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07. August 2012 00:08 Uhr

israelisch-ägyptische Grenze

Terrorangriff in Ägypten – Sinai wird zum Brennpunkt

Terroristen haben an der israelisch-ägyptischen Grenze mindestens 16 ägyptische Grenzschützer getötet. Jetzt schickt Präsident Mohammed Mursi Truppen in den Sinai.

  1. Ein ägyptischer Kontrollposten bewacht die Grenze zu Israel. Foto: AFP

Gegen acht Uhr abends fuhren zwei Geländewagen mit Männern in schwarzer Uniform auf der ägyptischen Seite am Checkpoint 16 nahe dem Länderdreieck Kerem Schalom vor, wo Israel, Ägypten und der Gazastreifen aufeinanderstoßen. Sie stürmten den Grenzposten, töteten 16 Soldaten und verletzten sieben. Danach bemächtigten sich die Angreifer zweier Armeefahrzeuge und griffen damit Israel an. Einen Armeelastwagen sprengten sie neben einem Wachturm, lenkten anschließend einen Schützenpanzerwagen durch die Bresche im Grenzzaun. Sie kamen nicht weit: Die Israelis hatten die Attacke erwartet. Der Panzer wurde zerstört, mindestens sechs Terroristen getötet. "Unsere Einheiten beendeten die Aktion nur 15 Minuten nachdem sie begann", sagte der israelische General Tal Russo.

Monatelang hatten Israels Experten vor im Sinai operierenden Terrorgruppen gewarnt. Nach dem Sturz Husni Mubaraks Anfang 2011 entstand hier ein Machtvakuum, das von Schmugglern, Kriminellen und Extremisten gefüllt wurde. "Es gibt keine Terrororganisation, die nicht im Sinai vertreten ist – von al-Qaida, über die Hamas bis zu Verbündeten des Iran", sagt Benjamin Ben Elieser, Israels früherer Verteidigungsminister. Israel wurde wiederholt vom Sinai aus angegriffen. Das Attentat vom Montag könne "für die Ägypter ein Weckruf sein", so Verteidigungsminister Ehud Barak.

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Das Attentat scheint einen Schulterschluss zwischen der radikal-islamischen Hamas in Gaza und Ägyptens neuer Staatsführung unter Präsident Mohammed Mursi, ehemaliges Mitglied der Muslimbrüder, vorerst einen Riegel vorzuschieben. Die Täter seien Beduinen aus dem Sinai und Dschihadisten, die durch Tunnel aus dem Gazastreifen eindrangen, hieß es in Kairo. Obschon die Hamas das Attentat umgehend als "hässliches Verbrechen" verurteilte, herrschte in den Medien ein palästinenserfeindlicher Ton.

Präsident Mursi hielt sofort eine Krisensitzung ab. Der Präsident versprach: "Diejenigen, die hinter dem Angriff stehen, werden einen hohen Preis zahlen, sei es in oder außerhalb Ägyptens." Der Grenzübergang nach Gaza wurde geschlossen, Truppen in den Sinai entsandt, Kampfhubschrauber griffen Hochburgen von Islamisten an: "Die Sicherheitskräfte werden wieder alle Teile des Sinais unter Kontrolle bringen", sagte Mursi.

Seit Jahrzehnten geißelte seine Bewegung, die Muslimbrüder, Mursis Amtsvorgänger Husni Mubarak für die Kooperation mit Israel. Die Muslimbrüder würden Kairos Gangart gegenüber Israel drastisch verändern, sagten sie. Jerusalem drohten sie mit der Annullierung des Friedensvertrags, der Hamas versprachen sie Hilfe. Als Präsident entdeckt Mursi nun die Wichtigkeit des Friedensvertrags mit Israel und die zentrale Rolle, die die Armee für Ordnung und Sicherheit in Ägypten spielt. Vorige Woche dementierte sein Büro schamvoll einen Dankesbrief, den Mursi laut israelischen Angaben an seinen Amtskollegen Schimon Peres geschrieben hatte. Doch wenn er im Sinai für Ruhe sorgen will, wird auch er mit Israel kooperieren müssen.

Autor: Gil Yaron


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