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20. April 2011 13:03 Uhr

"Komödie der Altstadt"

Eine neue Bühne: Boulevardtheater in Freiburg

Witzig, aber nicht albern soll es sein: Der Schauspieler Jörg Nadeschdin will in Freiburg Boulevardtheater bieten – in der "Komödie der Altstadt" in der Dietlerpassage.

  1. Boulevardtheaterdirektor in spe: Jörg Nadeschdin in der Freiburger Dietlerpassage Foto: Rita Eggstein

Wo bis vor kurzem in Freiburg vor allem löchrige Zähne für Theater sorgten, will ab September Jörg Nadeschdin ein Theater eröffnen. Er plant ein "gehobenes" Boulevardtheater im ersten Stock der Dietlerpassage, zwischen Grünwälderstraße und Gerberau. Trotz zahlreicher Freiburger Bühnen soll die neue "Komödie der Altstadt" das erste Theater dieser Art in der Stadt sein. Im Theater, in den Räumen einer ehemaligen Zahnarztpraxis gelegen, sollen künftig fast täglich Verwechselungskomödien gespielt werden.

"Witzig, aber nicht albern soll das Programm werden", erklärt Jörg Nadeschdin. Er ist Chef des neuen Altstadttheaters. Erste Stücke hat er, der selbst auch Komödien schreibt, für das "gehobene Boulevardtheater" bereits ausgewählt. Stücke von Woody Allen, Ray und Michael Cooney, Tony Dunham oder Marc Camoletti sind dabei ganz nach seinem Geschmack. Sie will er im neuen Theater mit bis zu 140 Plätzen auf die Bretter der mehr als 40 Quadratmeter großen Bühne bringen – doch bis dahin liegt vor dem ausgebildeten Schauspieler noch ein langer Weg. Denn: Noch existieren weder Bühne noch Probenraum.

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Kein Verzicht auf Lokalkolorit

Derzeit ärgert Nadeschdin besonders eine tragende Säule, die den Zuschauern der neuen Altstadtbühne den Blick versperren würde. Sie soll weg. Mit Statikern und Bauplanern hat er nach langem Kopfzerbrechen eine Lösung gefunden. Dank einer in die Bühne integrierten Stahlkonstruktion bleibe ihm nun erspart, das Stück "Tristan und die Säule" aufzuführen, scherzt der 42-Jährige. Zwanzig Jahre nach seinem eigenen Bühnendebüt und nach fünfjähriger Raumsuche soll die Altstadtbühne nun das erste eigene Theater für den Schauspieler werden. Und dessen Einrichtung soll in den Farben Rot, Altgold und Weiß bald edel wirken, Boulevardtheater hin oder her.
Von edel sind die Räume der kahlen Arztpraxis bislang zwar noch weit entfernt, doch für Nadeschdin stehen Ausstattung, Einrichtung und Aufbau bereits fest. Dabei wartet der gebürtige Essener noch immer auf die städtische Genehmigung für den Umbau. "Bestuhlt wird mit gepolsterten Einzelsitzen", ergänzt er.

Auch mit Blick aufs Programm der Komödie weiß Nadeschdin, was er will. Er freut sich auf die Unabhängigkeit als künftiger Theaterchef. Als festangestellter Schauspieler jede Rolle spielen zu müssen, ist er nämlich bereits seit längerem leid. In der "Komödie der Altstadt" will Nadeschdin künftig Theater zeigen, das es in Freiburg so bislang, wie er meint, noch nicht gegeben hat. "Ich will eine Nische füllen und glaube, dass der Markt dafür da ist". Von Konkurrenz zur Alemannischen Bühne, zum Kleinen Haus des Stadttheaters oder zum Wallgraben-Theater will Nadeschdin dementsprechend nichts wissen. In letzterem spielte er allerdings unlängst selbst noch einen Liebhaber. Nadeschdin, der nebenberuflich Touristen an geschichtsträchtige Freiburger Orte führt, träumt in seinem neuen Theater davon, einmal ein ebenfalls historisches Stück aufzuführen – wie vom Pariser Molière. Doch auf Lokalkolorit wie in der Alemannischen Bühne will er dabei verzichten.

Nadeschdins Banken, die das Projekt finanzieren, konnte der angehende Theaterchef vom Erfolg seines Konzepts unlängst überzeugen. Ende September soll in der "Komödie der Altstadt" dann auch der erste Vorhang fallen. Ein Programm des Boulevardtheaters, das sich finanziell selbst tragen soll, soll es ab Juli geben. Fest steht bisher bereits das Premierenstück: "Cash – und ewig rauschen die Gelder" von Michael Cooney. Ob dann jedoch künftig auch die Gelder der Zuschauer für die "Komödie der Altstadt" fließen, wird erst die Zukunft zeigen. Mit Eintrittspreisen, die voraussichtlich zwischen 17 und 27 sowie 12 und 22 Euro (ermäßigt) liegen werden, zählt das Theater Jörg Nadeschdins, der seit 1999 in Freiburg lebt, preislich jedenfalls nicht zu den günstigsten.

Autor: Alexander Preker