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17. Oktober 2008

Ein Fest mit Tradition

Am Samstag wird die Heimbacher Kilwi eröffnet – zum mehr als 500. Mal

  1. Festwagen mit Weinfässern, aus denen der Heimbacher Wein bei der Kilwi 2007 floss. Foto: Jürgen Bader

TENINGEN-HEIMBACH Die Geschichte von Heimbach ist auch die Geschichte der Kilwi. So beschrieb es 1990 beim Heimatabend in Teningen Sigismund von Elverfeldt, als die Geschichte des kleinsten Ortsteils von Teningen im Mittelpunkt stand.

Das Datum der Kilwi bestimmt seit jeher der Todestag des heiligen Gallus. Er starb am 16. Oktober 640; die Kilwi beginnt immer am darauf folgenden Wochenende, früher am Sonntag nach der Kirche; inzwischen öffnen die Vereinsstraußen bereits am Samstagabend.

Wie oft die Kilwi schon abgehalten wurde, weiß man nicht so genau. Aber dass es mehr als 500-mMal sein werden, das weiß Ortsvorsteher Hans-Bernhard Kradepohl aufgrund vieler Aufzeichnungen. Klein aber oho – Heimbach war einst das Ziel von Pilgern und an solchen Orten entwickelt sich bald auch Handel. Der Kilwi-Markt fand jahrhundertelang am Gallenbach statt. Dort befand sich auch die "Stuben", das 1604 gar als "Kaufhaus zu Heimbach" tituliert wurde. Die Heimbacher Kilwi überstand die Notzeiten des 30-jährigen Krieges. Als die alte Gallenkapelle am Gallenbach baufällig geworden war, verlagerte sich der Markt immer weiter in die Mitte des Dorfes. Nur einmal weiß man sicher, dass die Kilwi ausgefallen ist: Als ausgerechnet am 18. Oktober 1796 österreichische Truppen in der Schlacht von Emmendingen die Franzosen über den Rhein zurückschlugen und Heimbach im Zentrum des Kampfes lag. Es heißt jedoch, dass kein Heimbacher zu Schaden gekommen sei – so berichtete es jedenfalls von Elverfeldt bei jenem Heimatabend.

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Die Kilwi wuchs und blühte, 1834 kamen 29 Händler aus dem Gebiet zwischen Freiburg und Offenburg, aber auch von Hechingen oder aus der Nähe von Ulm. Tuch- und Eisenkrämer, Schuhmacher, Gerber, Sieb- und Wannenmacher sowie Hafner bereicherten das bunte Markttreiben. Außerdem war Heimbach ein bedeutender Viehmarkt: 119 Schweine standen zur Auswahl.

Die Händler mussten seit jeher Standgebühr zahlen. Bis 1833 ging das offensichtlich gut, doch dann kam ein junger Neu-Baron auf die Idee, die Standgelder deutlich zu erhöhen. Statt bis dahin zwölf waren dann 25 Kreuzer fällig, klagte Schustermeister Matthias Faller 1834. Auch sonst war der junge Baron offenbar ein richtiger Streithansel. Doch nach einem "tumultarischen Auftritt" vor dem Heimbacher Schloss wurde er ruhiger: Die Kilwi-Abrechnungen der folgenden Jahre zeigten, dass die Standgelder wieder deutlich herabgesetzt wurden. Streitigkeiten sind dennoch nicht wenige überliefert. Sei es, dass es um das Recht ging, einen Degen zu tragen, oder darum, einen Fremden ohne Erlaubnis der Obrigkeit zu bewirten und zu beherbergen.

So streng sind die Sitten heute zum Glück nicht mehr: Die Heimbacher Kilwi ist das Patrozinium der Gemeinde und ein Fest mit viel Spaß für Groß und Klein.

Programm: Eröffnet wird die Kilwi am Samstag um 18.30 Uhr , Um 19 Uhr werden die Vereinsstraußen, zum Teil mit Live-Musik, geöffnet. Am Sonntag ist um 10 Uhr der Festgottesdienst in der Pfarrkirche; anschließend wird der neu gestaltete Vorplatz eingeweiht. Um 11.30 Uhr werden die Vereinsstraußen sowie die Handwerkerstraße in der Dreibrunnenstraße eröffnet und die Anton-Scherer-Straße wird zur Spielstraße. Um 14.30 Uhr beginnt der Hammellauf. Am Montag, 20. Oktober, findet der traditionelle Gallusmarkt statt. Die Vereinsstraußen haben ab 10 Uhr geöffnet.

Autor: Sylvia-Karina Jahn