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19. Oktober 2011

"Wir brauchen Bundesuniversitäten"

Peter Strohschneider, Kopf der Exzellenzinitiative, plädiert für eine Grundgesetzänderung / Dauerfinanzkrise der Universitäten sonst nicht lösbar.

  1. Die Universitäten sind vielfach finanziell und kapazitativ erschöpft, sagt Wissenschaftsexperte Strohschneider. Foto: DPA

FREIBURG. Eine Verfassungsänderung mit dem Ziel der Gründung von Bundesuniversitäten ist nach Ansicht des Hochschulexperten Peter Strohschneider langfristig unvermeidlich. Anders sei die chronische Unterfinanzierung deutscher Spitzenhochschulen nicht zu beheben, sagte der 56-Jährige am Montagabend in einem Vortrag zur Eröffnung des Akademischen Jahres im Freiburger Forschungskolleg Frias.

Der Münchner Mediävist, der von 2006 bis Anfang 2011 Vorsitzender des renommierten Wissenschaftsrats war und als Mitinitiator der Exzellenzinitiative gilt, räumte ein, dass die Forderung an den Kern der deutschen Bundesstaatlichkeit rührt, nämlich an die Länderzuständigkeit für das Hochschulwesen. Entsprechend heftig werde die Debatte werden, prophezeite der Wissenschaftler. Doch spätestens 2017, wenn die jetzt gestartete dritte Runde der Exzellenzinitiative ausläuft und über Anschlussfinanzierungen geredet werden müsse, werde das Thema auf den Tisch kommen müssen.

Wenn man dem Bund dagegen nicht erlaube, auch Universitäten zu unterhalten, dann werde sich – glaubt Strohschneider – nichts ändern an der "elenden Asymmetrie" zwischen Landesuniversitäten und Bundesforschungseinrichtungen (wie Max-Planck-, Helmholtz-, Leibniz- oder Fraunhofer-Instituten).

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Die Kapazität des Universitätssystems habe mit seiner politisch gewollten Ausdehnung auf immer mehr Studienanfänger und Absolventen "in keiner Weise Schritt gehalten", so Strohschneider. Das Prinzip der "erschöpfenden Kapazitätsauslastung" von 1977 sei "tatsächlich sehr erfolgreich", spottete er: "Die Universitäten sind nach wie vor vielfach finanziell und kapazitativ erschöpft". Durch Überforderung sei das System "in einer Weise in Bewegung wie seit mindestens einer Generation nicht mehr."

Dennoch verteidigte der Wissenschaftler die Exzellenzinitiative, aus der 2006 auch das Freiburger interdisziplinäre Kolleg Frias ("Freiburg Institute for Advanced Studies") hervorgegangen ist, durch das sich die Uni Freiburg seither mit dem Titel Eliteuniversität schmücken darf. Der Wettbewerb um die Milliardenförderung (damals aus den Erlösen des Verkaufs von UMTS-Frequenzen) habe "enorme Dynamik und Reformbereitschaft im Hochschulwesen ausgelöst", lobte Strohschneider. Er räumte allerdings "enorme Spannungen und problematische Nebenwirkungen" ein, unter die geförderte wie nichtgeförderte Hochschulen im Wettbewerb gesetzt würden. Es spreche viel dafür, "nach einer beachtlichen Phase tiefgreifender Veränderungen wieder etwas Ruhe ins deutsche Universitätssystem zu bringen".

Freiburg bewirbt sich in der dritten Runde erneut um die Fördermillionen der Exzellenzinitiative; die Anträge sind im August abgegeben worden, im nächsten Juni fallen die Entscheidungen. Das Rennen ist spannend, weil auch ehrgeizige Universitäten dabei sind, die bei früheren Runden nicht zum Zuge kamen, etwa die Berliner Humboldt-Universität und die Uni Tübingen. "Wir haben den Erfolg nicht in der Tasche", warnte der Sprecher des Frias-Direktoriums, Werner Frick, "wir müssen uns sehr ins Zeug legen."

Autor: Stefan Hupka