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11. August 2017 10:57 Uhr

Bergwacht

Wegweiser sollen in Zukunft als Rettungspunkte genutzt werden

Wenn man einen Unfall in der freien Natur hat, ist es schwierig dem Notruf ohne GPS genau zu beschreiben, wo man ist. Bergwacht und Schwarzwaldverein wollen das in Zukunft leichter machen.

  1. Bei einem Notfall müsste man der Rettungsleitstelle den Namen Kirchzarten Schauinslandstraße mitteilen. Foto: Schwarzwaldverein

Bei einem Notfall in der freien Natur zählt jede Sekunde. Schwierig wird es, wenn der Verletzte oder sein Begleiter beim Notruf nicht genau mitteilen kann, wo er sich befindet – nicht jeder hat ein Smartphone mit GPS-Signal. Die Bergwacht kennt das Problem schon lange. Den Mitarbeitern fällt zudem auf, dass sich immer weniger Wanderer oder Radfahrer im Schwarzwald gut genug auskennen, um ihre Lage so zu beschreiben, dass man sie findet. Zusammen mit dem Schwarzwaldverein hat sich die Bergwacht an die Lösung des Problems gemacht – und das Ergebnis am Donnerstag auf dem Feldbergturm präsentiert.

Jede Wegkreuzung hat ihren eigenen Namen

Das Projekt, das unter dem nicht ganz unsperrigen Namen "Flächendeckende Rettungspunkte im unwegsamen Gelände des Schwarzwaldes" firmiert, greift auf ein bestehendes Netzwerk zurück: Mehr als 15 000 Punkte hat der Schwarzwaldverein an Kreuzungen mit Wegweisern markiert und benannt. Einerseits zeigen die Wegweiser Entfernung und Richtung zu Wanderzielen, andererseits geben farbige rauten Aufschluss darüber, auf welchem Weg der Wanderer geht. Jede Wegkreuzung hat zudem ihren eigenen Namen. "Hüttenwasen", "Napf" oder "Huberfelsen" sind solche Bezeichnungen. Diese Namen sind der Baustein des Projekts. Ruft in Zukunft jemand aus unwegsamem Gelände den Notruf, dann fragt die Leitstelle nach dem Namen, der auf dem Wegekreuz vermerkt ist. Bei der Rettungsleitstelle wird dann der Name – oder ein Teil davon – in ein System eingegeben, in dem alle Punkte mit Namen und Koordinaten hinterlegt sind. Das System spuckt dann die Lage des Verunfallten aus – und die Bergwacht kann ausrücken.

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Was geschieht, wenn sich in der Nähe des Verunglückten kein Schild befindet? "Dann würde die Rettungsleitstelle den Verunfallten oder Begleiter bitten, dem Weg noch einige Meter zu folgen", erklärt Adrian Probst, der mit dem Projekt sein Masterstudium in Forstwissenschaft abgeschlossen hat. Das Wegeschilder-Netz ist so dicht gestrickt, dass sich im Umkreis weniger hundert Meter wenigstens ein Schild befinden sollte. Damit die Bergwacht noch besser funktioniert, wird sie nun auch mit einem Digitalfunksystem ausgestattet, das die Kommunikation verbessert.

Der Wegweiser in seiner neuen Doppelfunktion als Rettungspunkt

Damit das Vorhaben in der Realität umsetzbar ist, wollen Bergwacht und Schwarzwaldverein der Öffentlichkeit verstärkt erklären, wozu die Wegweiser da sind und deren Doppelfunktion als Rettungspunkt deutlich machen. Denn beim ersten Blick auf die Wegweiser erschließt sich nicht, dass der Name des Punktes eine eventuell überlebenswichtige Information darstellt. Zudem müssen die Mitarbeiter der Rettungsleitstellen geschult werden, denn sie geben den Notruf an die Bergwacht weiter.

Georg Keller, Präsident des Schwarzwaldvereins, kündigte das Projekt gar als "neue Ära des Rettungswesens" an. Julian Würtenberger, Ministerialdirektor im Innenministerium Baden-Württemberg, hob Probsts Rolle als Ideengeber hervor und betonte das gute Miteinander von Bergwacht und Schwarzwaldverein. Probst, der vor einem Jahr mit deutlichen Worten auf die finanziell angespannte Situation der Bergwacht aufmerksam gemacht hatte, bemerkte auf dem Feldberg: "Es geht ein Ruck durch die Bergwacht", und fügte schmunzelnd hinzu: "Das macht Spaß."

Autor: Anika Maldacker