Notfallplan

Was passiert bei einem Störfall im AKW Fessenheim?

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Sa, 01. Juli 2017 um 11:00 Uhr

Südwest

Diese Woche ist ein Arbeiter im elsässischen Kernkraftwerk Fessenheim verstrahlt worden. Nur wenige Tage davor musste die Feuerwehr dorthin ausrücken. Doch was passiert im Ernstfall?

Im Lagergebäude für Brennelemente hatte es einen Alarm gegeben, einen falschen, wie die Betreiberin Electricité de France (EdF) später mitteilte. Doch wie und wann hätte die EdF informiert, wäre es ein ernster und gefährlicher Vorfall gewesen, einer bei dem die Gesundheit auch der Menschen auf der deutschen Rheinseite in Gefahr gewesen wäre?

Akw muss über wahrnehmbare Ereignisse informieren

Diese Frage stellen sich viele in Südbaden. Nach Informationen von Markus Adler, Pressesprecher beim Regierungspräsidium in Freiburg, ist seine Behörde über die Verstrahlung nicht sofort informiert worden, da es sich um einen Arbeitsunfall handelte, der keine Auswirkungen auf den Betrieb des Akw hatte. Wenn allerdings in Fessenheim – oder einem Schweizer Atomkraftwerk – ein Unfall passieren würde, der die südbadische Seite in Mitleidenschaft zieht, dann müssten die deutschen Behörden dringend und so schnell wie möglich benachrichtigt werden. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn etwa Radioaktivität austritt.

"Eine generelle Informationspflicht gibt es auch bei solchen Vorkommnissen, die öffentlichkeitswirksam sind und von außen wahrnehmbar", so Adler. Beim falschen Alarm, der einen Feuerwehreinsatz ausgelöst hatte, wurde das Regierungspräsidium deshalb bereits ein bis zwei Stunden nach dem Vorfall benachrichtigt. "Wir bekommen die Infos über den Meldeverteiler in etwa zum selben Zeitpunkt wie die französischen Behörden." Die Akw-Betreiber schicken solche Meldungen zunächst an die Polizei, die sie dann weiterreicht ans Regierungspräsidium. Dort gibt es eine Bereitschaft, die die Meldungen auch außerhalb der Geschäftszeiten aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt.

Im Notfall gibt es Informationen im Radio und Fernsehen

Sollte es zu einem Vorfall mit Auswirkungen auf Deutschland kommen, gibt es verschiedene Wege, wie die deutsche Bevölkerung darüber informiert würde. Bereits mehrfach haben das Regierungspräsidium und die in Frankreich zuständigen Behörden entsprechende Katastrophenschutzübungen gemacht, zuletzt 2013. Wann es die nächste geben wird, ist unklar. Im Katastrophenfall ist vorgesehen, dass Polizei und Feuerwehr Warndurchsagen über Lautsprecherwagen machen. Wenn keine Sirenenübung angekündigt wurde und eine Sirene eine Minute lang aufheult, so heißt das: Bitte das Radio oder den Fernseher einschalten und auf Durchsagen achten. Im Notfall werden auf diesen Kanälen Informationen verbreitet, wie sich die Bevölkerung im Falle eines Unglücks – nicht nur bei einem Atomunfall – verhalten soll. In Südbaden gibt es allerdings nicht mehr überall Sirenen. Die Gemeinden entscheiden, ob sie sie beibehalten. Der modernere Informationsweg ist eine spezielle App, die man sich aufs Handy laden kann. Sie heißt NINA-App und steht laut Regierungspräsidium kostenlos zur Verfügung.

Kritik an fehlenden Evakuierungsplänen

Sollte es zu einem Austritt von Radioaktivität kommen, gibt es laut Bundesumweltministerium mögliche Schutzmaßnahmen. Dazu gehört, dass die betroffenen Bürger Jodtabletten einnehmen. "Diese Jodtabletten verhindern das Einlagern von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Bei rechtzeitiger Einnahme von Jodtabletten ist die Schilddrüse bereits mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, bevor radioaktives Jod durch Einatmen aufgenommen werden kann", heißt es beim Ministerium. So könne man sich vor einer erhöhten Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, schützen.

Laut Regierungspräsidium werden solche Jodtabletten in den Rathäusern, in Schulen, Turnhallen oder Feuerwehrgerätehäusern ausgegeben. Erst im Mai monierten allerdings Mitglieder des Umweltausschusses in Freiburg, dass die Stadt für die Verteilung solcher Jodtabletten nicht genug Personal habe. Kritisiert wurde ebenfalls, dass kein Plan vorliegt, wie die Bevölkerung der Stadt im Falle eines Reaktorunfalls evakuiert werden könnte. Seit 2014 gilt, dass Teile von Freiburg geräumt werden müssen, weil die Evakuierungszone ausgedehnt wurde. Im Moment ist das Regierungspräsidium dabei, neue Pläne zu erarbeiten, welche Gemeinden in welche Zonen fallen und wie im Notfall evakuiert werden muss. Wann diese Pläne fertig sind, ist noch unklar.

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