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10. Februar 2012

Breitwandkino als Kammerspiel

Die Theatergruppe des Englischen Seminars der Uni Freiburg gibt "Reservoir Dogs" nach Tarantino.

  1. Maniacts: Reservoir Dogs Foto: Miriam Grohmann

Manchmal ist es einfach ein gewisser Sound, der angenehm auf einen Theaterabend einstimmt. Bei der Wintersemesterproduktion der Maniacts, der Theatergruppe des Englischen Seminars, die jetzt im Theatersaal der Alten Uni Premiere hatte, lässt sich der Sound sogar benennen: Eric Dolphys "Hat and Beard". Damit eröffnet das Begleittrio aus Torsten Kirkm, Stephan Gernand und Konstantin König die Bühnenadaption von Quentin Tarantinos erstem großen Kinofilm "Reservoir Dogs". Der Dreh, den etwas üppigeren 70er-Soundtrack des Originals durch einen reduzierteren 60-er-Avantgardejazz-Sound zu ersetzen, lässt sich gut nachvollziehen, wenn Breitwandkino auf ein Kammerspiel eingedampft wird.

Die Idee zur Bühnenadaption entstand unter Drogeneinfluss, verrät Regisseur Lukas Auer im Programmheft. Ein volltrunkener Freund ohne nennenswerte Englischkenntnisse, den Auer nächtens nötigte, "Reservoir Dogs" im Original anzuschauen, nölt über das ununterbrochene Gequatsche im Film. "Hat was von einem Theaterstück", stimmt Auer zu, kann sich am nächsten Tag noch an den Gedanken erinnern, und schon können sich die Zuschauer selbst von der Qualität dieses Gedankens überzeugen.

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Überzeugungshilfe leistet dabei zum einen der schon erwähnte Wille zur Reduktion, der auf der musikalischen Ebene auch aus Madonnas "Like a Virgin" wunderbares Triojazzgeknarze macht, und andererseits auch den schwarzen Bühnenkasten mit wenigen Rampen, Sitz- und Tischgelegenheiten auskommen lässt (Bühne: Sophie Nuber, Charlotte Großmann). Die zweite Überzeugungshilfe ist die Imitation. Im Film gibt es viel Gutes, das man auf der Bühne am besten einfach imitiert. Allen voran das Personal. So ist, um nur einige zu nennen, Mark Stephan ein prima Harvey Keitel, Max Färber ein netter "Nice Guy" Eddie und Lukas Diestel als Mr. Pink eine passabler Steve Buscemi. Dass der von Christoph Cordes gespielte Psychopath eine Michael-Myers-Maske tragen muss, ist eine Spur zu überdeutlich. Aber das alles wird aufgewogen von der sichtbaren Lust des gesamten Ensembles an der Adaption dieses aufgedrehten amerikanischen Gangsterslangs in all seinen Facetten.

Die dritte Überzeugungshilfe ist die Vorlage selber. Die dreht sich selbst schon kammerspielartig um die Frage von Treue und Verrat, eingebettet in Alltagsdialoge über den Sinn von Madonna-Songs und das Geben von Trinkgeld, aufgethrillt mit langsamem Verbluten, Folter und finalem Shoot-Out. Unterhaltsames Theater und avanciertes Sprachtraining für Anglisten, was will man in einer Kultur- und Unistadt wie Freiburg mehr.
– Nächste Vorstellungen: 10. bis 12.Februar, jeweils 20 Uhr, Theatersaal Alte Uni.

Autor: Jürgen Reuß