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13. Januar 2012 00:01 Uhr

Grand-Slam-Turnier

Der Australian Open gehen die Stars aus

Absagen, Verletzungen, fehlende Form: Dem ersten wichtigen Tennisturnier des Jahres, der Australian Open, drohen die Stars auszugehen. Das könnte eine Folge zu kurzer Pausen für die Athleten sein.

  1. Serena Williams hat sich beim Turnier in Brisbane Anfang des Jahres verletzt. Sie bangt noch um ihre Teilnahme in Melbourne. Foto: AFP

Serena Williams kann nicht anders als anders zu sein. Und so setzt die US-Amerikanerin auch in ihrer jüngsten Verletzungsmisere nach eigener Aussage zuerst auf ihre inneren Kräfte und auf die Kraft Gottes, um ihre Knöchelverstauchung zu überwinden. Die erfolgreichste aktive Tennisspielerin, die schon zwölf Grand-Slam-Titel gewonnen hat, gehört zu einer stetig wachsenden Gruppe von Profis, die schon vor den Australian Open das Lazarett des Wanderzirkus’ bevölkert. Das erste wichtige Turnier des Jahres startet am Montag.

Wohin man auch blickt vor den ersten Ballwechseln in der Rod-Laver-Arena in Melbourne, drängt sich der Eindruck einer ziemlich angeschlagenen Tourneemannschaft auf – mit Spielern, die ihre Wehwehchen aus der Vorsaison noch nicht auskuriert haben und sich in der kurzen Winterpause nicht ausreichend erholen konnten. "Wen soll man überhaupt anfeuern in den nächsten beiden Wochen? Viele Topleute kränkeln, sind nicht in Form", schrieb die lokale Herald Sun.

Vom "Happy Slam" in sonniger Ferienidylle, einst auch von Roger Federer gern und oft beschworen, ist die Stimmungslage im kühlen Melbourne jedenfalls weit entfernt. Schon zu Wochenbeginn hatte die frühere Australian-Open-Siegerin Venus Williams ihre Absage bekanntgegeben: Noch immer laboriert die einstige Nummer eins unter den Folgen ihrer schweren Autoimmunerkrankung (Sjögren-Syndrom), viele in der Szene halten ein Comeback sogar für ganz ausgeschlossen. Aufsehen erregte auch Andrea Petkovics Rückzug aus dem Turnier, Christopher Clarey, Korrespondent der New York Times, schrieb von einem "Schlag gegen das Damentennis und den Charisma-Faktor" bei den Australian Open. Denn auch die topgesetzte Caroline Wozniaki aus Dänemark will erst an diesem Freitag entscheiden, ob sie trotz eines verstauchten Knöchels antreten kann.

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Turnierdirektor Craig Tiley kann nur hoffen, dass ihm weiteres Ungemach vorerst erspart bleibt. Weitere Sorgenfälle drängten sich in der kurzen Einspielzeit für den Melbourne-Wettbewerb geradezu auf: Kim Clijsters, die Titelverteidigerin, gab in Brisbane wegen einer Hüftverletzung auf und muss nun zittern, dass ihr Grand-Slam-Comeback nach mehreren Monaten Spielpause halbwegs ordentlich über die Bühne geht. Auch für Serena Williams, die Siegerin der Jahre 2009 und 2010, verlief die Vorbereitung gegen alle Planungen: Die Amerikanerin knickte in Brisbane im Spiel gegen die Serbin Bojana Jowanowski so schwer um, dass sie das Turnier abbrechen musste. In Melbourne wirkte sie zwar bei den ersten Trainingseinheiten wieder recht agil, aber an einen neuerlichen Triumph mag die Exzentrikerin derzeit nicht denken: "Das wäre vermessen. Ich bin froh, wenn ich das Turnier problemlos beginnen kann."

Auch um die führenden Kräfte im Herrentennis rankten sich Spekulationen und Gerüchte – kein Wunder bei der kurzen Erholungszeit, die Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer hatten. Der Schweizer, mit 30 Jahren der älteste Anwärter auf den Titel, musste unlängst wegen Rückenschmerzen das Turnier in Doha abbrechen. Tag für Tag ginge es in Melbourne gesundheitlich aufwärts, so Federer. Doch die Fragezeichen um seine Form und Verfassung konnte er damit nicht auslöschen. Seinen Konkurrenten Djokovic und Nadal, die massiv in der Debatte um den zu vollen Terminkalender vorgeprescht waren, ging es gesundheitlich auch nicht wesentlich besser – beide klagten nach der gedrängten Vorbereitungszeit über Schulterprobleme. Noch am fittesten wirkt der Schotte Andy Murray – in der verqueren Logik der Tour ist dies indes auch keine echte Überraschung: Schließlich hatte der Weltranglisten-Vierte wegen einer Zwangspause bei der letztjährigen WM die längste Ruhezeit für Melbourne gehabt.

Der hohe Pegel der Krankenstandmeldungen befeuert derzeit auch die alten Debatten in der Tenniswelt: um den Sinn oder Unsinn eines Grand-Slam-Turniers, das gleich zu Beginn der neuen Saison den Sportlern Höchstleistungen und eine knüppelharte Vorbereitung abverlangt. Und um die vermeintlich zu kurze Winterpause, die für Athleten wie Nadal gar nur ein klitzekleines Päuschen von drei Tagen war. Denn er hat bis zuletzt noch im Davis Cup auf dem Platz gestanden.

Autor: Jörg Allmeroth