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23. April 2010

Theater

Bernd Lafrenz: Die Frau bei den Hörnern gepackt

Bernd Lafrenz mit einem weiteren Shakespeare-Solo: "Der Widerspenstigen Zähmung" in Freiburg.

  1. Bernd Lafrenz Foto: promo

Nach zwei Stunden ist Schluss mit Alleinsein. Dann ruft Bernd Lafrenz all die Menschen zu sich, die ihm dabei geholfen haben, sein neuestes Shakespeare-Solo "Der Widerspenstigen Zähmung" auf die Bühne des Freiburger Vorderhauses zu bringen. Es sind ein gutes halbes Dutzend Männer und Frauen, die alle vom Premierenpublikum anerkennend beklatscht werden.

Doch den meisten Applaus bekommt der Freiburger Schauspieler Lafrenz selber, der erneut eine enorme Leistung gezeigt hat: In etwa zehn Männer- und Frauenrollen (und noch mehr Kostüme) ist er geschlüpft, hat temporeich und mit einem sicheren Gespür für Timing die Geschichte vorangetrieben, die er gemeinsam mit dem Regisseur Abel Aboualiten sehr frei nach Shakespeares Komödie erarbeitet hat. Mit der Routine eines Schauspielers, der seit 27 Jahren sein Publikum unterhält, überrascht und ins Treiben auf der Bühne mit einbezieht, setzt er auf einfache, aber wandlungsfähige Kulissen und Requisiten sowie seine Alleinunterhalter-Qualitäten. Wenn Lafrenz seine Zuschauer auffordert, auf das Stichwort: Verona zu skandieren: "la piú bella città d’italia" – so geschieht das prompt und aus vollen Kehlen.

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Für ihre Version der derben Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung", in der es um einen Vater in Padua geht, der eine kratzbürstige und eine sanfte Tochter hat und beide, Katharina und Bianca, zu verheiraten sucht, haben Lafrenz/Aboualiten Shakespeares Rahmenhandlung ausgebaut. Der betrunkene Kesselflicker Sly, dem beim britischen Dramatiker die Komödie vorgespielt wird, erzählt sie hier selber seiner Angebeteten, der Barfrau Jenny.

Lafrenz improvisiert großzügig, lässt viel Inhalt weg, verkürzt auch Shakespeares so präzise ausformulierte Zuspitzung auf die Erziehung der ungehorsamen Frau durch den Ehemann. Lafrenz setzt eine optisch absolut sehenswerte Szene dagegen, in der Petruchio seine Katharina bei einem Stierkampf in der Arena bändigt. Sie steht stellvertretend für Lafrenz’ Entscheidung, mit der "Widerspenstigen Zähmung" erneut ein turbulentes Gauklerstück auf die Bühne zu bringen – das hier mit einem romantischen Finale aufwartet.
– Weitere Termine: heute, Freitag, und morgen, Samstag, jeweils 20.30 Uhr, im Vorderhaus. Nächste Aufführungen der "Widerspenstigen" im Herbst im Theater am Martinstor.

Autor: Heidi Ossenberg