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31. August 2010 18:58 Uhr

Tierschutzgesetze

Wie lange wird noch im Akkord geschlachtet?

Millionen Schweine, Rinder und Geflügel werden pro Jahr im Land geschlachtet- meist im Akkord. Das Agrarministerium sucht nach neuen Schlachtmethoden – den Grünen reicht das nicht.

Stattdessen möchten sie, um Leiden und Fehler zu vermeiden, für den Schlachtvorgang einen zeitlichen Mindestrahmen festlegen.

Die Zahl der Schlachthöfe hat sich ständig reduziert. Dennoch bleiben auch nach den neuesten EU-Verordnungen rund 1000 Betriebe im Land, die Rinder zu Steaks und Schweine zu Wurst verarbeiten. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden im vergangenen Jahr fast 620 000 Rinder, 3,7 Millionen Schweine, 306 000 Millionen Hühner und 4,8 Millionen Puten geschlachtet. Das ist noch nicht alles: Allein bei den Schweinen kommen weitere 200 000 Tiere durch Hausschlachtungen hinzu.

Nur grobe Verstöße werden aktenkundig

Nicht immer, klagt die Grünen-Abgeordnete Renate Rastätter, gehe es dabei mit rechten Dingen zu. Zwar regelt das Tierschutzgesetz, dass Schlachtvieh ordentlich betäubt und schmerzlos in den Tod zu befördern sei – aber darauf werde nicht immer geachtet: "Strafverfahren in Schlachteinrichtungen sind äußerst selten und spiegeln die Realität unzureichend wider", sagt sie. Nur grobe Verstöße würden aktenkundig, entsprechend niedrig sei die Quote in den amtlichen Statistiken. Im Südwesten wurden auch nur 238 Verstöße im vergangenen Jahr festgestellt. Das sind gleichwohl doppelt so viele wie 2007.

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Grauzone Hausschlachtung

Bei Hausschlachtungen außerhalb der zugelassenen Schlachthöfe, die zumeist von Metzgern vorgenommen werden, gibt es eine noch größere Grauzone, denn die tatsächliche Zahl dieser Schlachtungen ist gar nicht bekannt. Gleichwohl, sagt Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle, verfügen zumindest die Metzger durch ihre handwerkliche Ausbildung über die nötige Fachkenntnis. Personen, die nicht berufsmäßig Tiere töten, müssen lediglich Sachkenntnis nachweisen.

Köberle beteuert, es werde ständig nach verbesserten, tiergerechteren Schlachtmethoden gesucht. In Baden-Württemberg fördert das Land derzeit allerdings keine neue wissenschaftlichen Studie auf diesem Gebiet. Aber es gebe ja bereits Zeitvorgaben, etwa wann frühestens nach einer Betäubung geschlachtet werden darf. Gegen allzu feste Vorschriften wehrt sich Köberle aber, weil die technische Ausstattung der Schlachtereien zu unterschiedlich seien.

Die Schlachtkontrollen sind Aufgabe der Länder. In Baden-Württemberg ist in einem Handbuch festgelegt, wie die Veterinärverwaltungen die Qualität der Schlachtung sichern müssen. Die Kontrollen werden von 90 Amtstierärzten, 470 amtlichen Tierärzten und 288 Assistenten vorgenommen. Wie viel Zeit die sich nehmen, lebende Tiere zu untersuchen und die Schlachtung zu begutachten, ist unbekannt.

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Autor: Andreas Böhme