opposition sieht acht Monate vor der Landtagswahl reale Siegchancen: Erstmals in der Geschichte Baden-Württembergs kann Rot-Grün im Südwesten mit mehr Stimmen rechnen als Schwarz-Gelb.
STUTTGART. "Beschwingt, aber nicht beschwipst" von dem Ergebnis der neuesten Umfrage will Nils Schmid, der Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl am 27. März 2011, in die politische Sommerpause gehen. Offensiver verpackte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel bei der Präsentation der Zahlen die "Wir-können-gewinnen"-Botschaft, die davon ausgehen soll: "Erstmals seit der Geschichte der Staufer" gebe es eine rot-grüne Mehrheit im Land.
Der Vergleich mag hinken, gleichwohl hat das Ergebnis der Umfrage, die das Institut TNS Infratest im Auftrag der SPD-Fraktion zwischen dem 12. und 15. Juli durchgeführt hat, eine historische Komponente: Rot-Grün lag bislang bei keiner Umfrage vor Schwarz-Gelb, seit die Ökopartei vor 30 Jahren in das Stuttgarter Parlament eingezogen ist. Nun, acht Monate vor der Landtagswahl am 27. März 2011, sehen die Meinungsforscher SPD und Grüne bei 45 Prozent – CDU und FDP dagegen nur noch bei 44 Prozent.
Eigentlicher Gewinner der Umfrage sind die Grünen, die bei der Landtagswahl 2006 auf 11,7 Prozent gekommen sind und nun bei 20 Prozent notieren. Die SPD steht bei 25 Prozent und damit einerseits besser als bei Umfragen zu Jahresbeginn, andererseits auf dem Niveau der verkorksten 2006er Wahl. Die CDU käme derzeit auf 37 Prozent (2006: 44,2 Prozent), die FDP auf sieben Prozent (10,7 Prozent). Mit fünf Prozent würden die Linken erstmals in den Landtag einziehen. Schmiedel sagte, er sei zuversichtlich, dass die Linke den Sprung in den Landtag verfehle. Ziel der SPD sei es, wie 2001 auf 33 Prozent zu kommen. "Der Machtwechsel ist möglich – und zwar ohne die Linken."
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Die gestern präsentierten Zahlen decken sich in etwa mit einer unveröffentlichten Umfrage, die das gleiche Institut Anfang Juni im Auftrag der Grünen gemacht hat. Da lagen Rot-Grün und Schwarz-Gelb mit je 45 Prozent gleichauf. Die SPD kam auf 26 Prozent, die Grünen auf 19, die CDU auf 37 Prozent, die FDP auf acht Prozent und die Linke auf fünf Prozent. "Wenn zwei Umfragen zu verschiedenen Zeitpunkten eine gleiche Tendenz aufzeigen, kann man allmählich von einem Trend sprechen", sagte Grünen-Fraktionsvize Theresia Bauer.
Die SPD fühlt sich durch die neue Umfrage auch inhaltlich bestätigt: 66 Prozent der Befragten sprachen sich gegen die von Regierungschef Stefan Mappus (CDU) befürwortete Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken aus und nur 30 Prozent dafür. Selbst im Lager der CDU-Wähler gibt es eine Mehrheit von 52 zu 43 Prozent gegen eine Verlängerung. Die Befragten fällten zudem ein negatives Urteil über die Verkürzung der Gymnasialzeit von acht auf neun Jahre: 13 Prozent der Gesamtbevölkerung und lediglich zwölf Prozent der CDU-Wähler halten die Entscheidung für richtig, 77 Prozent (CDU-Wähler: 78 Prozent) plädieren für eine Wahlmöglichkeit zwischen acht und neun Jahren.
Mappus sagte, die Umfrage beunruhige ihn "nicht so wahnsinnig". Es gebe eine "gewisse bundespolitische Stimmung", die eine Rolle spiele. Er sehe im Land aber "keine Wechselstimmung" und gehe davon aus, dass er am Wahlabend "beschwingt" in den Landtag gehe.
Autor: Roland Muschel
