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07. Februar 2012
Kälteresistente und Unverfrorene
Das Leben im Markgräflerland geht weiter: Die BZ hat einigen Menschen bei ihrer Arbeit in Eiseskälte über die Schulter geschaut.
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Foto: Andrea Drescher
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Foto: Volker Münch
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Foto: sigrid umiger
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u nten ist die Welt einfach nur eisig – was diese Menschen allerdings kalt lässt (von links): Rudolf Bechtold und Marco Ganzmann vom Neuenburger Betriebshof, Austräger Johann Wilhelm Reichert, Mitarbeiter der Abbruchfirma Schotter-Teufel und Installateur René Schnee Foto: ad/mps/umi -
Von oben sieht die Welt momentan traumhaft aus – wie dieses Bild vom verschneiten Hochblauen zeigt
Foto: Christoph Wälde
MARKGRÄFLERLAND. Die Kälte – sie hat auch das Markgräflerland zurzeit im Griff: mit Minusgraden, die hierzulande selten sind. Wie’s Menschen ergeht, die bei diesen Temperaturen draußen arbeiten müssen – und vielleicht sogar mehr zu tun haben als sonst, weil beispielsweise Wasserleitungen platzen und Heizungen ausfallen, erforschten (dick vermummte) BZ-Redakteure und -Mitarbeiter in den vergangenen Tagen.
BETRIEBSHOFMITARBEITERMinusgrade sind sie gewöhnt, die Mitarbeiter des Neuenburger Betriebshofs. Schließlich müssen sie jeden Morgen um vier Uhr auf der Matte stehen, sobald die Temperaturen unter zwei Grad plus sinken. Dann muss der Winterdienst raus zur Kontrolle der Straßen – für den Fall, dass diese durch Eis oder Schnee gefährlich glatt geworden sind. Diesen Winter sei dies nicht anders als sonst auch, sagen Betriebshofleiter Rudolf Bechtold und Mitarbeiter Marco Ganzmann, die gerade in einem Hebewerk im Industriegebiet nach dem Rechten schauen. "Marco, mach die Türe zu", ruft Bechtold seinem Kollegen zu. Eine Kältestoppmaßnahme. Immerhin sind sie hier mal für kurze Zeit geschützt vor den Minusgraden draußen.
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Zum Warmhalten gilt ansonsten die Devise "schneller schaffen", wie der 35-jährige Ganzmann scherzend sagt. Sein Chef bestätigt, dass man jetzt schon darauf achte, Arbeiten zu erledigen, bei denen man nicht lange in der Kälte stehen müsse, sondern sich viel bewegen könne. Auch würden eher Innenarbeiten erledigt, "die liegen geblieben sind". Nichtsdestotrotz müssen die Betriebshofmitarbeiter nicht nur den Winterdienst erledigen, sondern auch die ganz normalen Arbeiten, die einfach anfallen. Dass sie bei Kälte, Regen und Schnee raus müssen, ist für die Betriebshofleute kein Problem. "Man muss sich entsprechend anziehen", findet Bechtold und lobt die gute Qualität der nicht nur leuchtenden, sondern auch wärmenden Schutzkleidung, die ihm und seinen Mitarbeitern aus dem städtischen Haushalt finanziert wird. "Die Qualität ist wichtig", weiß der 55-jährige Betriebshofchef aus Erfahrung. Das gilt für die Schutzjacken ebenso wie für die Schuhe. Und für Handschuhe sowieso: "Wir kaufen keine Handschuhe, die wir nicht vorher geprüft haben."
ZEITUNGSAUSTRÄGER
240 Zeitungen und – nach der kurzen Frühstückspause daheim – rund 80 bis 90 Briefsendungen verteilt Johann Wilhelm Reichert jeden Morgen. Um zwei Uhr früh steht er dafür auf. Auch bei der aktuellen Kälte. Ob ihm das schwerfällt? Er sich dick einmummt oder gar gleich am liebsten daheim im Bett bleiben würde? "Es gibt Schlimmeres", sagt der 68-Jährige lapidar zur Eiseskälte. Und wenn’s noch kälter wird? Auch das scheint Reichert nicht zu erschrecken. Im Gegenteil: "Das ist doch gut – dann geht das Ungeziefer im Garten kaputt."
