"Doppel ist eine eigene Sportart"

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 24. Juli 2017

Tennis

Der TC BW Oberweier zeigt sich als Meister im Spiel mit einem Partner und gewinnt auch sein drittes Zweitligamatch.

TENNIS 2. Bundesliga Süd: TC BW Oberweier – TC Weiß-Blau Würzburg 6:3. Unglaublich aber wahr. Der Aufsteiger aus Oberweier ist auch nach drei Spielen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse unbesiegt. Am Sonntag vor der Rekordkulisse von mehr als 600 Zuschauern feierte das Team dank seiner starken Doppel den dritten Sieg und übernahm die Tabellenführung.

Doppelstärke? Was macht sie aus? Das hat viel mit Verständnis, mit automatisierten Abläufen auf dem Court zu tun. Und da sehen sich Jungs aus Oberweier im Vorteil. Sie spielen in Kombination mit Andrej Kracman schon seit Jahren zusammen. Da sind Reaktionen bekannt, da weiß man voneinander, wer welche Schokoladenseite hat. Denis Kapric aus Villingen ist ein Doppelspieler und war bereits an zwei Siegen beteiligt. "Doppel ist eine eigene Sportart", sagt er und fügt hinzu, "wir sind da so erfolgreich, weil wir als Team so eng miteinander verbunden sind." Die familiäre Atmosphäre im Verein beurteilt der 23-Jährige, der im Winter zum Team stieß, "als unseren entscheidenden mentalen Vorteil." Am Sonntag schlug der so deutlich durch wie nie zuvor. Sämtliche Doppel siegten und sorgten dafür, dass die weiße Weste des Aufsteigers keine Flecken bekam.

Tennis war in der Ortenau noch nie so gefragt wie aktuell. Am Sonntag sahen so viele Menschen wie noch nie ein Match in einer deutschen Spielklasse. Etwas mehr als 600 sind es gewesen. Und sie wussten die Leistungen auf den Plätzen einzuordnen, wie das Gespräch auf der Tribüne belegt. "Des isch scho ebbes anders", flüsterten sich zwei Herren zu am Rande des Spiels von Paul Wörner. "Da müsse mer lange trainieren", folgte die von einem Lächeln begleitete Replik, "aber Zuschauen bringt ja auch was."

Spannung Und was? Spannung und hochklassiges Grundlinientennis, das, wie schon in den vorangegangenen Partien eine ganz besondere Note durch die Match-Tiebreaks erhielt. Die zehnte Entscheidung auf diese Art hatte für den Ausgang der Partie eine ganz besondere Bedeutung und zog das Publikum in seinen Bann. Das Fallen einer Stecknadel wäre zu hören gewesen, als sich Andrej Kracman und der Schwede Bergevi auf dem roten Sand duellierten. Beim 6:3 und 8:5 sah es nach dem ersehnten Erfolg des Slowenen im Oberweierer Dress aus. Beim 9:8 hatte er Matchball und beim 10:12 zum ersten Mal in dieser Saison das Nachsehen. Und wieder stand es nach den sechs Einzeln 3:3.

Rekordkulisse an der Palmengasse

Ein Zwischenstand, der unterstreicht, die Liga ist derart ausgeglichen, dass es wirklich nur Nuancen sind, die Unterschiede ausmachen. "Die Liga ist ganz eng", sagte Paul Wörner nach seinem dritten Einzelerfolg, den er sich im Match-Tiebreak mit 10:6 gesichert hatte und damit die Tür zum späteren Erfolg des Teams ein Stück weit öffnete. Er unterstrich, wie wichtig die Psyche für das Spiel ist. "Viel Selbstvertrauen habe ich mit dem Sieg am Freitag gegen Sebastian Ofner gewonnen und dieses Spiel wollte ich hier bestätigen". Das gelang im ersten Satz eindrucksvoll. Und nach einem kleinen Tief in Durchgang zwei, knüpfte er im finalen Tiebreak wieder an sein Spiel mit der dominierenden Vorhand an.

Für die Spannung in der zweiten Runde hatte mit Philipp Bauer ein Akteur gesorgt, der sich vor der Runde nur geringe Chancen auf einen Einsatz gemacht hatte. "Ich hatte nur mit dem einen oder anderen Einsatz gerechnet". Nach drei Spieltagen hat der 28-Jährige zweimal im entscheidenden Doppel gespielt und zwei Einzel hinter sich. Die Bilanz: 3:1 und viel Respekt, den ihm nicht nur der Trainer Oliver Killeweit zollte. "Du bist halt eine Kampfmaschine", sagte er und klopfte ihm auf die Schulter nach dessen10:2 im Match-Tiebreak, der die erste Runde aus Oberweierer Sicht mit 1:2 beendete.

Kompakt: Balazs - Montanes 6:1, 6:4, Struvay – Alvacaz 4:6, 1:6; Wörner – Aguilar 6:1, 3:6, 10:6; Obert – Figueroa 3:6, 2:6; Kracman – Bergevi 6:7, 6:2, 10:12; Bauer – Rügamer 6:3, 2:6, 10:2; Balazs/Struvay – Montanes/Aguilar 7:6, 6:3; Wörner/Kracman – Alvacaz/Rügamer 6:2, 6:1; Obert/Kapric – Figueroa/Bergevi 6:3, 5:7, 10:8.