Kreis Karlsruhe

Vier Tote bei Zusammenstoß von Flugzeug und Hubschrauber bei Philippsburg

dpa, aktualisiert um 19.20 Uhr

Von dpa & aktualisiert um 19.20 Uhr

Di, 23. Januar 2018 um 14:20 Uhr

Südwest

Zusammenstöße von Flugzeugen in der Luft sind sehr selten. Nahe Karlsruhe passiert ein solches Unglück nun doch – mittags, bei ruhigem Wetter. Vier Menschen kostet das ihr Leben. Für die Ermittler beginnt eine schwierige Spurensuche.

Rauch steigt auf, Feuerwehrautos fahren umher, rot-weißes Flatterband versperrt den Zutritt. Man muss nicht nah herankommen, um zu ahnen: Hier ist etwas Schreckliches passiert. Tatsächlich ist das Unglück, das sich bei Karlsruhe abgespielt hat, außergewöhnlich tragisch: Ein Rettungshubschrauber ist am Dienstag mit einem Sportflugzeug zusammengestoßen - in der Luft. Am Ende sind vier Männer tot.

Die Retter haben das Gelände in der Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen weiträumig abgeriegelt. Der Ort selbst ist mindestens 500 Meter entfernt. In der Ferne sind die Häuser und der Kirchturm zu sehen, ebenso wie die Rheinauen. Glück im Unglück für die Menschen, die in der Nähe des Unglücksortes leben. "Gut, dass es keine Anwohner gibt, die gefährdet werden konnten", sagt der Sprecher der Karlsruher Polizei, Raphael Fiedler. Die Trümmer der zerstörten Flugzeuge verteilen sich über mindestens 100 Meter.

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Was genau passiert ist, ist noch unklar. Bekannt ist: Um die Mittagszeit stößt ein Rettungshubschrauber der Deutschen Luftrettung mit einem Sportflugzeug zusammen. Der Hubschrauber ist auf einem Trainingsflug. Bei den Toten handelt es sich um die beiden Hubschrauberpiloten und die Insassen des Kleinflugzeugs, das aus Basel kam. Weitere Angaben zu den Männern macht die Polizei zunächst nicht. Weil nicht sicher ist, ob es weitere Opfer gibt, beginnt eine groß angelegte Suche.

"Wir müssen jetzt die Helligkeit ausnutzen und das Gelände absuchen", sagt Polizeisprecher Fiedler am Nachmittag. Spezialisten vom Bundesamt für Flugunfalluntersuchung aus Niedersachsen sind da schon unterwegs nach Baden-Württemberg. Auch in einem nahegelegenen See, bei dem die Maschinen abstürzten, suchen die Ermittler nach Trümmerteilen. Zwei Polizeihubschrauber sind im Einsatz, 120 Polizisten und Kräfte von Feuerwehr, THW und Rettungsdienst. Um die Helfer zu betreuen, stehen 20 Notfallseelsorger bereit.

Die Feuerwehr muss sich nach dem Unglück über schmale Feldwege vorarbeiten. Tagelanger Regen hat den Boden aufgeweicht, auf manchen Feldern und Wiesen haben sich große Pfützen gebildet. Feuerwehrleute sichern mit elf Fahrzeugen die Wasserversorgung, wie ein Sprecher der Kreisfeuerwehr sagt. Auf die noch rauchenden Trümmerteile des Hubschraubers legen sie immer wieder neu einen Schaumteppich.

Kann Wind etwas mit dem Unglück zu tun haben?

Auch in der benachbarten Gemeinde herrscht Bestürzung. "Es ist ein schreckliches Ereignis", sagt Oberbürgermeister Martin Büchner (FDP). Als er alarmiert worden sei, habe er erst gedacht, es gehe um einen Unfall auf dem nahegelegenen Modellflugplatz. Doch es kam schlimmer.

Oberhausen-Rheinhausen im Nordwesten des Landkreises Karlsruhe hat rund 9400 Einwohner. Im Westen bildet der Rhein die Grenze, auf der anderen Seite des Flusses liegt schon Rheinland-Pfalz.

Das Wetter im Südwesten war am Dienstag eigentlich relativ ruhig, bewölkt aber trocken. Die Suche nach der Ursache jedenfalls steht noch am Anfang. Nach Angaben eines Zeugen kam das Flugzeug vor dem Zusammenprall aus den Wolken.

Zusammenstöße von Flugzeugen in der Luft sind äußerst selten. Meist ist nur ein Flugzeug betroffen. Zu einem der größten Unglücke dieser Art kam es 2002 ebenfalls in Baden-Württemberg - als in der Nähe von Überlingen beim Zusammenstoß eines Fracht- und eines Passagierflugzeuges Dutzende Menschen starben.
Die Deutsche Luftrettung

Mit 28 Luftrettungsstandorten ist die DRF Deutsche Luftrettung (früher: Deutsche Rettungsflugwacht) der zweitgrößte Anbieter von Intensiv- und Rettungshubschrauberflügen in Deutschland nach dem ADAC (37). Acht der Standorte sind den Angaben zufolge rund um die Uhr besetzt. Auch in Österreich betreibt das Unternehmen zwei Stationen, heißt es auf der Webseite.

Insgesamt besitzt das Unternehmen mit Sitz in Filderstadt bei Stuttgart rund 50 Hubschrauber. Einsatzorte in einem Umkreis von 60 Kilometern erreichen sie den Angaben nach in maximal 15 Flugminuten. Neben der Notfallrettung werden sie auch für Transporte von Intensivpatienten - also Menschen in Lebensgefahr oder mit lebensbedrohlichen Krankheiten - zwischen Kliniken eingesetzt.