Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. September 2012

Tagebuchmuseum im Alten Rathaus

Eine Dauerausstellung im ersten Obergeschoss soll Besuchern des Archivs die schönsten Exponate präsentieren.

  1. Wertvolle Bestände aus dem Tagebucharchiv sollen in einem kleinen Museum ausgestellt werden, das im ersten Obergeschoss des Alten Rathauses eingerichtet wird. Foto: Tagebucharchiv

  2. Auf Zigarettenpapierchen hat der Autor des Tagebuchs aus der Kriegsgefangenschaft seine Erinnerungen festgehalten. Eines von 831 neuen Dokumenten, die 2010 dem Tagebucharchiv anvertraut wurden Foto: Markus Zimmermann

  3. Auf Zigarettenpapierchen hat der Autor des Tagebuchs aus der Kriegsgefangenschaft seine Erinnerungen festgehalten. Eines von 831 neuen Dokumenten, die 2010 dem Tagebucharchiv anvertraut wurden Foto: Markus Zimmermann

EMMENDINGEN. Hansjörg Jenne gerät geradezu ins Schwärmen: "Besuchen Sie Emmendingen – das Museumsstädtle", so sieht er die Stadt in naher Zukunft um Touristen werben. Mit einem Tagebuchmuseum im ersten Obergeschoss des Alten Rathauses soll das bestehende Angebot an themenorientierten Museen wie dem Fotomuseum Hirsmüller oder dem Jüdischen Museum noch größer werden. Der Kultur und Sozialausschuss hat dem Konzept gestern Abend zugestimmt.

Das Deutsche Tagebucharchiv (DTA) zähle zu den "kulturellen Highlights unserer Stadt", warb der Kultur-Fachbereichsleiter für die Einrichtung eines eigenen Tagebuchmuseums in zwei freien Räumen im Alten Rathaus. Der Bestand an Tagebüchern umfasse mittlerweile fast 10 000 Bände , der Verein habe mehr als 500 Mitglieder und 80 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Einrichtung genieße bei ihren Nutzern und in der Wissenschaft hohes Ansehen und stoße auch in den Medien auf große Beachtung.

Als ein großes Manko habe sich laut Jenne herausgestellt, dass es bislang keine Möglichkeit gibt, die zum Teil wertvollen Bestände den Besuchern auch angemessen zu präsentieren. Zeitweise hätten sich die DTA-Mitarbeiter mit improvisierten Ausstellungen beholfen, so beim Besuch des Kulturstaatsministers Bernd Neumann oder des Rektors der Freiburger Universität Hans-Jochen Schiewer. "Bei mehr als 1000 Besuchern im Jahr sehen DTA und Stadtverwaltung die Notwendigkeit, die Tagebücher auch museal zu präsentieren", betonte Jenne in der Ausschusssitzung.

Werbung


Die Pläne der Verwaltung sind bereits sehr konkret. Ein Raumkonzept für die Räume im ersten Obergeschoss des Alten Rathauses sieht folgendes vor: Der Bürgersaal soll weiterhin als "gute Stube" der Stadt für Trauungen, Konzerte und Vortragsveranstaltungen genutzt werden. Das daran anschließende ehemalige Zimmer des Oberbürgermeisters steht als Ergänzungsraum bei Veranstaltungen im Saal zur Verfügung. Dieser Raum soll auch für Versammlungen und Besprechungen vermietet werden.

Die beiden auf der Südseite des Rathauses gelegenen kleineren Räume – vor dem Umzug vom Tagebucharchiv genutzt – sollen als Tagebuchmuseum eingerichtet werden. Der Zugang erfolgt über das Treppenhaus. Der zwischen den beiden Räumen gelegene Foyerraum erhält eine Zwischenwand und soll im hinteren Bereich als Lager und im vorderen Bereich als Empfangsraum mit kleinem Museumsshop dienen.

"Die Einrichtung der beiden Räume erfolgt unter größtmöglicher Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange", versicherte Jenne. Die Holzvertäfelung bleibe erhalten, zwei der drei Fensternischen würden als Vitrinenräume genutzt, an der Fensterseite werde mit großformatigen Fotos für das Tagebucharchiv und das neue Museum geworben. Weitere Fenster- und Wandvitrinen sowie eine Leseecke sollen die ausgewählten Bestände in Szene setzen. Geplant und umgesetzt werden soll das Museum in enger Zusammenarbeit von Tagebucharchiv und Fachbereich 4 der Stadtverwaltung. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, soll die Einrichtung vor allem mit Eigenentwürfen und -bauten erfolgen. Rund 25 000 Euro sind im städtischen Haushalt 2013 zunächst dafür eingeplant.

Geplant ist, die Emmendinger Museumslandschaft gemeinsam zu bewerben und zu vermarkten. "Es gibt wohl keine Stadt vergleichbarer Größe, die über vier so unterschiedliche themenorientierte Museen innerhalb eines Radius von 500 Metern verfügt", so Jenne.

Autor: Gerhard Walser