Vom Glanz der Vergeblichkeit

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Mo, 19. März 2018

Theater

Vorderhaus: Der Kabarettist Sebastian Krämer.

Es wird ein trauriger Abend. Das macht Sebastian Krämer gleich zu Beginn seines Auftritts im Freiburger Vorderhaus klar. Darüber kann die quälend-vergnügliche Melodie nicht hinwegtäuschen, die Krämer ohne Umschweife anstimmt, nachdem er am Piano Platz genommen hat. "Puppi Duppi hat die Nacht im Garten verbracht", singt Krämer – gekleidet in einen grau-schwarz karierten Anzug, in der Krawatte drei Knoten – "ohne Puppe, ohne Schnuller". Und am Ende: "Und seitdem hat sie nie mehr gelacht."

Dieses Lied, erklärt Krämer, sei nur vordergründig fröhlich und eigentlich total trübsinnig. "Das können wir noch steigern", verspricht er. Und das ist in Ordnung. Denn das Publikum ist gekommen, um gequält zu werden – Krämer hat es von Anfang an auf seiner Seite. Charmant-verschmitzt und selbstironisch geleitet der vielfach ausgezeichnete Kabarettist das Publikum durch sein angenehm düsteres Bühnenprogramm, das vom "Glanz der Vergeblichkeit" erzählt.

Pessimismus, zitiert Krämer den Kabarettisten Georg Kreisler, sei ohnehin nur Optimismus auf lange Sicht. Was allerdings nur für die Jüngeren im Publikum eine erfreulichere Erkenntnis sei. Zynisch und kafkaesk geht es weiter im über zweistündigen Programm Krämers. Seine "Chansons", bei denen er sich selber am Piano begleitet, handeln von einem Drachentöter, dessen Metier in der Realität wenig glanzvoll ist, von SM-Bekanntschaften und vom "Zauber der erlaubten Liebe", die niemanden interessiert.

Mit dem sich selbst ansagenden Lied "Schicki-Wicki", das sich in "Stil, Form und Inhalt" an Wikipedia orientiert, erreicht der Abend seinen Höhepunkt. Dann schlägt Krämer ein Schulheft auf und liest aus einer Oberstufen-Klausur, in der er das Für und Wider einer posthumen Veröffentlichung von Franz Kafkas Werk erörtern sollte. Krämer nutzte die Gelegenheit, gewieft und sprachgewaltig nicht nur seinen Deutschlehrer, sondern auch den Deutschunterricht an sich zu dekonstruieren.

Er wisse, sagt Krämer am Ende, dass die Leute immer etwas haben wollten, was sie mitnehmen können. Doch da müsse er enttäuschen. Vom Glanz der Vergeblichkeit könne er leider nichts abgeben: "Ich hab’ selbst nur noch so wenig."