Vom Verlust der Lockerheit

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 31. Juli 2017

Tennis

Aufsteiger TC BW Oberweier liefert in Reutlingen ein großes Match und verliert unglücklich / Muskelfaserriss bei Vatutin.

TENNIS 2. Bundesliga Süd: TV Reutlingen – TC BW Oberweier 5:4. Nach sechseinhalb Stunden am fünften Spieltag musste sich der Aufsteiger TC BW Oberweier erstmals geschlagen geben. Eine Niederlage im Spitzenspiel, die am seidenen Faden hing, obwohl sich Alexej Vatutin verletzt hatte. Sie hätte beide Kontrahenten treffen können.

Wer gedacht hatte, der TC BW Oberweier gebe sich nach dem vorzeitigen Klassenerhalt mit der Situation zufrieden, wurde am Sonntag in Reutlingen noch vor dem ersten Aufschlag eines besseren belehrt. Alexej Vatutin stand auf dem Platz – und somit boten die Ortenauer ihr vermeintlich stärkstes Team auf. Das sorgte auch für ganz besondere Spannungsmomente, die im finalen Doppel die 450 Zuschauer, darunter rund 50 Fans aus Oberweier, in den Bann zogen.

Paul Wörner und Andrej Kracman sollten es richten, so die Kalkulation bei den Gästen. Es folgte ein Doppel, das es in sich hatte. Vor allem der Match-Tiebreak, der nach dem 7:5, 2:6 die Entscheidung nach sechseinhalb Stunden Tennis bringen musste. Beim 9:8 hatte Oberweier den ersten von sechs Matchbällen, beim 14:13 den Letzten. In der Disziplin nervliche Standhaftigkeit hatten die Schwaben einen minimalen Vorsprung und eine gehörige Portion Fortune bei Netz- und Linienbällen. Das reichte, um nach zwei Minibreaks den ersten Matchball zu verwandeln. 14:16 stand es aus Oberweierer Sicht. "Da war bei uns dann auch etwas die Lockerheit weg", beurteilte der Trainer das Geschehen.

Die erste Niederlage war besiegelt – und dennoch zogen die Ortenau zwar "tief enttäuscht", so Trainer Oliver Killeweit, aber mit erhobenem Haupt von der Tennisanlage im Naherholungsgebiet Markwasen. Der Ligadino aus Reutlingen bedankte sich für ein tolles Match, das sie so schon lange nicht mehr erlebt hatten. "Ein schwacher Trost", kommentierte Oliver Killeweit, dessen Gedanken noch immer an den verpassten Chancen hingen. "Wir müssen das einfach machen."

Die Gäste hatten nichts unversucht gelassen, ihre Chance zu nutzen. Der 24 Jahre alte russische Tennisprofi Vatutin hatte am Samstag nach 15 Einzelsiegen in Folge in Tampere im Halbfinale gegen den Franzosen Hemery erstmals seit mehr als zwei Wochen wieder ein Spiel verloren. Zeit zum Trauern blieb ihm nicht. Auf dem Weg nach Liberec in Tschechien, wo er am Montag um 10 Uhr sein erstes Match bestreiten sollte, machte der inzwischen auf Weltranglistenposition 183 aufgestiegene Profi in Reutlingen Zwischenstation.

Die Verletzung von Alexej Vatutin durchkreuzt Konzept

In dem Spanier Jordi Samper-Montana fand er seinen Meister, wobei frühe Breaks ihm in sämtlichen Sätzen zum zusätzlichen Handicap gereichten. Bereits zehn Mal fand der junge Russe in dieser Saison ins Spiel zurück, nachdem er den ersten Satz verloren hatte. So auch am Sonntag, wo er in Durchgang zwei nach dem 2:3 das Spiel zum 6:3 Satzausgleich umbog. Im Match-Tiebreak ging nicht mehr viel (3:10). Erst später wurde der Grund klar. Nachdem er humpelnd den Platz verlassen hatte, ertastete der Physio im linken Oberschenkel ein kleines Loch. Er fiel mit der Diagnose Muskelfaserriss für die Doppel aus. Doppeltes Pech.

Aber der Reihe nach: Andrej Kracman brachte Stephan Hoiss die erste Saisonniederlage bei (0:1). Paul Wörner nutzte den ersten Matchball zum Erfolg gegen den um 300 Plätze besser in der Weltrangliste eingeordneten Tobias Simon (0:2). Danach verlor wie geschildert Alexej Vatutin (1:2). Adrian Obert gab gleich die ersten beiden Aufschlagspiele ab und konnte trotz toller Moral im zweiten Durchgang die Niederlage im Tiebreak nicht abwenden (2:2). Eduardo Struvay fand in Michael Berrer seinen Meister (3:2).

Zum Ende der Einzelrunde richteten sich alle Blicke auf das Spitzenspiel, in dem Attila Balazs den für Reutlingen spielenden Italiener Lorenzo Giustino mit 6:2 besiegt hatte. Ein Break im siebten Spiel des zweiten Satzes misslang, dafür gelang eines zum 5:4 im neunten Spiel. Den ersten Matchball nutzte der Ungar zum Ausgleich (3:3). Zusammen mit Struvay knüpfte er die starken Auftritte im Doppel an (3:4). Dieses kalkulierte Ergebnis setzte die Gastgeber unter Druck – auch wenn wenig später Adrian Obert und Denis Kapric das 4:4 zulassen mussten.

Kompakt: Giustino – Balazs 2:6, 4:6;

Samper-Montana – Vatutin 6:4, 3:6, 10:3; Berrer – Struvay 6:3, 6:1; Simon – Wörner 3:6, 4:6; Fallert – Obert 6:4, 7:6; Hoiss – Kracman 3:6, 3:6; Giustino/Samper-Montana – Balazs/Struvay 3:6, 4:6; Berrer/Simon – Obert/ Kapric 6:4, 6:1; Fallert/Hoiss – Wörner/Kracman 5:7, 6:2, 16:14.