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14. September 2009 16:32 Uhr

Ortskern unter Denkmalschutz

Laufen – ein Kleinod an der Weinstraße

Experten schätzen die Dorfmitte von Laufen als besonders erhaltenswert ein, weil sich seit weit mehr als 100 Jahren der historische Grundriss des Ortes kaum verändert hat. Inzwischen steht der historische Ortskern als Ensemble unter Denkmalschutz.

  1. Zehnthaus mit Staffelgiebel Foto: Sigrid Umiger

  2. Ortsdurchfahrt mit Zehnthaus im Hintergrund Foto: sigrid umiger

  3. Die Ursprünge der Winzergenossenschaft reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Foto: sigrid umiger

  4. Das Rathaus von 1914 Foto: sigrid umiger

  5. Im Weindorf gibt es auch wilden Wein. Foto: sigrid umiger

  6. Blick auf das Weingut Güntert-Gilfrich Foto: sigrid umiger

  7. Schloss Zeppelin war ein Meierhof und wurde 1803 von den ehemaligen Lehenspächtern erworben. Foto: sigrid umiger

SULZBURG-LAUFEN. Der landesweite Denkmaltag lenkte auch den Blick auf den Sulzburger Ortsteil Laufen. Eine Delegation besuchte am Samstag das Winzerdorf unter fachkundiger Führung von Erik Roth vom Referat für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg. Laufens historischer Ortskern steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Manifestiert ist dies durch eine Satzung der Stadt Sulzburg, die seit Mai 2009 in Kraft ist.

Im Regierungsbezirk Freiburg stehen bereits 40 Altstädte unter Denkmalschutz, erklärte Erik Roth. Im Rahmen der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes hatte das Landesdenkmalamt dem Regierungspräsidium Freiburg den Auftrag erteilt für vergleichende Untersuchungen im ländlichen Raum. Gesucht wurden Gesamtanlagen von historischen Ortskernen, die als komplettes Ensemble erhaltenswert sind und unter Denkmalschutz gestellt werden sollten.

Als Ergebnis hat das Präsidium innerhalb des Regierungsbezirks Freiburg zwölf Gemeinden mit einem historischen Kern vorgeschlagen. Im Markgräflerland betrifft dies Britzingen und Laufen. Der Denkmalschutz eines gesamten Ortskerns trete aber nur in Kraft, wenn die Kommunen das wünschen und werde erst wirksam, wenn die Ratsgremien spezielle Satzungen erlassen haben, informierte Erik Roth. In Müllheim steht die Satzung für Britzingen noch aus. Die Stadt Sulzburg hat die Voraussetzungen für die Unterschutzstellung von Laufen bereits am 14. Mai 2009 geschaffen.

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Warum Experten gerade die Dorfmitte von Laufen als besonders erhaltenswert einschätzen, wurde der Delegation klar beim Rundgang mit Erik Roth und Jost Großpietsch, dem Kulturamtsleiter der Stadt Sulzburg. Die wiesen auf einen Gemarkungsatlas von 1882 hin, der zeigt, dass sich der historische Grundriss des Ortes kaum verändert hat. Weinbäuerliche Anwesen beherrschen das innere Ortsbild. Fast immer sind die meist verputzten und in Bruchsteinmauerwerk ausgeführten Häuser gestelzt. Das bedeutet, sie haben ein hohes und massives Kellergeschoss, das zur Reifung und Lagerung des Weines benötigt wurde, und vor den Haustüren außen liegende Treppenaufgänge.

Laufen sei ein typisches Haufendorf und liege am Kreuzungspunkt älterer Handelswege zwischen Staufen, Müllheim, Badenweiler und Buggingen, erklärte Roth. Entlang der Weinstraße, die sich als zentrale Hauptachse durchs Dorf zieht, zeugen mehrere dominante Gasthöfe von einem regem Handelsverkehr.

Nördlich des alten Ortsbereiches erhebt sich die 1852 gebaute evangelische Kirche und als Gegenpol prägt – ebenfalls in erhöhter Lage – das stattliche Gebäude der Winzergenossenschaft das Südende der Weinstraße durch Laufen. Die 1934 errichtete Genossenschaft besticht durch drei Dachgeschosse mit Fachwerk und Giebeldreiecken. Am besten sieht man die Winzergenossenschaft vom Gelände der 1926 gegründeten Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin. Sie war Ausgangspunkt der fachkundigen Führung durch das Winzerdorf.

