01. November 2009 20:11 Uhr
Reformpläne
Verkürzter Zivildienst: Verbände in der Region schlagen Alarm
Der Zivildienst soll von neun auf sechs Monate gekürzt werden – eine Katastrophe für viele Sozialeinrichtungen. Das Deutsche Rote Kreuz befürchtet gerade im Rettungsdienst schwerwiegende Folgen.

- Das Deutsche Rote Kreuz befürchtet, dass ein verkürzter Zivildienst vor allem im Rettungsdienst seine Spuren hinterlässt. | Foto: Thomas Kunz
Gerade im Rettungsdienst befürchtet die Organisation schwerwiegende Folgen: Die Dauer der Zivi-Ausbildung von drei Monaten stehe in keinem Verhältnis zur übrigen Dienstzeit von künftig nur drei weiteren Monaten. Wenn die 280 im Rettungsdienst eingesetzten Zivis wegfielen, seien auf Kosten der Krankenkassen-Beitragszahler neue Personalstellen notwendig. Das DRK fürchtet zudem, dass Pflegeeinrichtungen künftig auf die Einstellung von Zivis verzichten werden. Schließlich sei der seit 1961 bestehende Zivildienst ein "sozialer Lerndienst", der jungen Menschen bei der Berufsorientierung helfe. "Dafür braucht es Zeit zur Einarbeitung und zur Qualifizierung, die bei einer Verkürzung nicht mehr vorhanden ist."
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Heute sind von den insgesamt 11 500 Zivis im Land gerade noch 100 beim Hilfsdienst beschäftigt. "Im Stuttgarter Stadtgebiet übernehmen jetzt schon Mini-Jobber den Fahrdienst", erklärt Baur.
Alarm schlägt auch das Diakonische Werk in Baden. "Der Rettungsdienst ist von der Kürzung am stärksten betroffen", sagt dort Achim Heinrichs und warnt davor, dass Zivis zu Handlangern verkommen. Bei der Diakonie erhalten die jungen Männer in jedem Bereich eine zwei- bis vierwöchige Einweisung und einen zweiwöchigen Lehrgang. Inwieweit dies angesichts eines verkürzten Zivildienstes noch aufrecht erhalten werden könne, sei fraglich, so Heinrichs.
Das kann Gerhard Lück vom Caritas-Verband nachvollziehen. Doch werde die Caritas keine Hauptamtlichen für Zivis einstellen, wie es das DRK plant. 800 Zivis in der Erzdiözese Freiburg würden als zusätzliche Unterstützung gesehen; sei ersetzten keine Arbeitskraft. Ungeachtet dessen beklagt auch Lück einen "enormen Verwaltungsaufwand", den ein Wechsel der Zivis alle sechs Monate mit sich brächte. Nicht zuletzt würden die Betreuten leiden. Plus-Angebote von Zivis – mit alten Menschen spazieren gehen oder ihnen vorlesen – könnten wegfallen.
Autor: Britta Kuck




