Tänzer wider Willen

Jens Balkenbor

Von Jens Balkenbor

Do, 17. Januar 2019

Kino

BIOPIC: "Yuli" erzählt die Geschichte von Carlos Acosta.

"Yuli" böte den Stoff für ein ergreifendes
Biopic: Ein Straßenjunge aus Havanna wird, getrieben durch den Vater, zu einem weltbekannten Balletttänzer. Yuli nennt der Vater ihn, nach einem afrikanischen Kriegsgott. Grundlage für Paul Lavertys Drehbuch war die Autobiografie "Kein Weg zurück" des kubanischen Tänzers Carlos Acosta.

Im Kino werden solche Geschichten gerne mit einer dicken Portion Zuckerguss und Drama überzogen. Das gilt, zumindest größtenteils, nicht für Regisseurin Icíar Bollaín und Autor Paul Laverty, die die Geschichte vielmehr mit Ruhe, zartem Humor und in einer klugen filmischen Form erzählen. Da ist einerseits die Rahmenhandlung, in der es um den gealterten, sich selbst spielenden Acosta geht, der mit Tänzerinnen und Tänzern an einer Performance über sein Leben arbeitet. Diese Ereignisse werden verwoben mit den Erinnerungen Acostas. Der Film spannt einen Bogen über 40 Jahre.

Die dramatischen Fallstricke der Geschichte werden ausgelagert, indem sie dem für diesen Film passendsten emotionalen Ausdrucksmittel überlassen werden: dem Tanz. In geschickten Montagen mit Performances aus der Rahmenhandlung wird der Tanz zum psychoanalytischen Katalysator. Die Erinnerung daran, dass Carlos von seinem Vater mit einem Lederriemen verprügelt wird, mündet etwa in einem duellierenden Tanz, in dem ebenfalls ein Riemen zum Einsatz kommt. Mit den originellen Wechseln zwischen Tanz und Erzählung entspinnt sich ein ungewöhnliches Biopic. Ganz gelingt es allerdings nicht, die anfängliche innere Spannung aufrechtzuerhalten. Am Ende ist "Yuli" jedoch das Porträt eines interessanten Mannes, der mit etwas, das er nicht machen wollte, zu Weltruhm gelangte, seiner Heimat aber immer treu geblieben ist.

"Yuli" (Regie: Icíar Bollaín) läuft in Freiburg. Ab 6.