Seit drei Jahren trägt der Mann vom Niederrhein in Laufen, wo es ihn und seine Frau im Ruhestand hingezogen hat, sowie in Ballrechten Zeitungen und Post aus. Wegen einer schweren Operation musste er zwar mal für ein dreiviertel Jahr pausieren, aber inzwischen ist der Rentner wieder fit – und offenbar kälteresistent. "Kein Problem" ist seine Lieblingsformulierung, wird er auf die aktuellen Minusgrade angesprochen. Wenn er mal länger auf die Zeitungen warten muss, setzt er sich ins Auto. Auch das Rein und Raus aus dem warmen Wagen an die Briefkästen in der Kälte steckt er weg. Ihm mache Hitze im Sommer viel mehr zu schaffen. Das sei er froh, wenn er aus der Sonne verschwinden und im Haus im Schatten sitzen könne.
Dabei müsste der Zusteller Hitze eigentlich aus seinem früheren Beruf kennen: Lange Jahre war er bei Thyssen Krupp Stahl beschäftigt. Und die Temperaturen des glühend heißen Metalls liegen schon einige Grade über denen von Südbadens Sonne. Gleichzeitig konnte Reichert bei seinen früheren Kontrollgängen durchs Werk für seine winterlichen Einsätze als Zusteller üben: "In den riesigen Hallen war es ganz schön kalt!"
BAUARBEITER
Unter der Kälte leiden Maschinen, Bagger und Baufahrzeuge des Abbruchspezialisten Schotter-Teufel, der seit geraumer Zeit mit dem Rückbau des alten Müllheimer Krankenhauses beschäftigt ist. "Wir haben bis Freitagvormittag gearbeitet – trotz der Kälte", berichtet ein Mitarbeiter. Da die meisten Kollegen weitere Wege nach Hause haben, wurde die Arbeit am Freitag aber schon um die Mittagszeit beendet. Montag früh kehrten die Mitarbeiter zurück an ihren kühlen Einsatzort. Manchen Baufahrzeugen mussten sie dann nach dem kalten Wochenende mit einer Starterbatterie erst neues Leben einhauchen, andere ließen sich – meist etwas zäh – doch starten. Der Dieselkraftstoff litt unter den Polartemperaturen offenbar genauso wie die Mitarbeiter selbst. Dick eingepackt machten sich die Bauarbeiter daran, die verschiedenen Geräte warmlaufen zu lassen. Inzwischen werden die Arbeiten wie gehabt fortgesetzt. "Grundsätzlich machen uns diese Temperaturen nicht viel aus", sagt ein Arbeiter, nimmt seine dicken Handschuhe und erklimmt den Sitz seines Radladers.
HEIZUNGSMONTEURE
Eine kuschelige Wohnung und ein warmes Bad, das ist Komfort pur, den man vor allem dann zu schätzen weiß, wenn er fehlt. Die Sanitär- und Heizungsfirmen haben derzeit alle Hände voll zu tun. Mitten im tiefsten Winter – bevorzugt an den Wochenenden – geben Heizungsanlagen plötzlich ihren Dienst auf und Wasserleitungen leiten nichts mehr, weil alles vereist ist. Viele Sanitärbetriebe stehen für ihre Kunden ganzjährig in Wochenendbereitschaft, so auch beispielsweise die Heizungsbaufirma Minarik in Müllheim. So oft wie am vergangenen Wochenende werde der Dienst normalerweise aber nicht in Anspruch genommen, sagt Ines Minarik. Die Problemfälle – zugefrorene Wasserleitungen und defekte Heizungsanlagen – halten sich die Waage.
Monteur René Schnee von der Sanitärfirma Degen in Müllheim hat es nach eigenem Bekunden eher mit kalten Heizungen zu tun. Vereiste Wasserleitungen kämen seltener vor, und wenn, könne man die Rohre oft mit Auftaugeräten erwärmen. Einem Ausfall der Heizung könnte man durch regelmäßige Wartungen vorbeugen und bei alten Anlagen sollte man halt mal den altgedienten Heizungskessel gegen einen neuen tauschen. "Am besten vorbeugend im Sommer", sagt der Fachmann.
Autor: ad


