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19. August 2009 17:16 Uhr
Eine Hohepriesterin des Gesangs
Die Sopranistin Hildegard Behrens ist tot
In Freiburg begann ihre Karriere: die Sopranistin Hildegard Behrens war eine der großen Sängerinnen der Opernwelt, die mit Karajan und Bernstein, in Bayreuth und New York auftrat. Jetzt ist sie 72-jährig gestorben.
Plötzlich war sie da. Die Karriere der Hildegard Behrens begann kometenartig, und in der Retrospektive lässt sich nur noch schwer sagen, ob es allein die Stimme dieser Sopranistin war oder noch mehr ihre Erscheinung, ihre großartige Bühnenpräsenz, die Publikum und Kritik gleichermaßen für sie vereinnahmten. Vermutlich war es beides.
34 Jahre alt war die aus Varel bei Oldenburg stammende Künstlerin – schon, als sie 1971/72 Mitglied des Opernstudios der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg wurde – in einem Alter also, in dem "andere schon ihre erste Stimmkrise hinter sich haben", wie der Gesangsexperte Jens Malte Fischer schreibt. Diesen "anderen" freilich hatte die Arzttochter schon ein abgeschlossenes Jurastudium voraus. Und natürlich das eigentliche Gesangsstudium, beide absolviert in Freiburg, Letzteres von 1963–1971 bei Ines Leuwen. Während dieser Zeit war sie auch Mitglied des Bachchors, dem sie auch später als Solistin verbunden blieb, als sie längst Weltstar war – von New York bis Bayreuth.
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Der sie dazu machte, war Herbert von Karajan. Er hatte in ihr seine Salome gefunden, und mit Richard Strauss’ Opernvamp startete die Behrens 1977 von Salzburg aus endgültig international durch. Dass es zu Reibungen zwischen dem Maestro und der Sängerin kam – es verwundert wenig. Hier prallten zwei exzentrische Charaktere mit dem unbedingten Willen zum Sieg aufeinander. Man braucht Hildegard Behrens’ Stimme erst einmal nicht zu hören, man muss sich nur ihre Posen, die Kraft ihres Ausdrucks auf Rollenporträts ansehen und wird noch viel von ihrer Wirkung erfahren. Als die "Eleonora Duse des Musiktheaters" hat man sie bezeichnet, als ungewöhnlich intelligente Singdarstellerin. Wie eine schlanke Hohepriesterin des dramatischen Gesangs musste sie einem vorkommen, zumal in einem Stimmfach, das traditionell eher mit anderen Gewichten besetzt ist. Dagegen war ihre Stimme nicht frei von Schärfen, von einer vokalen Schroffheit, die eine gewisse Unnahbarkeit ihrer Persönlichkeit unterstrich. Wie klug sie indes damit umzugehen verstand, zeigt das Beispiel ihres filigran gestalteten, höchst empfindsamen Schlussgesangs aus "Tristan und Isolde" in der Produktion mit Leonard Bernstein.
"Um sie war Gestaltungsmacht", schrieb der Kritiker Klaus Geitel. Und im Internetportal youtube war wenige Stunden nach ihrem gestrigen Tod in Tokio im Alter von 72 Jahren von einem Verehrer zu lesen: "We will miss your talent, now this amazing, beautiful lady can sing for the angels". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Autor: Alexander Dick


