Superverso bis Glasperlenspiel

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Di, 15. Januar 2019

Klassik

Der Komponist Ernst Helmuth Flammer wird heute 70.

Einer der frühesten Eindrücke vom Komponisten Ernst Helmuth Flammer war dieser: Seelenruhig saß er in der Bibliothek des Musikwissenschaftlichen Seminars der Freiburger Universität und arbeitete akribisch an seinen Partituren. Denn: Flammer ist beides – Komponist und Musikologe, der mit einer Dissertation über Nono und Henze bei Hans Heinrich Eggebrecht promoviert hatte. Komposition hatte er bei den Koryphäen Klaus Huber und Brian Ferneyhough studiert. Zunächst aber widmete sich der Heilbronner Chemikersohn der Mathematik und Physik. Seit 2003 lehrte Flammer dann an der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden Komposition und Musikwissenschaft.

Ein kritischer, ja ein streitbarer Kopf ist Flammer immer geblieben, der mehr als 30 Jahre in Freiburg lebte, wo er in dessen Frühzeit dem ensemble recherche verbunden war. Auch Usancen des Musikbetriebs hinterfragte er. Flammers Musik ist komplex, eigenwillig, doch es lohnt, sich auf sie einzulassen. Das Orchester und dessen Möglichkeiten interessieren ihn. Vor allem ist er unter den ambitionierten Musica-nova-Komponisten einer der ganz wenigen, die mit der Orgel etwas anzufangen wissen: Flammers gewaltiger zwölfteiliger, auf CD eingespielter "superverso"-Zyklus für dieses Instrument berührt Messiaen’sche Dimensionen. Selbst ein "Glasperlenspiel" für fünf oder zehn Laienakteure, das in Freiburg erklang, findet sich im Werkkatalog. In Freiburgs Konzertleben ist es um den Umtriebigen vergleichsweise ruhig geworden. Heute wird Ernst Helmuth Flammer 70. Ihm alles Gute!