So schön kann Politik sein

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Mo, 20. Februar 2017

Teningen

Teninger Jugendliche: Wir fühlen uns das erste Mal ernst genommen / Ziel ist ein Jugendausschuss.

TENINGEN. Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker zeigt sich begeistert über das Engagement der Jugendlichen: "Genial und richtig gut, was beim zweiten Jugendbeteiligungsworkshop rausgekommen ist." Und er hat zum Schluss noch eine Vision: "Wir bilden einen Jugendausschuss mit beratender Funktion, in dem Jugendliche als sachkundige Einwohner beteiligt sind. Davon werde ich den Gemeinderat überzeugen."

Freitagnachmittag: Eingeladen sind Jugendliche ab 14 Jahren, die in der Gesamtgemeinde Teningen wohnen und an einem Workshop teilnehmen mit einer Tagesordnung. Neun sind gekommen. Vor ihnen liegt eine Diskussion über Vorstellungen und Wünsche für ein für Teningen und seine Jugendlichen passenden Formates zur Jugendbeteiligung. Gemeinsam soll überlegt werden, wie eine langfristige und effektive Jugendbeteiligung gestaltet werden kann. Gleichzeitig sollen weitere Themenfelder erschlossen werden, die die Jugendlichen der Gemeinde beschäftigen. Moderiert wird die Sitzung durch die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendbüros und Udo Wenzl.

Als Erstes ist der Bürgermeister an der Reihe. Er nimmt seine Aufgabe ernst. Er sitzt zwar prominent am Kopf des Tisches, aber er weiß, dass bei diesem Workshop in erster Linie die Jugendlichen diskutieren werden. Er berichtet von derzeit drei Prozessen, die mit Jugendbeteiligung zu tun haben ("seit vier Jahren bieten wir Jugendhearings an") und erzählt, wie die Arbeit in Verwaltung und Gemeinderat bis zu den Beschlüssen abläuft. "Ihr sollt einen Weg finden, mit euch gemeinsam etwas Konkretes zu erarbeiten, denn heute geht es darum: Wie kriegen wir das in die Form gegossen?" Hagenacker erklärt in Windeseile Vorteile und Vorgehensweise seiner Idee: Gäbe es einen Jugendausschuss mit beratender Funktion, werden dessen Ergebnisse aus dem Ausschuss 1 zu 1 in der Gemeinderatssitzung beschlossen werden können. Das Jugendforum sei die Basis, aus dem die Mitglieder für den Jugendausschuss gewählt werden. Es findet mindestens einmal im Jahr statt und entsendet die Jugenddelegierten in den Ausschuss. "Habt ihr das verstanden?" Alle nicken tapfer.

Für Wenzl ist wichtig, dass Jugendliche möglichst früh Demokratie erfahren. Am Flipchart zeichnet er verschiedene Modelle auf (Jugendgemeinderat, Jugendforum, Achterrat, Jugendausschuss auf der Basis der Ortsteile). Jeder ist mal dran, wenn Wenzl Fragen stellt wie "Findest du, dass man die Ortsgröße berücksichtigen muss?" oder "Sollte es eine Begrenzung der Zahl von Jugendlichen geben?" "Sollen Mitarbeiter vom KJB auch dabei sein?" "Wollt ihr Diskussionen auch ohne den Bürgermeister?" "Was denkt ihr über die Gemeinderatsfraktionen?" "Wie oft soll getagt werden?" Nach dem eindeutigen Ergebnis ist Wenzl sehr zufrieden und kündigt ein Konzeptpapier an, in dem alles zusammengefasst ist. Das wird dann nochmals mit der jugendlichen Arbeitsgruppe und im Gemeinderat diskutiert. Wenzl gibt noch den Rat: "Baut einen Platz ein, wo die einmal im Jahr mindestens einen festen Zugang zu euch haben. Stichwort Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Ihr besprecht und plant tolle Aktionen, aber ihr müsst auch darüber berichten." Wenzl lobt: "Es war ein guter Anfang und ein gutes Forum. Für euch begründet, was ihr denkt, was für Teningen das Beste ist."

Der vorläufige Entwurf sieht vor, dass eine Verknüpfung zwischen Jugendforum und Jugendausschuss mit Ortsbeteiligung ausgearbeitet wird. So viel Eintracht würde Politikern wohl auch gefallen. Eine Sitzung von gut zwei Stunden, ein Beschlussvorschlag, einstimmig angenommen – und ab ins Wochenende. So schön kann Politik sein. Ein Wunschtraum? Mitnichten. So sieht eine ganz normale Abstimmung beim Jugendbeteiligungsworkshop im Bürgersaal des Rathauses aus.

Es gibt wohl gute Gründe, warum sich die Jugendlichen politisch engagieren: "Weil es Spaß macht mitzugestalten", lautet die eine Antwort. Eine andere: "Wir fühlen uns das erste Mal ernst genommen."