Ein besonderes Talent am Güntertschen Flügel

Anne-Kristin Freyer

Von Anne-Kristin Freyer

Sa, 24. November 2018

Sulzburg

Bei "Weltklassik am Klavier" im Laufener Gutshof Güntert tritt mit der erst 15-jährigen Laetitia Hahn eine junge Virtuosin auf.

SULZBURG-LAUFEN. Dass die Agentur "Weltklassik", mit der der Gutshof Güntert bei der Programmgestaltung seiner Konzerte zusammenarbeitet, ausnahmslos namhafte Künstler nach Laufen schickt, spricht bereits für das hohe Ansehen, das sich diese Veranstaltungen erworben haben. Nun galt es, die angekündigte, aber verhinderte Katharina Treutler zu ersetzen – und das bescherte dem ohnehin an hohe Qualität gewöhnten Publikum einen Abend, der als ein ganz besonderer in die Annalen des Hauses eingehen dürfte: Mit der erst 15-jährigen Laetitia Hahn, die schon jetzt als eines der größten Talente am Piano gefeiert wird.

Alles sei sehr schnell gegangen, so Hausherrin und Organisatorin der Konzerte Edda Güntert. Weltklassik-Chefin Katrin Haarstick habe telefonisch angefragt, ob Laetitia Hahn für ein Konzert in Laufen willkommen sei – und natürlich war sie das. Auch für die Agentur sei dies, so Edda Güntert, eine Premiere gewesen, da sie noch nie mit dieser jungen Pianistin zusammengearbeitet habe.

"Ein junger Star greift nach den Sternen" – dies ist einer der Slogans, die Laetitia Hahn schon jetzt begleiten. Und die holt sie für ihre Zuhörer vom Himmel, möchte man hinzufügen. Denn was da an Musikgenuss zu erleben ist, übertrifft die kühnsten Erwartungen. Wie ist es nur möglich, fragt sich der Zuhörer, dass eine 15-Jährige, ein Teenager, der eben den Schritt vom Kind zum Erwachsenen vollzieht, die anspruchsvollsten Kompositionen so mitreißend und vor allem so authentisch zu Gehör bringt. Immerhin handelt es sich etwa bei der "Pathétique" von Ludwig van Beethoven um ein Werk, das für eine tragische Wende in seinem Leben steht, den Beginn seiner Taubheit, wozu er sich wie folgt geäußert hat: "Ich will meinem Schicksale trotzen, obschon es Augenblicke meines Lebens geben wird, wo ich das unglücklichste Geschöpf Gottes sein werde." Gestik und sparsame Mimik der jungen Interpretin deuten an, dass sie dieses Grundgefühl eines älteren und sich dem Ende seines Lebens nähernden Mannes genau verstanden hat, von ihrem Spiel ganz zu schweigen. Ebenso überzeugend: die Umsetzung die von Ferruccio Busoni transkribierte "Chaconne" des Johann Sebastian Bach, der damit seiner kurz zuvor verstorbenen Frau ein Denkmal setzt. Mit Bachs "Französischen Suite Nr. 5" hatte Laetitia Hahn das Konzert eröffnet, um sich in der Folge Frédéric Chopin und dessen "Andante Spianato" sowie seiner "Grande Polonaise" zuzuwenden. Ihm fühlt sich die Pianistin offenbar in besonders hohem Maße verbunden, wählte sie doch als Zugabe eine weitere seiner Polonaisen.

Noch reist die junge Dame mit ihrer ganzen Familie: Eltern und jüngerer Bruder, der ebenfalls zu den schönsten musikalischen Hoffnungen Anlass gibt. Edda Güntert hat die Familie erlebt und festgestellt, dass da ganz entspannt und humorvoll miteinander umgegangen wird – keine Spur von falschem Ehrgeiz, konstatierte sie.

"Es wäre schön, wenn wir Laetitia Hahn wieder mal hier begrüßen dürften", so Edda Günterts Wunsch, den sie dem begeisterten Beifall nach zu urteilen mit ihrem Publikum teilt.