Das Schloss Zeppelin war früher der Meierhof

Der Inhaberin der Staudengärtnerei, Aglaja von Rumohr, gehört auch das Schloss Zeppelin. Zur dreiflügeligen, um einen großen Innenhof mit Schlossbrunnen gruppierten Anlage gehören ein Wohnhaus und ein Verwaltungsbau mit Arkaden. Unter dem Wohnhaus befindet sich ein Keller. Das genaue Baujahr der Schlossanlage stehe nicht fest, erklärte Aglaja von Rumohr, aber es handle sich um eine ehemalige Ortsburg, später den Meierhof, der 1803 von seinen Lehenspächtern erworben worden sei. 1860 wurden dem gräflichen Garten Teile des alten Kirchen- und Friedhofgeländes zugeschlagen.

Die frühere Kirche, im Mittelalter zwischen dem Pfarrhof und dem Schloss errichtet, wurde abgebrochen. Daher ist die heutige evangelische Kirche relativ jung. Baubeginn war 1852, eingeweiht wurde sie 1856.

Gegenüber dem Schlosses befindet sich ein Dreiseitgehöft, datiert auf das Jahr 1741. Eigentümer war ab dem Jahr 1796 der Laufener Vogt Johann Jakob Kaltenbach. Bis vor kurzem war hier das Weingut Güntert-Gilfrich, das umgenutzt wird. Momentan wird das Gebäude von seinen Eigentümern – der Familie Güntert, die in der zehnten Generation von Vogt Kaltenbach abstammt – behutsam und mit Hilfe von Altbauspezialisten renoviert.

Aus der Schlossgasse geht es in die Weinstraße. Hier nimmt das Eckgebäude mit der Hausnummer 16 rein baulich betrachtet eine Sonderstellung ein. Das war auch die Absicht des Architekten, der 1914 für die Errichtung des ehemaligen Rathauses beauftragt worden war. Im Erdgeschoss sind normale, eckige Fenstergewänder, während das Obergeschoss Rundbogenfenster hat. Das Eingangsportal befindet unter einem Rundbogentor und unter dem Walmdach sind mehrere Satteldachgauben.

Das Ortsbild besonders prägt der Zehnthof. Auffallend an dem zweigeschossigen Wohnhaus ist der markante Staffelgiebel. Wie eine Treppe umschließt er unter dem Satteldach zwei Dachgeschossebenen. Durch das südlich angebaute Nebenhaus und eine Scheune mit zwei Rundbogentoren zeigt sich auch der Zehnthof als Dreiseitgehöft. Der Kamin im Wohnhaus ist auf 1579 datiert, der rauchgeschwärzte Dachstuhl soll 1698 gebaut worden sein. Diese Hofanlage sei ein wichtiges Zeugnis für die gehobenen dörflichen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse, wie sie vor den Zerstörungen im 17. Jahrhundert geherrscht haben, betonte Erik Roth vom Denkmalreferat des Regierungspräsidiums. Insgesamt vermittle dieser Winzerort ein besonders authentisch überliefertes historisches Erscheinungsbild eines landwirtschaftlich geprägten Dorfes. Laufen gehöre innerhalb der ehemaligen Markgrafschaft Baden zu den am besten erhaltenen Orten und habe aus denkmalfachlicher Sicht den Charakter einer Gesamtanlage, bekräftigte Roth.

Parallel zur Unterschutzstellung bietet das Land Baden-Württemberg Kommunen und Bürgern finanzielle Anreize für fachgerechte Sanierungen. Britzingen wurde ins Förderprogramm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen, in Laufen können Zuschüsse aus dem Topf des Landessanierungsprogramm (LSP) beantragt werden. "Wir wollen den Eigentümern den Wert ihrer Gebäude bewusst machen und helfen, bei Sanierungen Qualitäten hervorzuheben", erklärte Erik Roth beim Rundgang durch Laufen.

Autor: Sigrid Umiger