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13. September 2010

Das Friedensdoppel

Inder Rohan Bopanna und Pakistani Aisam-ul-haq Qureshi begeistern nicht nur die Tennis-Welt.

  1. Aisam-ul-haq Qureshi (links) und Rohan Bopanna freuen sich über Platz zwei in New York. Foto: afp

NEW YORK (dpa). Das Arthur Ashe-Stadium glich einem Tennis-Tollhaus, die Fans flippten aus, sogar die Botschafter vergaßen die politischen Probleme und klatschen begeistert Beifall. Rohan Bopanna aus Indien und sein pakistanischer Doppel-Partner Aisam-ul-haq Qureshi sind trotz ihrer Final-Niederlage die größten Gewinner der US Open.

Zwar verpassten die beiden 30-Jährigen durch eine 6:7, (5:7), 6:7 (4:7)-Niederlage gegen die amerikanischen Zwillinge Bob und Mike Bryan (32) den Coup von Queens. Das Friedensdoppel wurde von den 23 000 Zuschauern dennoch gefeiert.

"Wenn Rohan und ich auf und außerhalb des Platzes so gut miteinander auskommen, gibt es keinen Grund, warum Indern und Pakistanis das nicht auch gelingen sollte", sagte Qureshi. Selbst die siegreichen Bryan-Brüder verneigten sich vor dem "Indo-Pak-Express". "Was sie leisten, ist viel wichtiger, als die US Open zu gewinnen", betonte Bob Bryan.

Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 hat es zwischen Indien und Pakistan drei Kriege gegeben. Immer wieder schwelen Konflikte zwischen beiden Atom-Mächten. Allen politischen Animositäten in ihrer Heimat zum Trotz spielen Bopanna/Qureshi seit 2003 zusammen. Für beide ist dies so normal, wie die täglichen Probleme im Grenzgebiet ihrer Heimatländer.

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"Es gibt nicht viele gute muslimische Tennis-Spieler. Also spiele ich mit einem Christen, Juden oder Hindu oder ich spiele gar nicht", sagt Qureshi, der auch schon mit dem Israeli Amir Hadad ein Doppel bildete. Der Durchbruch ist Bopanna/Qureshi in New York gelungen. Durch ihren Finaleinzug bekam das Friedensdoppel weltweite Aufmerksamkeit.

Ein Netz aufstellen und an der Grenze spielen

Schon beim 7:6 (7:5), 6:4-Halbfinalsieg gegen die Argentinier Eduardo Schwank/Horacio Zeballos saßen die Botschafter Hardeep Singh Puri und Abdullah Hussain Haroon nebeneinander auf der Tribüne. "Wir kennen uns schon lange und sind ständig auf der Suche, neue Wege zu öffnen – und dies ist eine großartige Chance", sagt der Pakistani Haroon. "Hier geht’s um Sport, aber man sieht das große Potenzial", ergänzte sein Amtskollege.

Auch beim Endspiel drückten beide wieder Seite an Seite die Daumen – genauso wie weitere tausende Inder und Pakistanis in der Arena. Vor dem Finale hatte sich bereits der pakistanische Premierminister Syed Yousaf Raza Gilani telefonisch bei ihm gemeldet und mitgeteilt, wie sehr er das Auftreten der beiden schätze – besonders in diesen für Pakistan schwierigen Tagen nach der Flutkatastrophe.

Im Moment des größten Erfolges nutzte Qureshi zugleich die Gelegenheit, in der größten Tennis-Arena der Welt eine weitere Botschaft in die Welt zu schicken. Seit dem 11. September 2001, so der 30-Jährige, habe er in den USA und anderen westlichen Staaten das Gefühl bekommen, dass die Menschen einen falschen Eindruck von Pakistan hätten und das Land nur als Nation von Terroristen sehen. "Ich möchte einfach klarmachen, dass wir sehr freundliche, friedliebende und umsichtige Menschen sind, die den Weltfrieden genauso wollen, wie Amerikaner und alle anderen in der Welt", sagte er unter tosendem Applaus.

Ihr nächstes Projekt haben Bopanna/Qureshi bereits geplant. Sie wollen an der indisch/pakistanischen Grenze ein Netz aufstellen und Tennis spielen. "Unser Auftreten hier war ein Schritt nach vorne, und wird uns dabei helfen. Und unser Erfolg war definitiv ein positives Zeichen in die Heimat", sagte Bopanna.

Autor: Siehe auch "Erklär’s mir"