Interview

Susanne Göhner über die Internationale Kulturbörse in Freiburg

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mi, 16. Januar 2019 um 19:02 Uhr

Kultur

Es ist ihre Premiere. Erstmals verantwortet die Kulturmanagerin Susanne Göhner die Internationalen Kulturbörse in Freiburg. Wie sie an diese Aufgabe herangeht? Ein Interview.

Sie hat viel Erfahrung in der Branche – und als sie in ihrer ersten Pressekonferenz für die am Sonntag startende Internationale Kulturbörse (IKF) auf der Freiburger Messe das Programm erläuterte, war ihre Begeisterung fast ansteckend: Susanne Göhner (55) hat die Nachfolge von Holger Thiemann als Projektleiterin angetreten. Heidi Ossenberg sprach mit der Kulturmanagerin über ihre Premiere.

BZ: Frau Göhner, sind Sie schon eingearbeitet?
Göhner: Ich bin seit August 2017 hier und wurde von Holger Thiemann mit eingearbeitet. Die IKF ist eine sehr komplexe Fachmesse. Das übrige Team ist gleich geblieben, was natürlich auch sehr hilft.

BZ: Trägt denn diese Kulturbörse, die am Sonntag beginnt, bereits Ihre Handschrift? Und wenn ja, wie sieht diese aus?
Göhner: Für die Ausgabe 2019 habe ich versucht, die Gesetzmäßigkeiten kennen zu lernen. Ich brauche für mich einen Durchlauf IKF. Wie seit 30 Jahren üblich, werden wir die Kulturbörse natürlich weiterentwickeln. Ich habe dafür Ideen, die dann in ein, zwei Jahren zum Tragen kommen.

BZ: Es gibt auf einer Ausstellungsfläche von 15 000 Quadratmetern fast 200 Live-Auftritte auf mehreren Bühnen, es gibt zehn Specials, zehn Sonderschauen, es gibt das Seminarangebot, Aussteller aus 13 Ländern, Künstlerinnen und Künstler aus 36 Nationen. Die Frage klingt fast vermessen: Was ist neu in diesem Jahr?
Göhner: Wir haben eine neue, responsive Homepage – sie ist also nutzbar von allen Endgeräten. Das hilft allen – auch den Künstlerinnen und Künstler, die online ihre Bewerbungen schicken oder den Jurymitgliedern, die über die Auftritte entscheiden und sich alle Bewerbungen vorab online anschauen können. Es gibt drei Auswahlkommissionen, jeweils eine für den Bereich Darstellende Kunst, Musik und Straßentheater, die sich hier vor Ort in Freiburg treffen und die Entscheidungen fällen. Und, um es gleich zu sagen, die Jury wird jedes Jahr neu besetzt. Neu ist auch, dass wir den Straßentheaterbereich an anderer Stelle im Zentralfoyer platziert und eine Zuschauerpodesterie aufgebaut haben.

BZ: Zu sehen sein werden auf der Messe Bühnenproduktionen, also darstellerische Kunst, Musik und Events. Können Sie Trends ausmachen?
Göhner: Es gibt viel Freude am Varieté, der zeitgenössische Zirkus boomt – da gibt es immer mehr Festivals und das Bemühen, Zirkus in die öffentliche Förderung zu bringen. Im Poetry Slam probieren die jungen Künstlerinnen und Künstler sich aus – und ich bin sehr erfreut zu erleben, mit welcher Liebe zur Sprache hier gearbeitet wird. Das gilt auch für zahlreiche Vertreter im Kabarett- und Comedy-Bereich.

BZ: Apropos Comedy und Kabarett – ist dieses Genre immer noch sehr von Männern dominiert?
Göhner: Ja. Es bewerben sich auch bei uns leider wenig Frauen. Ich würde mich freuen, wenn wir in den kommenden Jahren auch mehr Kabarettistinnen und Comediennes präsentieren könnten. Eine Ausnahme macht übrigens das Musikkabarett. Da gibt es immer mehr Frauen.

BZ: Von Montag bis Mittwoch ist die Messe von der IKF besetzt; viele Möglichkeiten, sich räumlich auszubreiten, gibt es nicht. Werden denn auf der Börse noch gute Geschäfte gemacht?
Göhner: Ja, davon kann man ausgehen! Die Veranstalter lassen sich inspirieren, sie können auf der IKF ja die Künstler live erleben und buchen. Es werden neue Kontakte geknüpft und alte Kontakte intensiviert. Und auch für die Künstlerinnen und Künstler ist die Möglichkeit, Kurzauftritte vor einem Publikum voller Entscheider – das also zu einem großen Teil aus Veranstaltern besteht – zu präsentieren eine wunderbare Gelegenheit, ins Geschäft zu kommen.

Susanne Göhner (Jahrgang 1963) arbeitete von 1998 bis 2011 im Burghof Lörrach, seit 2005 als Mitgeschäftsführerin und dort auch für große Teile des Programms zuständig. Danach war sie 2012 beim Festival Culturescapes in Basel als Betriebs- und Kommunikationsleitung tätig. Anschließend arbeitete sie bei der Stadt Karlsruhe im Bereich Bürgerzentren sowie freiberuflich für das Kulturzentrum Tollhaus. Seit August 2017 ist sie bei der FWTM, die die Internationale Kulturbörse Freiburg veranstaltet.
Internationale Kulturbörse, 20.–23. Januar. Die Messe ist auch für Nicht-Fachbesucher geöffnet. http://www.kulturboerse.de