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25. August 2016 09:31 Uhr

Philatelie

Teuerste Briefmarke Deutschlands wurde vor 165 Jahren in Ettenheim abgestempelt

Vor genau 165 Jahren, am 25. August 1851, ist in Ettenheim ein Brief abgestempelt worden. Was damals gewiss niemand ahnte: Seine Marke entwickelte sich zum Millionenobjekt.

  1. Am 25. August 1851 in Ettenheim abgestempelt und heute eine Rarität: der sogenannte „Baden-Fehldruck 9 Kreuzer“ in blaugrün. Diese Briefmarke, die durch einen Druckfehler in Umlauf gekommen war, gibt es heute nur noch dreimal. Foto: Repro: Wolfgang Hoffmann

  2. Die Briefmarke „British Guiana 1c magenta“: Von ihr gibt es nur noch ein Exemplar, das im Auktionshaus Sotheby’s für 9,5 Millionen Dollar versteigert wurde. Foto: Sotheby’s

Für sage und schreibe 2,3 Millionen D-Mark hat im Jahr 1985 ein superreicher Sammler, dessen Name nicht bekannt ist, beim Auktionshaus Köhler in Wiesbaden die damals teuerste Briefmarke der Welt ersteigert. Dieser unvorstellbare Betrag für ein kleines Stückchen Papier wurde für den legendären "Baden-Fehldruck 9 Kreuzer" bezahlt, der heute vor 165 Jahren, am 25. August 1851, in Ettenheim abgestempelt worden war.

Ettenheimer Postamt schrieb Postgeschichte

Als das Großherzogtum Baden am 1. Mai 1851 die ersten eigenen Briefmarken herausgab, wurde die offiziell auf rosa Papier gedruckte 9-Kreuzer-Marke versehentlich auch auf einen blaugrünen Papierbogen gedruckt. Dieser andersfarbige Bogen entging aus unbekannten Gründen der Kontrolle, gelangte in den Verkauf und sorgte, als man 1894 den Fehldruck bemerkte, für großes Aufsehen unter den Philatelisten.

Auch aus heimatkundlicher Sicht ist der auf dieser Seite abgebildete Brief eine bemerkenswerte Besonderheit, denn mit den beiden Stempeln, dem Datumsstempel "Ettenheim 25. August" und dem Stempel mit den fünf Ringen und der Zahl 41 in der Mitte für das Ettenheimer Postamt, hat dieser Brief Postgeschichte geschrieben.

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Vermutet wird, dass die Briefe von Schloss Mahlberg kommen

Zwar ist die "Baden-Freimarke" auf diesem zum Versand gefalteten Brief inzwischen nicht mehr die teuerste Briefmarke der Welt, denn im Juni 2014 erzielte eine British-Guiana-Marke von 1856 bei einer Versteigerung im bekannten Auktionshaus Sotheby’s in New York einen Erlös von 9,5 Millionen Dollar, also fast sieben Millionen Euro. Damit bleibt dem Baden-Fehldruck immer noch der Titel "Teuerste Briefmarke Deutschlands".

Der Inhalt des Briefes wurde nie veröffentlicht, sodass nur bekannt ist, an wen der Brief geschrieben wurde. Die Anschrift lautet: "Seiner Hochwohlgeboren dem Herren Kammerherrn und Legationsrath etc. Freiherrn von Türckheim in Karlsruhe".

Hans Freiherr von Türckheim kam im Jahr 1814 in Freiburg zur Welt. Von 1849 bis 1864 war er großherzoglicher Beamter in Karlsruhe und dann bis 1883 badischer Gesandter in Berlin. Er verstarb im Dezember 1892 im Schloss in Mahlberg, das er 1832 erworben haben soll.

Wurden beide Briefe im Mahlberger Schloss verfasst?

Im Nachlass seines Vaters fand der 1853 in Karlsruhe geborene Sohn Hans nicht nur den in Ettenheim abgestempelten Brief vom 25. August 1851, sondern auch einen zweiten, ebenfalls mit der Fehldruck-Briefmarke versehenen Brief, der am 20. Juli 1851 in Orschweier mit zwei Stempeln entwertet worden war. Auch dieser Brief war an den Legationsrat Hans von Türckheim nach Karlsruhe geschickt worden. Er befindet sich heute im Postmuseum, dem Museum für Kommunikation, in Berlin. Wahrscheinlich ist, dass beide Briefe im Schloss in Mahlberg geschrieben wurden.

Sollte sich der jetzige unbekannte Besitzer des "Ettenheimer Briefes" oder dessen Erbe einmal zur Veräußerung entschließen, besteht durchaus die Chance, dass es der in Ettenheim gestempelte "Baden-Fehldruck 9 Kreuzer" wieder an die Spitze der Weltrangliste schafft. Eine Chance, die dem "Orschweierer Brief" trotz gleicher Voraussetzungen wohl kaum geboten wird, weil das Postmuseum, in dessen Besitz sich unter anderen Raritäten auch die sogenannte "Blaue Mauritius" befindet, seine Bestände nicht zum Verkauf anbietet.

Außer diesen beiden genannten Beispielen ist 1894 noch eine weitere Marke des Fehldrucks aufgetaucht. Weltweit sind somit nur drei Exemplare bekannt.

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Autor: Bernhard Uttenweiler