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17. März 2011

TC Rheinfelden

Jiri Vesely lässt Bälle wie Flummis hüpfen

Der Tscheche Jiri Vesely, weltbester Junior im Tennis, trainiert eine Woche lang auf der Anlage des TC Rheinfelden.

  1. Stille Tage in Rheinfelden: Jiri Vesely (Mitte) mit seinem Trainer Jaroslav Machovsky (links) und dem TCR-Coach Tomas Stusek Foto: matthias kaufhold

  2. Foto: Matthias Kaufhold

TENNIS. Eigentlich geht es ziemlich betulich zu, wenn Volker Morgenstern und Armin Brack an einem Mittwoch bis Mittag in der Rheinfelder Tennishalle den Schläger schwingen. Doch diesmal wandert ihr Blick immer wieder rüber zum Nachbarfeld, wo die Bälle wie Flummis knapp unter die Hallendecke hüpfen. Jiri Vesely schlägt Volleys, nicht krachend, eher kontrolliert, und doch beschleunigen die Bälle wie Meteoriten auf einer irrwitzigen Umlaufbahn. "Das lenkt schon ab, wenn einer so eindrücklich spielt", gesteht Brack, der Schweizer. "Das ist eine ganz andere Welt, irgendwie faszinierend", sagt Morgenstern.

Die beiden Hobbyspieler sind an diesem Vormittag die einzigen Zuschauer beim Training von Vesely und seinem Coach Jaroslav "Bob" Machovsky. Seit Montag überbrückt der 17-jährige Tscheche die Zeit zwischen zwei Turnieren mit Übungseinheiten auf dem roten Hallenteppich des TC Rheinfelden. Machovsky und der tschechische Vereinstrainer des TCR, Tomas Stusek, sind seit Jugendzeiten eng befreundet. Vormittags feilt Vesely zwei Stunden lang mit seinem Coach aktiv an Spielstrategien, nachmittags folgt eine kleine Schicht mit den besten verfügbaren Spielern des Vereins wie Christina Shakovets, Dennis Baumgartner oder Fabian Beck. Der 16-jährige Baumgartner, immerhin baden-württembergischer Meister der Altersklasse U 16, ist beeindruckt: "Er macht einfach keine Fehler und spielt unheimlich konstant."

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Vesely ist ja nicht irgendwer – er verkörpert den Maßstab im Welttennis der Jugend. Seit Januar führt der 1,98 Meter große Hüne aus dem Tenniszentrum Prostejov bei Brünn die Weltrangliste der Junioren an. Bei den Australian Open gewann Vesely ohne Satzverlust sowohl im Einzel als auch im Doppel die Juniorenkonkurrenz. Nun steht der Sprung in den Männerbereich bevor, wo er derzeit Platz 848 der Weltrangliste einnimmt. "Am Ende des Jahres will ich unter die Top 300 bis 350 kommen", verrät Vesely.

"Bei ihm kommen viele wichtige Komponenten zusammen", erklärt Tomas Stusek. Vesely hat durch seine Größe eine enorme Reichweite, er erreicht bei Aufschlägen Ballgeschwindigkeiten von 220 Kilometern pro Stunde und spielt "eine tödliche Vorhand" (Stusek). Doch der größte Vorteil sei seine Schlägerhaltung: Vesely ist Linkshänder. "Auf der wichtigen linken Aufschlagseite sind seine Bälle von Rechtshändern deshalb nur sehr schwer zu retournieren", erklärt Stusek.

Linkshänder, 1,98 Meter und "eine tödliche Vorhand"

Während des Trainings herrscht Ruhe und Gelassenheit. Selten greift Trainer Machovsky mit Korrekturen ein – nie ist er dabei laut, stets reichen ein paar Wörter auf Tschechisch. Dabei spricht Vesely auch Deutsch. Und das fließend. "Erst wollte ich es auf Englisch versuchen, dann auf Hochdeutsch", sagt Dennis Baumgartner. "Aber Jiri spricht fast mehr Dialekt als ich." Der Grund: Von seinem zweiten bis zum zwölften Lebensjahr lebte das Talent in Deutschland. Sein Vater Jiri Vesely senior war als Tennistrainer in Wolfsburg und Göttingen beschäftigt.

"Ich fühle mich sehr wohl in Rheinfelden", sagt Vesely junior. Der Hallenuntergrund sei durch das Granulat zwar etwas rutschig, "aber schon okay". Bei den Vaduz Open, einem am Sonntag beginnenden ITF-Männer-Turnier mit Weltranglistenpunkten, wird Vesely wieder auf den üblichen Hartcourtbelägen spielen. Von der Stadt und der Umgebung habe er noch nichts gesehen. Er sei ja zum Tennisspielen nach Rheinfelden gekommen.

Am Tenniszentrum in Prostejov sieht sich der im böhmischen Príbram geborene Jugendliche sehr gut unterstützt. Dort sind die besten Nachwuchsspieler Tschechiens versammelt, regelmäßig trainiert er mit dem aktuellen Weltranglistensiebten Tomas Berdych. An eine der vielen US-Akademien zieht es ihn nicht. "Das ist immer ein bisschen schwierig und kostet viel Geld", sagt Machovsky, der schon den früheren Weltranglistenachten Radek Stepanek an die Spitze heranführte.

Stille Tage in Rheinfelden. So einer wie Vesely kommt vielleicht zum Trainieren hierher. Als Spieler der Oberliga-Mannschaft ist er für den Verein nicht bezahlbar, stellt Stusek klar. Eine Rückkehr auf die Anlage in Warmbach ist aber nicht ausgeschlossen. "Es kann schon sein, dass er noch mal zu uns kommt, wenn es sein Turnierplan zulässt", sagt Stusek. Nicht nur Morgenstern und Brack würden dann gerne noch mal rüberlinsen.

Autor: Matthias Kaufhold