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30. Januar 2012

Zu viel Mutter, zu wenig Vater und Kind

Die Schriftstellerin Herrad Schenk sprach beim Frauenfrühstück über die neue Mutterrolle.

  1. Ein leckeres Büfett gab’s beim Frauenfrühstück. Foto: Pia Grättinger

  2. Referentin Herrad Schenk Foto: Pia Grättinger

TENINGEN-KÖNDRINGEN. "Wie viel Mutter braucht der Mensch?" – zu diesem Thema passend referierte die Schriftstellerin, Rundfunk- und Fernsehmoderatorin Herrad Schenk aus Freiburg beim ökumenischen Frauenfrühstück in der Köndringer Winzerhalle. Schenk hat bereits 1996 ein Buch über dieses Thema herausgegeben. Rund 200 Frauen der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Teningen ließen sich davon ansprechen und faszinieren.

Zu beobachten war auch, dass die Frauen, die sich an diesen Frauenfrühstück beteiligen, immer jünger werden. Ganz still und leise hat ein Generationswechsel statt gefunden. Zum Teil waren Mütter mit ihren Babys da, andere Mütter, deren Kinder etwas älter waren gaben ihre Kids bei der Kinderbetreuung ab, die eigens dafür eingerichtet war.

Begeistert über die Veranstaltung zeigte sich Miriam Kunz aus Heimbach, die mit ihrer acht Monate alten Tochter Anna da war und schon seit vielen Jahren teilnimmt: "Es ist so zwanglos hier, man geht offen aufeinander zu und trifft alte Bekannte". Uschi Dengler aus Teningen meinte: "Wir sind ein lustiger Haufen von sieben Personen, es geht uns doch einfach nur gut, für uns ist das eine vierstündige Auszeit, die wir genießen". Für die meisten Frauen, die sich alle Jahre wieder auf das Frauenfrühstück freuen, ist es ein fester Termin im Kalender.

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Herrad Schenk streifte in ihrem Vortrag das Mutter- und Kindsein vom letzten Jahrhundert bis in die Gegenwart. Interessant auch ihre Thesen: "Kinder haben heute zu viel Mutter, zu wenig Vater, zu wenig andere Kinder und Erwachsene". Auch stellte sie fest, dass sich noch nie soviel Erziehungsleistung und Fürsorge auf so wenige Kinder konzentriert haben. Trotzdem hätten die Mütter mehr Schuldgefühle als früher. In der Historie war früher eine Mutterschaft etwas Selbstverständliches, auch nebensächlicher, einfach beifällig. Die Mütter von früher standen auch alle in der Arbeit – zuhause zwar, aber sie hätten viel leisten müssen, denn sie waren Bäuerinnen, mussten Haus und Garten pflegen und waren rundum gefordert. Heute gingen die Mütter schnell zurück zu ihrer Arbeit, da sie ja nicht zu lange aus ihren Beruf heraus sein wollten. "Das ist auch richtig, nur sollte mehr familienergänzende Betreuung gesucht werden, wie Betreuung in kleinen Gruppen, auch die Qualität der Betreuung zählt, auch wenn es nur zwei oder drei Stunden sind", forderte die Rednerin. Dass sich Mütter und Väter abwechseln bei der Betreuung, sei eine "Märchenvorstellung". Die Referentin forderte deshalb eine flexible, bezahlbare Kinderbetreuung. Auch sollte es eine flexible Betreuung durchgehend geben, von 7 bis 19 Uhr. "Die sollte allerdings qualitativ gut sein, nicht dass die Kinder nur abgegeben werden, denn gerade in diesem Alter erwerben die Kinder Lebensfähigkeiten, die keine Mutter bieten kann". Dies trage später zur guten Schulbildung bei, so Schenk. In Ländern wie Frankreich, wo es diese flexible Betreuung gebe, seien die Kinderzahlen nicht zurück gegangen.

Auch werde in Deutschland die Mutterbindung verwechselt mit der Frage, wie lange eine Mutter zuhause sei. Die Bindung werde nicht besser, wenn die Mutter immer um das Kind herum springe. Es seien ganz andere wichtigere Kleinigkeiten, die eine Bindung ausmachten. Am Ende ihres Vortrages stellte Herrad Schenk die Frage an die Frauen: "Wie viel Kind braucht die Mutter?" Das Abnabeln der Mutter vom Kind sei oft ein viel schwierigerer Prozess.

Abgerundet wurde das Frauenfrühstück durch Gemeindereferentin Regina Wangler, die durch das Programm führte. Die bezaubernde Tischdekoration – Nadelkissenherzen – wurden von den Helferinnen des Bastelkreises hergestellt, die auch mit dem Büfett die Frauen verwöhnten. Umrahmt wurde das Frühstück mit Liedern des Kinderchors aus Heimbach, der von Christiane Hirzel geleitet wird, am Piano spielte Andreas Ebner.

Autor: Pia Grättinger