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07. Februar 2009

Von Hefe- und Lernkulturen

Deutsch-französischer Wissenschaftskongress für Schüler zeigt Unterschiede in Schulsystemen

  1. Gleichgesinnte unter sich: Schüler, auch aus Lörrach, diskutierten mit Forschern in Straßburg. Foto: J. M. Loos

STRASSBURG. In Straßburg hat der erste Wissenschaftskongress für Schüler aus dem Elsass und Baden-Württemberg stattgefunden. Und gleich hätte man Preise für Originalität vergeben können. Denn sie tauschten sich nicht nur aus und gewannen Einblick ins Berufsleben von Forschern. Sondern sie präsentierten auch eigene Arbeiten: etwa den selbst gebauten Roboter Carrotbot, dessen junger Konstrukteur eine Schwäche für Mikroelektronik und Karotten hat; oder Hefen als ideale Modellorganismen, um Vorgänge im Körper besser verstehen zu können.

Allein um Originalität ging es nicht beim Zusammentreffen der Schülerinnen und Schüler, sondern auch um den Austausch zwischen Elsass und Baden-Württemberg. Mit 70 von 100 Teilnehmern waren die Deutschen allerdings in der Mehrheit. Das lag nicht am mangelnden Interesse im Elsass, sondern an der größeren Flexibilität des deutschen Schulsystems. Zu wenig Zeit hatten die elsässischen Schulen, um für mehr Klassen die Genehmigung von oben einzuholen; in Baden-Württemberg entscheidet so etwas der Schulleiter. Letztlich nahm je ein Gymnasium aus Saint-Louis und Guebwiller teil, die ohnehin gute Kontakte nach Südbaden haben.

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Ein viel versprechender Auftakt ist dennoch gelungen, und den Abiturienten Tim Wölfle und Florian Peter aus Lörrach, ging es neben der eigenen Arbeit auch um das Treffen selbst. "Es ist ja nicht so, dass wir in der Schule nur von Gleichgesinnten umgeben sind." Mehr als ein Jahr haben sie über der Apoptose – dem programmierten Zelltod – der Hefe gebrütet. Zweimal im Monat fuhren sie nach Waldshut, wo sie im Labor des biotechnologischen Gymnasiums experimentierten. Ihr Vortrag vor dem Plenum im Straßburger "Le Vaisseau" gelang souverän.

Ein Anreiz, ein Vorbild für die französischen Teilnehmer? "Unsere Schüler haben es nicht gelernt, sich und ihre Arbeit wirkungsvoll darzustellen", sagte Bernadette Walter vom Lycée Mermoz in Saint-Louis, aus deren Klasse der einzige französische Referatsbeitrag kam. "Eine Lernkultur mit Projektarbeit fehlt uns leider", beklagte auch Christophe Hug, Lehrer am Lycée Théodore Deck in Guebwiller.

Außer dem Austausch gewährte der zweitägige Kongress den Jugendlichen auch Einblick in das Berufsleben von Wissenschaftlern. "Dass Industrievertreter aus ihrem Berufsleben erzählen, war uns genauso wichtig", sagt Carsten Hansen, der für das Regierungspräsidium Freiburg die Veranstaltung organisiert hat und jener Fachgruppe angehört, die das 2007 im Land eingeführte Schulfach "Naturwissenschaft und Technik" entwickelte.

Das Fach stand für die Deutschen im Fokus des Kongresses mit Schülerinnen und Schülern überwiegend ab Klasse 10 aus Lörrach, Karlsruhe, Stuttgart, Leonberg und Holzgerlingen (Kreis Böblingen). Die Schulen mussten sich bewerben, und zumindest auf baden-württembergischer Seite war der Andrang groß. Wie stark Forschung inzwischen von Sponsoren abhängt, dafür ist der Kongress ein Beispiel im Kleinen. Drei Viertel der Kosten übernahm die Eisele-Stiftung, die Schüler- und Studentenaustausch zwischen Deutschland und Frankreich fördert, den kleineren Teil das baden-württembergische Kultusministerium.

Autor: Bärbel Nückles