Mundart-Komödie

Alemannische Bühne zeigt "Bitt scheen keini Blueme"

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Do, 04. Oktober 2018 um 18:29 Uhr

Theater

Die letzten Stunden des Hypochonders Georg: Die Komödie "Bitt scheen keini Blueme",die die Alemannische Bühne Freiburg zeigt, ist ein sehr lustiges Tohuwabohu.

Blickt man dem eigenen Ende ins Auge, lebt es sich deutlich intensiver. Was aber, wenn die Todesdiagnose auf einem Missverständnis beruht und Begräbnis samt neuem Mann für die Liebste schon organisiert sind? Alles zurück auf Start und Friede, Freude, Eierkuchen? Von wegen! In der Inszenierung von Martin Mayer auf der Alemannischen Bühne in Freiburg wird aus diesem Stoff ein sehr lustiges Tohuwabohu, auch wenn es dabei ums Sterben geht. "Bitt scheen keini Blueme", so der adaptierte Titel der 1964 mit Doris Day und Rock Hudson verfilmten Komödie des US-Amerikaners Norman Barasch, die Hans-Peter Zeller hier mit viel Sinn für Sprachwitz und schwarzen Humor in Mundart übersetzte.

Dabei gibt es dank eines grandiosen Joachim Mast als Hypochonder Georg von Anfang an viel zu lachen: Hinreißend, wie der mit clownesker Leidensmiene und vielen Stoßseufzern am Frühstückstisch nicht das kleinste Häppchen runter kriegt, bevor Frau Doktor es nicht ausdrücklich erlaubt hat. Schließlich sterben Männer in seinem Alter wie die Fliegen und er selbst hat rasende Herzschmerzen… Ensembleneuzugang Sarah Meier nimmt es als seine Ehefrau Doris mit gutmütiger Fröhlichkeit: Ihr "Fröschle" ist halt ein hasenherziger Suppenkasper, sie liebt ihn aber trotzdem. Kaum hat sie das Haus verlassen, verliert sich Georg im blauen Spot zu düsteren Oratoriumsklängen auch schon in seinem Nachschlagewerk der tausend Krankheitssymptome. Der Mann hat eindeutig einen an der Klatsche und so steigert er sich auch in Panik, als er ein Telefongespräch seiner resoluten Ärztin (energiegeladen in einer Doppelrolle: Sandra Jettkandt) mit dem Kardiologen belauscht: Therapie zwecklos, nur noch wenige Wochen zu leben!

Erst herrscht bei Georg Grabesstimmung, dann wächst er nach einem fett bestrichenen Buttertoast über sich hinaus: Gibt bei seinem Nachbarn (Hans-Peter Zeller) Begräbnisrede und Regiokarten-Stornierung in Auftrag, beschließt seiner anbetungswürdigen Frau nichts zu sagen, sie aber flugs mit Jugendfreund Bernd (Pascal Jessen) zu verkuppeln und kauft schon mal eine letzte Ruhestätte für alle drei…

Dazwischen leidet, jault und schluchzt er als "Stecknadelkopf in der Ewigkeit", immer von kurzen Musikeinspielungen begleitet. Das Setting lebt von Melodramatik und Situationskomik, hat Schwung und Tempo, auch wenn die Inszenierung nach dem ersten Drittel etwas stadelt: Da löst sich der Plot nämlich irritierend schnell auf – um dann den Knoten quasi rückwärts wieder zu knüpfen. Denn als sich herausstellt, dass ihr Georg kerngesund ist, argwöhnt Doris eine üble Finte und unterstellt ihm eine Affäre. Wie er aus dieser Sterbenummer wieder rauskommt? Erst einmal tritt er jedenfalls von einem Fettnapf in den nächsten.

Eine klassische Screwballkomödie rund um einen schrulligen Exzentriker, gut geölt mit viel Körpertheater, großen Gefühlen und hoher Pointendichte gespielt.

5. und 6. Oktober, jeweils um 20.15 Uhr, weitere Termine bis zum 31.12., Alemannische Bühne. Karten: Tel. 0761-44 55 67.