Premiere

Theater Spielzimmer in Freiburg: Grundlos vergnügt

Constantin Hegel

Von Constantin Hegel

Mi, 24. Mai 2017

Theater

Premiere von "Sommernachtslyrik" des Theaters Spielzimmer in Freiburg.

Wenn Goethes "Wandrers Nachtlied" (1780) auf den Rap "Sie mögen sich" (2012) von Shaban und Käpt’n Peng trifft, handelt es sich um keine konventionelle Theateraufführung. Vielmehr bringt das freie Theater Spielzimmer Freiburg (fudder-Porträt) mit seinem Programm "Sommernachtslyrik" eine Montage verschiedenster literarischer Texte auf die Bühne – oder besser gesagt: in den Garten. Auch in jeden privaten. Ein Glück, dass bei der Premiere im Innenhof des hier & jetzt am Turmcafé alles trocken blieb. "Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen" hallt es von den Wänden und der großen Glasfassade wieder, die den Innenhof zur Zähringer Straße abgrenzen. Dann stürmt Puk (Christina Schlögl), der tückische Troll und Handlanger des Elfenkönigs Oberon (Michael Barop) die Wendeltreppe runter. Puk hastet durch die Reihen der Zuschauer, wirft hier und da Menükarte oder Besteck von den Tischen. Zusammen mit Oberon will er einen Liebestrank brauen. Den Stoff über den Elfenkönig hat schon Shakespeare in seinem "Sommernachtstraum" aufgegriffen. Auch durch "Sommernachtslyrik" zieht sich die Sage wie ein roter Faden. Helena Barop, die das Stück zusammengestellt hat, integriert zusätzlich ein Allerlei aus Gedichten und Märchen, Pop- und Schlagersongs. Heraus kommt ein bunter Abend rund um das Thema Natur.

Im vergangenen Jahr hat sich das Dreiergespann der Schauspieler Michael Barop, Christina Schlögl und Lukas Diestel zusammengetan. Für ihr erstes Stück "Stiller" hatte Helena Barop kurzerhand den gleichnamigen Roman von Max Frisch dramatisiert, mit dem die Drei in privaten Wohnzimmern auftraten – in der Region bis nach Basel.

Im hier & jetzt steht das Trio erstmals vor öffentlichem Publikum. Als Michael Barop beim Spiel mit einem Luftballon ein Glas von einem der Tische räumt, bricht Gelächter aus. Auf das Chanson "Taubenvergiften" folgt großer Applaus. Die Unterhaltung eines Vogels mit einem Laubfrosch, die Hommage an das Efeu oder die energisch vorgetragene Liste ausgestorbener deutscher Pflanzenarten sorgen durchgehend für Erheiterung. So einem lauen Frühsommerabend steht wohl kein Gedicht so gut, wie das von Barop rezitierte "Sozusagen grundlos vergnügt" von Mascha Kaléko.

Die Gruppe kann privat gebucht werden. Infos unter http://www.spielzimmer-freiburg.