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18. April 2009 18:25 Uhr

Neue und bewährte Darsteller für Passionsspiele

Mit einer Mischung aus neuen und bewährten Darstellern zieht die oberbayerische Gemeinde Oberammergau 2010 in ihre weltberühmten Passionsspiele.

  1. Frederik Mayet (l) und Andreas Richter wurden für die Rolle des Jesus ausgewählt. Foto: dpa

Die Hauptrolle des Jesus spielen zwei Laiendarsteller um die 30: der Pressesprecher von Regisseur Christian Stückl, Frederik Mayet (29), und der Psychologe Andreas Richter (32), beide Neulinge in der wichtigsten Rolle. "Diese Figur ist eine Zumutung", sagte Spielleiter Stückl am Samstag bei der mit Spannung erwarteten Bekanntgabe des Darstellerteams. Premiere für die 102 Aufführungen ist am 15. Mai 2010. Mehr als eine halbe Million Zuschauer werden dazu erwartet. Vom Messias zum Verräter wird Martin Norz: Der 44-Jährige spielte 1990 und 2000 den Jesus, dieses Mal gibt er den Judas. Beide Besetzungen für die Maria, Andrea Hecht und Ursula Burkhart (jeweils 47), haben in dieser Rolle schon früher auf der riesigen Bühne des Passionstheaters gelitten. Neu als Petrus agieren die Studenten Jonas Konsek (22) und Maximilian Stöger (22). Alle Hauptrollen werden doppelt besetzt. Nach einem Pestgelöbnis von 1633 werden die Passionsspiele alle zehn Jahre gezeigt.

Mehrere hundert Einheimische haben sich am Mittag vor dem Theater versammelt, um dabei zu sein, wenn das seit Wochen bestgehütete Geheimnis von Oberammergau gelüftet wird. Am Abend zuvor hatte der Gemeinderat in vierstündiger geheimer Sitzung die von Regisseur Stückl eingereichte Vorschlagsliste gebilligt, Kontroversen blieben offensichtlich aus. "Es ist meine Wunschmannschaft", sagt nun Stückl zu seinem Team. "Ich stehe voll dahinter." Bei einem Mix aus Sonne und Wolken steht der 78-jährige Wilhelm Häßler an der riesigen Tafel und schreibt mit wahrhaft biblischer Gelassenheit die Namen der Darsteller an. Der Malermeister mit der schlohweißen Haar- und Bartzier führt die weiße Kreide feierlich über die vorgezogenen Linien. Immer wenn sich ein Name schon nach wenigen Buchstaben erschließt, bricht Jubel los. Die jungen Dorfbewohner kreischen begeistert, wenn ihr Wunschkandidat darunter ist. "Der hat eine ganz tolle Aussprache", entfährt es Roswitha Stückl, der Mutter des Spielleiters, als der Name von Jesus-Darsteller Mayet angeschrieben wird. Sie versichert, dass der Spielleiter nicht einmal ihr als Mutter die Namen schon vorher verraten hat.

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Stückl, im Hauptberuf Intendant am Münchner Volkstheater, raucht an diesem Samstag noch mehr Zigaretten als sonst. Vor der Bekanntgabe der Namen für die Hauptrollen versucht er, gegen Starrummel anzugehen. "Es ist wichtig, dass wir alle miteinander die Passion spielen", ruft er den Bewohnern Oberammergaus zu, "und nehmt es sportlich, wenn Ihr nicht unter den Auserwählten seid." Doch bei der anschließenden Pressekonferenz kann auch er nicht verhindern, dass sich alle auf die beiden Jesus-Darsteller stürzen. Er gesteht, "ich bin seit Wochen mit Castingblick durchs Dorf gegangen", immer auf der Suche nach neuen Darstellern. 1800 Bewerbungen lagen ihm vor, "doch keiner hat draufgeschrieben, dass er den Jesus spielen will".

Am Vormittag hatten die Oberammergauer in einer feierlichen Zeremonie ihr Gelübde für die Passionsspiele erneuert. Bei einem ökumenischen Gottesdienst sagte der katholische Weihbischof Franz Dietl, mit der Erneuerung des Eides stellten die Bürger die anstrengende Zeit der Vorbereitung unter den Segen Gottes. Die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler nannte die Passionsspiele die Inszenierung der erlösenden Botschaft des Evangeliums. Seit 375 Jahren begäben sich die Oberammergauer "in die Leidensgeschichte Jesu hinein". Der elfjährige Darsteller und Ministrant Christoph Stöger sprach stellvertretend für alle die Formel: "Eingedenk des Gelübdes und getreu dem Verspruch unserer Vorfahren werden wir Oberammergauer im Jahr 2010 das Passionsspiel aufführen."

Das Spektakel geht auf ein Pestgelübde im Jahr 1633 zurück. Jeder, der mindestens 20 Jahre in Oberammergau lebt oder dort geboren wurde, hat Spielrecht. Über 2500 Aktive und damit jeder zweite Bewohner wirken auf oder hinter der Bühne mit. Erstmals wird Christus 2010 im Dunkel der Nacht ans Kreuz geschlagen. Stückl will damit auf der offenen Bühne spezielle Lichteffekte in der Abenddämmerung nutzen. Es wird mit einem Reingewinn von 25 Millionen Euro in der Gemeindekasse gerechnet. Die Investitionen betragen 33 Millionen.

Internet: www.passionsspiele2010.de

Autor: dpa