Ein modernes Märchen in vielen Sprachbildern

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Sa, 22. Dezember 2018

Theater

Die Immoralisten bringen Wildes "Dorian Gray" auf die Bühne.

Nur eine Woche, nachdem die Immoralisten ihre überaus erfolgreiche Revolutions-Gameshow "1917 – Russisches Roulette" abgespielt haben, steht am Samstag, 29. Dezember, bereits die nächste Premiere auf dem Spielplan im Theater im Freiburger Stadtteil Stühlinger: eine von Regisseur Manuel Kreitmeier selbst geschriebene Theaterfassung von Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" (1891).

In des homosexuellen, irischen Schriftstellers einzigem Roman geht es um den jungen britischen Aristokraten Dorian Gray, dessen Schönheit den Künstler Basil Hallward zu einem Porträt inspiriert. Schönheit, Lust und Exzess als Lebensprinzipien redet der Dandy Lord Henry Wotton im Beisein von Gray und Hallward geschickt das Wort. Davon ist Dorian Gray so fasziniert, dass er sich wünscht, ewig so jung und schön bleiben zu können, wie er auf dem Bild ist. Das Porträt aber soll an seiner Statt altern. Ein teuflischer Pakt ermöglicht diesen Wunsch – und Oscar Wilde entwickelt seine narzisstischen, beziehungsunfähigen Figuren auf ihre ganz persönlichen Abgründe zu.

Beim Schreiben hat Manuel Kreitmeier festgestellt, dass er den Roman "ins Heute und durch mich durch" bringen musste, um eine klare Geschichte zu erzählen, die gleichwohl Wildes Thesen beinhaltet. "Ich habe eine ganz andere Schreibe als Oscar Wilde, der in vielen großen Bildern und Metaphern ein modernes Märchen erzählt."

Das Personal des Romans hat Kreitmeier auf zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler reduziert: Die Titelfigur spielt mit Chris Meiser eine Darstellerin, die Dorian Grays Androgynie verkörpern kann. Markus Schlüter spielt den teuflischen Lord Henry Wotton, Jochen Kruß den Künstler Basil Hallward, der bei Kreitmeier Fotograf, kein Maler ist. Christina Beer schlüpft in die Rolle von Sybil Vane, die Schauspielerin, in die Gray sich verliebt, die er jedoch bald im Stich lässt. Antonio Denscheilmann schließlich ist in der Doppelrolle von Sybils Bruder James und Mr. Wilde zu sehen.

Eine wichtige Rolle wird erneut die Musik spielen, die Florian Wetter, der gemeinsam mit Kreitmeier das Theater der Immoralisten leitet, eigens komponiert hat. "Ein moderner, synthetischer Sound", beschreibt Kreitmeier.

Über die Inszenierung will der für Buch, Regie und Bühne verantwortliche Kreitmeier noch nicht viel verraten. Da die Sprache auf der Bühne voller Bilder ist, werde es im Kontrast dazu "visuell viel Leere" geben, sagt er. Ein Vorhang werde eine wichtige Rolle spielen; das Stück entwickle sich von der ersten langen und mit viel Text angereicherten Szene hin zu weniger Text und einem surrealen Setting.

"Das Bildnis des Dorian Gray", Theater der Immoralisten, Freiburg. Premiere, Sa., 29. Dez., 20 Uhr. Termine bis Ende März.