Waldshuter decken Kinderporno-Ring auf

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

So, 23. September 2018

Südwest

Der Sonntag Insgesamt 29 Tatverdächtige aus dem In- und Ausland sollen im Internet einschlägiges Material verbreitet haben.

Bei Ermittlungen gegen einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Waldshut hat die Polizei einen internationalen Kinderporno-Ring aufgedeckt. Von 23 Tatverdächtigen in Deutschland konnten bislang 14 identifiziert werden. Laut Waldshuter Staatsanwaltschaft stammt kein weiterer aus Südbaden.

Wenn die Polizei gegen eine Person ermittelt, die unter dem Verdacht steht, kinderpornografisches Material im Internet zu verbreiten, kommt sie im besten Fall gleich mehreren Tatverdächtigen auf die Spur – gibt es doch immer Empfänger beziehungsweise Tauschpartner. So auch im Waldshuter Fall. Über ein gesondertes Ermittlungsverfahren einer auswärtigen Staatsanwaltschaft war die Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen auf den 38-jährigen Deutschen gestoßen. Kurz darauf wurde dessen Wohnung durchsucht sowie Smartphone und Computer beschlagnahmt, teilte Florian Schumann, Pressesprecher der Waldshuter Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage des Sonntag mit. Bei der Auswertung erhärtete sich der Tatverdacht gegen den Mann, zudem kam die Polizei einem internationalen Kinderporno-Ring auf die Spur. Mit knapp 30 Personen aus dem In- und Ausland soll der Tatverdächtige kinderpornografisches Material getauscht haben, so die Mitteilung des Polizeipräsidiums Freiburg.

Sechs Kontakte stammen aus dem Ausland, 23 aus Deutschland – 14 von ihnen konnten identifiziert werden. Gegen diese hat die Waldshuter Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren eingeleitet und an die zuständigen Behörden im gesamten Bundesgebiet abgegeben. Weitere Beschuldigte aus Südbaden seien nicht darunter, teilte Schumann auf Anfrage mit.

Ausgerechnet einen Tag nach Bekanntwerden des Kinderporno-Rings – am Donnerstag – teilte die Staatsanwaltschaft Freiburg, Zweigstelle Lörrach, mit, gegen das Urteil des Amtsgerichts gegen einen 53-jährigen Lörracher, dem der Besitz von 26 kinderpornografischen Bildern vorgeworfen wird, Berufung einzulegen. Schnell drängt sich der Gedanke auf, ob der Lörracher Teil des Kinderporno-Rings ist. Doch weder die Staatsanwaltschaft Waldshut noch die Zweigstelle Lörrach bestätigten dies.

Der 38-Jährige aus dem Landkreis Waldshut wurde zwischenzeitlich zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Gleiches Strafmaß wurde bei dem 53-jährigen Lörracher angesetzt – für die Zweigstelle Lörrach ist dieses Urteil zu milde, weshalb sie Berufung einlegte. Aufgrund der bereits länger bestehenden pädophilen Neigung des Angeklagten sowie seiner Vorstrafen strebe die Zweigstelle eine "unbedingte Freiheitsstrafe" an. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering auf Nachfrage mitteilte, wurde der Angeklagte 2010 wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Er soll ein Kind unbekleidet fotografiert und im Genitalbereich berührt haben. Weiter wurde er 2014 wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften in zwölf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt – wieder auf Bewährung. Dass die im vergangenen Monat verhängte Strafe erneut zur Bewährung ausgesetzt wurde, ist für die Zweigstelle Lörrach nicht nachvollziehbar.

Beim Waldshuter Verurteilten sei die Bewährungsstrafe laut Staatsanwaltschaft an eine hohe Geldauflage geknüpft. Zudem werde es dem Verurteilten durch den Eintrag im Vorstrafenregister "nicht möglich sein, in einem Beruf zu arbeiten, in dem er Umgang mit Kindern hätte", so Pressesprecher Schumann.