Tatverdächtiger schweigt

Trauer um getötete Mutter und ihren Sohn in Teningen

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Fr, 04. August 2017 um 20:45 Uhr

Teningen

Nach dem gewaltsamen Tod einer 39-Jährigen aus Teningen und ihres vierjährigen Sohnes haben Familie, Freunde und Kollegen Abschied genommen. Unterdessen wurden Hintergründe der Tat bekannt.

Ihr früherer Lebensgefährte (52), der Vater des Kindes, sitzt unter dem dringenden Verdacht, die beiden getötet zu haben, in Untersuchungshaft und schweigt.

"Sie hat immer mit der Angst gelebt, dass es irgendwann so kommen könnte", sagte Pfarrer Andreas Ströble in seiner Traueransprache in der Evangelischen Kirche von Teningen und zitierte aus der Todesanzeige der Familie: "Wir konnten euch nicht schützen." Er fügte hinzu: "Niemand konnte das verhindern."

Zwar hatte das Amtsgericht Freiburg gegen den Tatverdächtigen – ein Deutscher mit algerischen Wurzeln, von dem Frau und Kind seit einiger Zeit getrennt lebten – ein Annäherungsverbot verhängt. Am vorigen Freitag früh jedoch erschien er vor ihrem Wohnhaus in Teningen, blockierte mit seinem Wagen ihr Auto bei der Fahrt aus der Tiefgarage und fügte seinen Opfern mit einem Messer Stichverletzungen zu, an denen beide im Krankenhaus starben. Nach kurzer Fahndung und Verfolgung ließ sich der Mann nahe der Autobahn bei Freiburg widerstandslos festnehmen; der Haftrichter sah dringenden Mordverdacht, "Heimtücke" und "niedere Beweggründe".

Annäherungsverbot erst tags zuvor rechtskräftig

Das Annäherungsverbot war nach Informationen der Badischen Zeitung erst tags zuvor rechtskräftig geworden. Bereits im Mai hatte die 39-Jährige, die für ein Freiburger Unternehmen in der häuslichen Krankenpflege arbeitete, die Polizei gerufen und ihren Ex-Partner wegen Bedrohung angezeigt. Laut Michael Mächtel, Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft, und Polizeisprecher Dirk Klose sahen die Beamten zwar keine Anzeichen von Misshandlung oder Körperverletzung, hielten aber den Vorwurf der Bedrohung für glaubwürdig. Der Ex-Partner dagegen hat laut Klose eine Bedrohung kategorisch und an Eides statt abgestritten und Widerspruch eingelegt. Der endgültige Beschluss des Gerichts muss ihn kurz vor der Tat erreicht haben.

Übergangsweise bei Bekannten untergekommen

Die 39-Jährige hatte kurz nach der Anzeige mit ihrem Sohn die Wohnung in Freiburg verlassen, war übergangsweise bei Bekannten untergekommen und wohnte seit zwei Monaten in Teningen. "Wir wissen nicht, wie er es geschafft hat, sie ausfindig zu machen", sagt eine Freundin der BZ, "vielleicht war er ihr schon länger gefolgt." Die Pflegerin fuhr einen Firmenwagen. Andererseits hatte das Kreisjugendamt Emmendingen, so Sprecher Ulrich Spitzmüller, bereits den Auftrag, nach dem Annäherungsverbot mit den getrennt lebenden Eltern eine Umgangsregelung für das Kind zu erarbeiten.

"Operativer Opferschutz"

"Es bleiben Fragen", sagte Heinz-Rudolf Hagenacker, der Bürgermeister von Teningen, in der Trauerfeier. Der "Platz ohne Angst", den die beiden auf dem Land gesucht hätten, sei ihnen verwehrt geblieben, das Annäherungsverbot habe sich als "stumpfes Schwert" erwiesen. Die Polizeiarbeit, bestätigt Klose, kennt den stärkeren "operativen Opferschutz". Dieser aber bedeute "massivste Einschnitte", denen nur wenige Betroffene zustimmen, etwa "ein vollständig neues Leben an einem geheimen Ort".

Auf Wunsch der Familie erklang in der Trauerfeier ein Lieblingslied der Toten – "This is the Life" von Amy McDonald.

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