Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. Februar 2011

Überlebt und sogar Wurzeln geschlagen

Das Theater der Immoralisten wird nun öffentlich gefördert.

  1. Theatermacher Florian Wetter (links) und Manuel Kreitmeier Foto: Kunz

  2. Theatermacher Florian Wetter (links) und Manuel Kreitmeier Foto: thomas Kunz

Die Zeit, als sie vor aufgeklopften Wänden und unverputzten Leitungen standen, liegt erst ein gutes Jahr zurück. Und dennoch: Wenn Manuel Kreitmeier und Florian Wetter jetzt die Baustellenbilder in der Freiburger Ferdinand-Weiß-Straße betrachten, dann kommt es ihnen vor, als sei es viel länger her, seit sie die ehemalige Werkstatt im Stühlinger Gewerbehof in ihr Theater verwandelt haben.

In ihrem ersten Jahr als Betreiber des Theaters der Immoralisten haben sie viel erlebt: An "acht unterschiedliche Welten" erinnert sich Wetter und meint die acht Inszenierungen, die das Team auf die Beine stellte. An ein "riesiges Sommerloch", als die Zuschauer während der Fußball-EM ausblieben, an die Erkrankung einer Schauspielerin – Kreitmeier: "Elektra haben wir ohne Hauptdarstellerin geprobt" –, an die Auseinandersetzungen über die Besetzung der Komödie "Bombshells" mit dem Verlag, an geglückte Premieren, ein begeistertes Publikum und ein gut eingespieltes Ensemble.

Die wichtigste Erkenntnis für die beiden ambitionierten Theatermacher lautet: "Wir haben dieses erste Jahr überlebt!" Die Wurzeln, die sie künstlerisch in den Boden geschlagen haben, halten. Um genau das sicher zu stellten, haben sich die Immoralisten, die als freie Studententheatergruppe begannen, so breit aufgestellt: Stücke von Molière, Ibsen, Hofmannsthal, Sartre, Beckett und den Zeitgenossen Larry Tramblay, Joanna Murray-Smith und Mark Ravenhill standen auf dem Spielplan des ersten Jahres, damit die Truppe ihre Vielseitigkeit nach außen – auch potenziellen Unterstützern – beweisen konnte. Als gesellschaftspolitisch engagiert und mit "eindeutigem Hang zum schwarzen Humor" bezeichnen Kreitmeier und Wetter ihre Art, Theater zu machen. Das soll auch weiterhin gelten – und man will sich angewöhnen, "nicht in zu kleinen Strukturen zu denken." Ihre Vision ist es, mit dem Theater der Immoralisten von Freiburg aus auch überregional bekannt zu werden.

Werbung


Zwei Coups haben Kreitmeier und Wetter bereits gelandet, die ihnen dabei helfen könnten: Nachdem sie ihr erstes Jahr zum großen Teil aus den Eintrittserlösen bestritten haben, erhalten sie nun öffentliche Gelder. Zunächst hat die Stadt Freiburg eine Förderung für das für Mai avisierte Projekt "You don’t know Jack" bewilligt, das sich mit dem Düsseldorfer Massenmörder Peter Kürten und der Frage befassen wird: Wo lauert unter der scheinbar normalen Oberfläche in uns allen ein Mörder? Nun folgte das Land: Als eines von nur zwei Häusern der "Freien Szene" in Baden-Württemberg erhalten die Immoralisten eine dreijährige Konzeptförderung für Projekte zum "Theater der Weimarer Republik", die zwischen 2012 und 2014 realisiert werden. Die Künstler erfüllen sich damit einen Traum – brisant und modern sei das Theater der 20er und 30er Jahre gewesen. Ausgesucht haben Kreitmeier und Wetter "Hoppla, wir leben!" von Ernst Toller, "Krankheit der Jugend" von Ferdinand Bruckner und "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth.

Doch zunächst wird das Einjährige begangen – das Datum fällt auf den 12. Februar, den Tag, an dem auch Abraham Lincoln Geburtstag hatte. Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten ist derzeit zu Gast auf der Bühne der Immoralisten. Wetter spielt ihn, Kreitmeier führt Regie in "Abraham Lincoln geht ins Theater". Wann gehen Sie?

Autor: Heidi Ossenberg


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Theater