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07. Februar 2012

Vaterunser in Vielfalt

Der Bezirkschor Cantate Dekanate bot in Emmendingen und Teningen seltene Klangerlebnisse.

  1. Der Bezirkschor Cantate Dekanate unter der Leitung von Jörn Bartels Foto: Hans Jürgen Kugler

TENINGEN. Ein außergewöhnliches Konzert erwartete die Zuhörer am Samstag in der evangelischen Kirche in Teningen (und tags darauf in der Emmendinger Stadtkirche). Der Bezirkschor Cantate Dekanate hatte zusammen mit dem Ensemble Pian e forte den 400. Todestag Hans Leo Hasslers in diesem Jahr zum Anlass genommen, einige von dessen kirchenmusikalischen Werken in Erinnerung zu rufen. Im Mittelpunkt der Aufführung stand die Choralvertonung "Vater unser im Himmelreich".

In zehn Abschnitten verarbeitete der Komponist in reicher Polyphonik auf imitatorische Weise eine seinerzeit bekannte Choralmelodie, die sich auch heute noch im evangelischen Gesangbuch findet. Methodisch führt der Komponist den Choral durch die vier Stimmen, der im mittigen fünften Vers durch einen Kunstgriff sogar fünfstimmig gehalten ist. In wogender Klangfülle intonierten die Musiker die Verse und überzeugten durch ihren homogenen, transparenten Chorklang. Das Werk sollte anscheinend durch ein verstörendes, abgrundtiefes Amen beschlossen werden, dem der Komponist mit einem zehnten Teil aber wohl nachträglich einen lebhafteren Ausklang verliehen hatte.

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Flankiert wurde die Aufführung von weiteren Vertonungen dieses zentralen Gebets des Christentums. Am Anfang des Konzerts stand der gleichnamige gregorianische Choral (mit deutschem Text), dessen Melodieformeln zahlreichen Komponisten als Grundlage ihrer eigenen Vaterunser-Vertonungen diente. Ein eindrückliches Beispiel hierfür gibt die Motette Pater noster von Igor Strawinsky, die ganz im alten Stil gehalten ist und vom Bezirkschor unter Leitung von Jörn Bartels in einem homogenen, intensiven Chorklang dargeboten wurde. Unterstützt vom warmen Klang historischer Holzblasinstrumente wie Dulzian, Rankett und Blockflöte interpretierten die Sängerinnen und Sänger die frühbarocke Fassung dieser Gebetsvertonung von Heinrich Schütz.

Das Ensemble Pian e forte – Marie-Luisa Hilkert, Blockflöte; Klaus Miehling, Altdulzian, und Sarah Renno, Bassdulzian) stellte unter der Leitung von Uwe Schlottermüller (Tenordulzian, Cornamuse, Rankett) erneut sein hohes musikalisches Niveau bei der vierstimmigen Instrumentalfuge von Hans Leo Hassler zu "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" unter Beweis.

Ein selten zu hörendes Klangerlebnis erwartete die Zuhörer bei der folgenden Komposition von Anton Gosswin. Auf drei sogenannten Gämshörnern (de facto aus Kuhhörnern gefertigt) präsentierten die Musiker einen Liedsatz dieses eher unbekannten Kapellmeisters aus dem 16. Jahrhundert. Das mittelalterliche Instrument lässt sich wie eine Blockflöte beziehungsweise eine Okarina spielen und entfaltet ein erstaunlich weiches, warmes und obertonreiches Klangbild, das in seiner Klangreinheit an ein Orgelregister erinnert.

Leis dahingezupft wie fallende Schneeflocken beginnt das Interlude von Benjamin Britten, das Claudia Valsi auf der Harfe gefühlvoll interpretierte. Von geradezu rührender Schlichtheit getragen, steigert sich die Komposition zu einem mächtigen klangvollen Höhepunkt, ehe sie wieder in ausgedehnten Arpeggien hauchzart verklingt.

Nach Johann Sebastians Orgelbearbeitung des Vaterunsers (stilvoll: Jakoba Marten-Büsing) beendeten die Musiker ihr auserlesenes Konzertprogramm mit Otcenas (Vater unser) für Chor, Harfe und Orgel von Leos Janacek. Das Ensemble führte dieses melodisch reiche Frühwerk des Komponisten in Originalfassung auf, da nur die weichen tschechischen Laute einen Eindruck von der geradezu organischen Verbindung von Musik und Sprachmelodie gewährleisten.

Das Spektrum dieser musikalisch höchst unterschiedlich gestalteten, zuweilen von osteuropäischer Wehmut durchzogenen Sätze reicht von überbordender Fröhlichkeit bis zu einem zart gehaltenen Wiegenlied und schließt mit einem klangvollen Amen ab.

Autor: Hans-Jürgen Kugler