Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Januar 2009

Der Papst und die Abweichler

Tagesspiegel: Merkwürdige Gesten

Die katholische Kirche und ihr deutscher Papst können sich keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen leisten.

Was ist dieser Kirche wichtiger: dass sie noch die seltsamsten Sektierer in die eigenen Reihen zurückholt, oder dass sie sich ein gutes Ansehen in der Welt bewahrt? Das muss ihr Vorsitzender auf Erden sich schon fragen lassen. Wieder einmal hat Benedikt XVI. es geschafft, widersprüchliche Signale in die Welt zu senden – eine Spezialbegabung dieses Mannes – und damit ein neues Imageproblem heraufbeschworen. Sein Versuch, den innerkirchlichen Haussegen zu begradigen, indem er Abweichler rehabilitiert, endet damit, dass sich nun Juden schwer missachtet fühlen müssen. Denn unter den Fundamentalisten, denen der Papst die Hand reicht, ist auch einer, der öffentlich abstreitet, dass es einen Holocaust je gegeben hat. Welche kruden Weltanschauungen und falschen Geschichtsbilder in der großen Mutter Kirche alle Platz haben sollen, das lässt schon staunen. Zwar hat sich ein Vatikansprecher von dem Holocaust-Leugner distanziert, aber so einfach ist der Fall nicht zu erledigen. Vielleicht ist es nämlich kein Zufall, dass unter den alten Konzils- und Reformgegnern, die noch von der großen Inquisition träumen, auch Geistliche mit klar antisemitischem Antrieb sind. Solche Meinungen sind aber nicht die Privatangelegenheit eines Kirchenmannes. Sie schaden dem erklärten Ziel der Verständigung mit anderen Weltreligionen. Solche Stimmen in den Reihen seiner Würdenträger zu dulden, kann sich der Papst nicht leisten – ein deutscher Papst erst recht nicht.

Werbung

Autor: Stefan Hupka