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23. August 2011
Kleine Welt des Genusses
Wein, Essen & Laufen mit "Gläserner Produktion" – das besondere Laufener Winzerfest.
SULZBURG-LAUFEN. Zu einer kleinen Welt des Genusses wurde am Wochenende bei bestem Wetter das Winzerfest Wein, Essen & Laufen mit "Gläserner Produktion". Dabei ging es natürlich um den Wein – aber nicht nur, wovon sich die Besucher überzeugen konnten.
Einen Einblick in ihre Arbeit können die Imker an ihrem Stand nicht bieten. Rudolf Weller, Vorsitzender der Ortsgruppe Sulzburg-Laufen beim Verband Badischer Imker, winkt denn auch entsetzt ab. "Wenn man bei dieser Hitze Waben schleudert, würden sofort die Wespen kommen", begründet er die Zurückhaltung.Er und seine Imkerkollegen – 30 Mitglieder hat die Ortsgruppe – nehmen dieses Wochenende vielmehr zum Anlass, um neue Imker zu beraten und ihre Produkte vorzustellen. Wer nachfragt, bekommt ausführlich erklärt, dass es eben nicht das Gleiche ist, irgendeinen Honig im Supermarkt zu erstehen oder die im Einheitsglas verkauften Naturprodukte des Verbands, die denn auch ein wenig teurer sind. Ein paar Wespen sind dennoch am Stand, wo die Imker und ihre Frauen ihre Gäste mit hausgemachtem Bienenstich verwöhnen.
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Rafael Sánchez García probiert ein Stück. Den Spanier aus der südlichen Provinz Cádiz, der als Mitglied des Eurokorps seit kurzem in Müllheim stationiert ist, begeistert das Dorfleben. In Laufen sind er und seine Familie regelmäßig zu Besuch, kaufen handgeschreinerte Möbel und frisches Obst. Seine Tochter Carla hat im Kinderprogramm eine Wasserlaterne gebastelt, die sie mit anderen Kindern am Dorfbrunnen ausprobiert. Dass sie dabei nass werden, stört keinen, schließlich ist heute einer der bisher heißesten Tage des Jahres. Ortsvorsteher Konrad freut sich: "Generationen von Kindern haben in diesem Brunnen schon gebadet."
Der Winzer Rainer Schlumberger stand mit einem Hoffest vor 17 Jahren am Beginn des Winzerfestes Wein, Essen & Laufen mit "Gläserner Produktion", dieses inzwischen festen Anlasses im Laufener Kalender. "Ich wurde damals gefragt, ob ich bei der ,Gläsernen Produktion’ mitmachen möchte", berichtet Schlumberger. Er sagte Ja. Jetzt, am späten Nachmittag, herrscht am Weinbrunnen in seinem Hof schon reger Betrieb. Man müsse den Gästen immer wieder Neues bieten, berichtet seine Frau Stephanie. So habe die Kellerführung am Anfang sehr viele, im Laufe der Jahre aber immer weniger Menschen angezogen. Innovationen sind also gefragt. "Es fällt einem aber immer was ein", erklärt sie lachend.
Heute heißt das Thema Wein und Schokolade. So sitzen die sechs Teilnehmer einer Weinprobe erwartungsvoll in der Probierstube, vor sich Pappteller mit jeweils sechs Stückchen ausgesuchter Schokoladenkreationen von "Inka Inti" bis "Papua Rouge", von dunkel-herb bis weiß. Irmgard Zenzen kredenzt dazu verschiedene Tropfen. Ziel der Probe ist nicht nur, die verschiedenen Schlumberger-Weine kennenzulernen. Es geht auch darum, seine Wahrnehmungsfähigkeit zu erweitern. "Das Erspüren von Noten und Nuancen macht unser Gehirn wach", erklärt Zenzen.
Langsam lassen die Teilnehmer die Schokolade im Mund zergehen und netzen sie anschließend mit einem Schluck Wein. Sie suchen Worte, um den Zusammenklang der süßen und herben Köstlichkeiten im Mund zu beschreiben. Die Leute das Genießen lehren, das gehört für Winzer wie Schlumbergers zum Geschäft. "Der Slow-Food-Gedanke hält uns kleine Weingüter am Leben", so Stephanie Schlumberger. Ein Modell mit Zukunft? Inzwischen steht die nächste Generation schon in den Startlöchern: Die älteste Tochter Josefine leitet, unterstützt von Geschwistern und Freunden, ihren eigenen Getränkestand im Hof der Eltern.
Als sich gegen Abend die Temperaturen senken, füllen sich die Tische in den Innenhöfen. Und am Forellenstand des Sulzburger Sportvereins im Obsthof Stephan Güntert bildet sich eine lange Schlange. Wer die köstlichen gebratenen oder geräucherten Fische einmal probiert hat, kommt jedes Jahr wieder.
"Laufen ist besonders, es unterscheidet sich von den anderen Festen, die hier in der Ferienzeit jedes Wochenende stattfinden", sagt Ulrike Mucks, die mit ihrem Mann seit Jahren die "Gläserne Produktion" besucht. Und nicht nur das: "Es macht glücklich", fügt sie hinzu. Mit einem befreundeten Ehepaar aus Siegburg ziehen die beiden von Hof zu Hof, trinken hier und dort ein Glas Wein, betrachten Kunsthandwerk und Mode.
Den beschwingten 20er-Jahre-Jazz der Redhouse Hot Six im Weingut Wendelin Brugger im Rücken geht es schließlich durch die sternklare Nacht nach Hause.
Autor: Beatrice Ehrlich
