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16. Juli 2012 00:01 Uhr

Tremseh

Syrien: Keine Beweise für zweites Massaker

Tremseh ist nicht Hula: UN-Beobachter finden in Syrien keine Beweise für ein weiteres Massaker von Assads Schabiha-Milizen an bis zu 250 Zivilisten.

  1. Vielen Syrern bleibt derzeit nur die Flucht vor ihre zerstörten Häuser. Auch dieser Großmutter in Tremseh, die ihren Enkel im Arm hält, ist nicht viel geblieben. Foto: AFP

HAMA/LIMASSOL. Tremseh ist nicht Hula, wo im Mai über 100 Zivilisten brutal ermordet worden sind: Der Angriff der syrischen Armee auf die 8000 Einwohner-Ortschaft bei Hama richtete sich vor allem gegen die bewaffneten Rebellen, erklärte die Sprecherin der UN-Beobachter, Sausan Ghoseh. Damit widersprach sie Berichten von syrischen Oppositionsaktivisten in London. Sie hatten am Freitag ein überwiegend an Zivilisten verübtes Massaker in Tremseh gemeldet. Bis zu 250 Menschen, hieß es, seien dabei von Assads Schabiha-Milizen getötet worden.

In Wirklichkeit sei der Angriff der syrischen Streitkräfte auf Tremseh durch einen Überfall der Freien Syrischen Armee (FSA) auf einen Konvoi der Assad-Armee bei Hama ausgelöst worden, berichtete AFP bereits in die Nacht zum Samstag. Die französische Nachrichtenagentur berief sich auf Aktivisten des oppositionellen Sham News-Network. Im Verlauf einer Konteroffensive habe die Assad-Armee dann die FSA bis zu ihren Stellungen in Tremseh verfolgt und sie dort nach einem einstündigen Kampf vernichtend geschlagen. Diese Darstellung bestätigten knapp 24 Stunden später die UN-Beobachter. Sie untersuchten das in einer Schule untergebrachte Hauptquartier der FSA, in dem "Blutlachen und Blutflecken" registriert wurden. Die Schule und andere Gebäude wurden durch Artilleriegeschosse fast vollständig zerstört.

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Die Assad-Armee ging wieder einmal äußerst brutal vor

In einem Gespräch mit der Badischen Zeitung fasste ein europäischer Militärbeobachter in Beirut die Kämpfe so zusammen: "Die Rebellen haben eine von ihnen selbst provozierte Schlacht verloren und versuchten ihre Niederlage als ein Massaker an Zivilisten darzustellen." Dies ändere aber nichts an der Tatsache, dass die Assad-Armee äußerst brutal vorgegangen sei und den Rebellen offenbar eine Lektion erteilen wollte.

Die Art und Weise, wie die syrische Führung am Sonntag das Vorgehen ihrer Armee rechtfertigte, ist erschreckend: Regierungssprecher Jihad Makdissi sprach von einer "Qualitätsoperation" der Streitkräfte, die weder Hubschrauber, Panzer noch schwere Artillerie, sondern "lediglich Panzerfäuste", eingesetzt habe. Wenn Kofi Annan das Gegenteil behaupte, verbreite er Unwahrheiten. Sein Brief, in dem der Sondervermittler der Vereinten Nation dem Assad-Regime die Verletzung seines Sechs-Punkte-Planes (zum Beispiel den Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten) vorwarf, "beruhe nicht auf den Fakten".

Auch die syrischen Rebellen sind über das Vorgehen von Annan alles andere als glücklich. Bereits vor der Richtigstellung der Ereignisse in Tremseh hatten Sprecher der Opposition die syrische Bevölkerung aufgefordert, gegen den "Verräter und Assad-Freund Annan" auf die Straße zu gehen. Dass die Blauhelme es nun wagten, den Darstellungen der Opposition von einem Massaker öffentlich zu widersprechen, dürfte den weit verbreiteten Hass auf Kofi Annan noch verstärken.

Dennoch versuchten viele Oppositionelle, ihre Version von einem Massaker an Zivilisten aufrechtzuerhalten. Wirklich stichhaltige Beweise konnten sie aber nicht liefern. Die vorliegenden Erkenntnisse der Vereinten Nationen würden sich "eher mit der Darstellung der syrischen Regierung als den Massaker-Berichten der Opposition decken", sagte der seit über 30 Jahren im Libanon und Syrien arbeitende BBC-Korrespondent Jim Muir.

Autor: Michael Wrase


1 Kommentar

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2035

16. Juli 2012 - 09:16 Uhr

"Die Rebellen haben eine von ihnen selbst provozierte Schlacht verloren und versuchten ihre Niederlage als ein Massaker an Zivilisten darzustellen."

Danke, Michael Wrase, für diesen Bericht.

Das Desaster in Syrien ist zwar von den Rebellen und der gewiss nicht zimperlich agierenden Regierung verursacht, eine gewisse Mitschuld haben meiner Meinung aber auch die Kräfte im Ausland, die die Opposition ermutigen unter dem Motto: Hauptsache Revolution, egal ob es Sinn macht oder nicht. Nach der Kaputtbombardierung des Regimes in Libyen durften die syrischen Rebellen hoffen, dass auch sie so unterstützt werden und haben sich in einen aussichtslosen Kampf begeben.

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