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26. Juli 2010

Unterrichtsversorgung: Das Land spart an Kursen

Ministerieller Appell löst Proteste aus / Ergänzungsangebote an den Schulen sollen bluten.

STUTTGART (dpa). Ein Brief an Rektoren zum Thema Unterrichtsversorgung hat Wirbel ausgelöst: In den Schreiben der Staatlichen Schulämter wurde den Schulleitern vor wenigen Tagen die Streichung des Ergänzungsbereiches samt Arbeitsgemeinschaften und Kursen für rechtschreibschwache Kinder nahegelegt, um den Pflichtunterricht im kommenden Schuljahr zu sichern.

Angesichts von Protesten der Adressaten ist das Kultusministerium zurückgerudert und hat ein neues Schreiben verfasst. Darin betont Ministerialdirektor Wolfgang Fröhlich, dass "wichtige Zusatzangebote" auch im kommenden Schuljahr nicht gefährdet seien. Kultusministerin Marion Schick (CDU) bedauerte die Aufregung.

Sie habe ein Schreiben an die Schulen veranlasst, das klar mache, dass die Unterrichtsversorgung mitsamt dem Ergänzungsbereich im kommenden Schuljahr gesichert sei. Angesichts der derzeitigen Haushaltslage sei es zwar nachvollziehbar, einen verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen auch bei den Schulen anzumahnen, "wenngleich nicht über das Ziel hinaus geschossen werden" dürfe. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt den neuen Brief eine "andere Sprachregelung", die nur kaschiere, dass der Ergänzungsbereich zugunsten des Pflichtunterrichts gekürzt werden solle.

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"Angespannte Haushaltslage, kostenbewusster Einsatz"    

 Das Kultusministerium verweist hingegen darauf, dass für das neue Schuljahr 5500 neue Lehrer in den Schuldienst kommen; bei Mutterschutzfällen und absehbar längerfristig erkrankten Pädagogen könnten Vertretungsverträge abgeschlossen werden, falls ein Ersatz aus der festen Krankheitsreserve von insgesamt 1266 Stellen nicht möglich sei. Zunächst war den Schulleitern empfohlen worden, zuerst Klassen zusammenzulegen oder Arbeitsgemeinschaften aufzulösen. Erst dann könne auf die feste Krankheitsreserve zurückgegriffen werden. In einem Brief des Schulamtes Backnang, den es selbst wieder zurückzog, hieß es deutlich: "Wir können den einzelnen Schulen aktuell keinen Ergänzungsbereich zur Verfügung stellen." Der Brief schloss: "Es tut uns leid, Ihnen keine bessere Nachricht übermitteln zu können."

Dass hinter der früheren Anweisung Sparabsichten stehen, wird aus einem Schreiben des Regierungspräsidiums Stuttgart deutlich: Dort heißt es, die angespannte Haushaltslage des Landes erfordere den kostenbewussten Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die GEW vermutet dahinter Kalkül mit Blick auf die Landtagswahl. "Die Elternproteste sind deutlich stärker, wenn zwei Wochen regulärer Mathe-Unterricht ausfällt als wenn eine AG, die nur ein Teil der Schüler wahrnimmt, gestrichen wird."

Autor: dpa