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13. Oktober 2017

Und danach ist es vorbei

Catch-Pop String-Strong bei der Staufener Musikwoche.

  1. Na dann servus Foto: Grabner

Sie sind gerade so richtig in Fahrt, und der Abend ist noch nicht vorbei, da verkünden Jelena Popržan und Rina Kaçinari in die aufmerksame Stille des Staufener Spiegelzelts hinein, dass es vorbei sein wird. Und zwar mit ihnen als Duo Catch-Pop String-Strong. Aus, nach neun erfolgreichen Jahren. Der Zufall habe es so gewollt, dass die Staufener Kulturwoche am Ende ihrer Tournee stehe. Aber keine Angst, sie machten beide weiter – andere künstlerische Projekte, aber nicht mehr in diesem Duo. Warum? "Weil wir der Welt genug gegeben haben", sagt Kaçinari, die Cellistin charmant-frech.

Das mit der Welt lässt sich schwer verifizieren. Das mit Staufen schon. Catch-Pop String-Strong sind im wahrsten Wortsinn acht starke Saiten – eine ungemein kreative Kombination zweier Musikerinnen vom Balkan aus Wien. Und allein, dass die Cellistin und Kossovo-Albanerin und die serbische Bratscherin so exzellent – sagen wir’s im Perfekt – harmoniert haben, ist in Zeiten nationalen Wahnsinns ein kleines Glück. Es funktionierte, weil sie vieles verband: die Lust am Ausbrechen aus den musikalischen Rastern, der schräge Humor und ihre Beherrschung von Instrument und Stimme.

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Beide können gleichzeitig spielen und singen, die Cellistin mit erotischem Mezzo, die Bratscherin mit einem himmlisch obertonreichen Sopran, der beim Trillern in der Höhe wie eine Violine klingt. Und mit größtem Variantenreichtum. Oft sind es rein vokale Tonmalereien, manchmal tief berührende Rollen: etwa Popržan als Brechts Seeräuber-Jenny – "hoppla". Oder das Duo mit dem Neo-Wienerlied von Richard Schubert über die Turbo-Folk-Queen aus dem Balkan, die bei Herrn und Frau Magister Moser Zugehfrau ist: Helmut Qualtinger hätte gefeixt über solchen schwarzen Wiener Humor.

Popržan und Kaçinari schreiben ihre Musik selbst, ihre Partituren sind wie ein Schmelztiegel, in dem musikalische Stile und Ethnien zu neuer poppig-funkiger Form finden. Wien und der Balkan – die Geschichte einer großen menschlich-künstlerischen Bereicherung findet in Catch-Pop String-Strong eine intelligent-berührende Fortsetzung. Leider muss man jetzt sagen – fand...

Autor: Alexander Dick