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02. Februar 2011

Theater Basel

Wie viele Scheinwerfer braucht der Leuchtturm?

Im Roxy Birsfelden wurde über das Pro und Contra einer höheren Subvention des Kantons Baselland an das Theater Basel diskutiert .

  1. Im Baselbiet herrscht Wahlkampf. Als Goldesel missbraucht fühlt sich der Kanton bei der Kultursubvention aus Sicht der SVP. Foto: Mahro

BIRSFELDEN. Die Basler Kulturuhr schlägt fünf vor zwölf. So sehen es die Befürworter der basellandschaftlichen Subventionserhöhung für das Stadtheater. "Ja zu unserem Theater", lautet ihre Parole, die derzeit und kurz vor dem bevorstehenden Volksentscheid am 13. Februar auf roten Ansteckbuttons an Mantel- und Reverskragen prangt. Zudem herrscht Wahlkampf und das Thema polarisiert. Zusätzliche 17 Millionen Franken soll das Baselbiet verteilt über vier Jahre an die Stadt zahlen. Das Kantonsparlament hatte sie bereits bewilligt als die rechtskonservative SVP das Referendum ergriff.

Im Birsfelder Theater Roxy trafen jetzt Gegner und Befürworter zu einer vom Schweizer Radio DRS übertragenen Live-Diskussion aufeinander. Auf den Zuschauerrängen waren die roten Buttons deutlich in der Überzahl. Karl Willimann (SVP), der im Liestaler Kantonsparlament die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission präsidiert, und Michael Herrmann als Parteipräsident der basellandschaftlichen FDP bezogen die Contraposition. Beide wollten dem Basler Theater seinen Leuchtturmcharakter nicht absprechen. Es stelle sich nur die Frage, ob der Turm unbedingt mit vier Scheinwerfern strahlen müsse, oder ob es nicht auch zwei täten, so Subventionsgegner Herrmann. Die Basler Kultur sei zudem überdimensioniert. Der Kanton Baselland steckt dagegen in den roten Zahlen und muss 100 bis 120 Millionen Franken seines Budgets einsparen. Diesen Sparbedarf stellt auch der kantonale Kulturchef und Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) nicht in Abrede. Gerade bei den kulturellen Aushängeschildern in wirtschaftlich schlechten Zeiten aber Abstriche zu machen, hält er für unverantwortlich. "Wir können es uns gar nicht leisten, und das nicht zu leisten", sprach er das vielzitierte Thema Standortfaktor im Schlingsatz an. "Der Aufschwung beginnt im Kopf", das habe doch gerade die liberale FDP einst als Wahlspruch plakatiert.

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Kultur und Bildung gehörten aber zusammen. Wer davon in Basel zu viel sähe, der könne ebenso gut ein Überangebot an Lifesciences und internationalen Unternehmen konstatieren. Auf das aktuell im Kanton verteilte SVP-Plakat, auf dem die Stadt ihr Umland als Goldesel missbrauche, könne er den eigenen Landräten nur entgegnen: "Ohne Basel-Stadt hätten wir eine Wirtschaftskraft wie das Entlebuch."

Gerade die wissensdominierten Forschungsbereiche schätzen an Basel aber, da besteht vielerorts Einigkeit, das große Kulturangebot. Mit 770 Franken Kulturausgaben pro Kopf und Jahr nimmt die Stadt im weltweiten Vergleich eine Spitzenstellung ein. Man habe nichts gegen Kultur, befanden die beiden SVP- und FDP-Vertreter, weshalb sie sich aber nicht stärker selbst finanziere, anstatt dem Steuerzahler zur Last zu fallen?

Ob Geld Kreativität fördere, da habe er ohnehin Zweifel, argumentierte FDP-Chef Michael Herrmann. Genutzt werde das Theater ohnehin nur von einer gut positionierten elitären Schicht, die sich von der großen Mehrheit subventionieren lasse.

Dergleichen Argumente sind dem Basler Theaterdirektor Georges Delnon, den zweiten Fürsprecher auf dem Podium, nicht neu. Dass er sie Leid ist, verbarg er nicht. Seines Erachtens geht es um den Stellenwert, den die Kultur in der Gesellschaft einnehme und einnehmen wolle, aktuell im Zuge der neu aufgeflammten Fusionsdiskussion der beiden Basler Kantone aber auch um eine an den Tatsachen vorbei diskutierte Uneinigkeit zwischen Stadt und Land. Das selbst Finanzieren habe Grenzen und wer verdoppelte Eintritte anstrebe, könne nicht gleichzeitig von einer elitären Institution sprechen. Im Vergleich zu vor 20 Jahren habe man heute ein um zehn Millionen Franken reduziertes Budget. Eine in den letzten vier Jahren kontinuierlich gesteigerte Auslastung, zahlreiche Schulklassen inklusive, sprächen umgekehrt eine eigene Sprache.

Auch stünden auch die Subventionen des Landkantons in keinem Verhältnis zur umgekehrten Nutzung durch seine Bürger, so Delnon. Hatte doch das Theater Erhebungen vorgelegt, wonach derzeit 44,5 Prozent der Abonnenten im Baselland wohnten gegenüber 41,4 Prozent in Basel-Stadt. Das von allen genutzte Theater wurde in der Spielzeit 2009/10 aber aus dem Baselbiet nur mit gut 4,5 Millionen Franken unterstützt, während aus der Stadt knapp 38 Millionen flossen. Das nach dem Parlamentsentscheid von der Schweizerischen Volkspartei ergriffene und von den Freidemokraten unterstützte Referendum hatte dennoch in kürzester Zeit 3000 Stimmen gesammelt. Seit Delnon zur Spielzeit 2006/2007 das Theater von seinem Vorgänger Michael Schindhelm übernommen hat, stieg nach internen Berechnungen die Auslastung von 54 auf zuletzt 63,27 Prozent. Auch der Anteil der Abonnenten aus Baselland nahm um knapp drei Prozent zu.

Detaillierte Zahlen unter http://www.unsertheater.ch

Autor: Annette Mahro