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22. Februar 2010
Die Geburtstagskinder feiern selbst am wildesten
Die Freiburger Balkan-Band Äl Jawala zelebrierte ihr zehnjähriges Bestehen im Freiburger E-Werk mit befreundeten Bands .
Als die Mitternachtsstunde mit Trommel- und Saxophonklängen begrüßt wird, dreht sich das gewohnte Verhältnis von Bühne und Tanzparkett kurzerhand um: Die fünf Musiker von Äl Jawala tauchen ein in die magnetisierte Menge, Fans strömen auf die Bühne, und gefühlte 30 Grad in der Halle lassen die kalte Februarnacht draußen in Vergessenheit geraten: Kinder, Mittfünfziger und Jugendliche verlieren sich ekstatisch in eingängigen Balkanklängen.
Badische Balkan Big Beats, rumänischer Avantgarde-Rock, bayrischer Roots-Reggae und sächsischer Jazz-Electro an zwei Abenden: Die Freiburger Band Äl Jawala feierte im E-Werk mit einem selbst organisierten Festival ihr zehnjähriges Bestehen. Die musikalische Vielfalt schickte die Zuhörer auf eine kontrastreiche Reise voller Melancholie und Euphorie.
Dass die Stimmung am Ende der zweitägigen Geburtstagsfeier derart explodieren würde, war beim Festivalauftakt am Freitagabend alles andere als ausgemacht. Musikalisch kann die siebenköpfige Avantgarde-Rock-Band Urma aus Bukarest, unter anderem besetzt mit Saxophon und Querflöte, mit melancholisch-rockigen Elementen zwar überzeugen, der Stimmungsfunke springt aber nur zeitweilig aufs Freiburger Publikum über.
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Markus Schumacher, Perkussionist von Äl Jawala, steht trotzdem sichtlich erfreut am Bühnenrand und lauscht seinen Freunden. Vor zehn Jahren startete er seine Musikerkarriere mit seinen Bandkollegen auf dem Freiburger Kopfsteinpflaster. Am Auftaktabend des Jawala-Festivals spielt er auf der Bühne des großen Saals im E-Werk den Gastgeber und kündigt die nächste Band an: "Danke Urma! Willkommen Jamaram!"
Jamaram, eine Reggae-Band aus München, stürmt auf die Bühne als könnte sie es kaum abwarten, nun endlich mitzufeiern und ihr persönliches Geburtstagsgeschenk beizusteuern. Frontmann Tom Lugo spielt sein ganzes Repertoire an Sprach-und Schauspieltalent aus und weiß das Publikum mit Blickkontakt und anfeuernden Bewegungen in selbstvergessene Reggae-Fröhlichkeit zu versetzen. Zwischen seinen sieben Bandkollegen singt und rappt er mal auf Deutsch, mal auf Spanisch und gar in einer afrikanischen Sprache ins Mikro.
Um der geballten Männlichkeit des ersten Abends weibliche Energie und Klanggewalt entgegenzusetzen, bedarf es am zweiten nur einer einzigen Frau: Sängerin Delhia von den Pentatones. Als gefährlich anmutender Engel betritt sie in weißem Gewand, schwarzer Kriegsbemalung und mit rotem Stirnband die Bühne und platziert sich zwischen Laptops, Kabeln und ihren drei männlichen Bandkollegen. Die eigentümliche Klangwelt der Leipziger aus technoiden Beats, Trip-Hop-Elementen, melodiösen Jazzlinien und über allem Delhias Stimme, die vom zarten Hauchen bis zum kräftigen Schreien reicht, elektrisiert das Publikum nach wenigen Minuten. Was sentimental beginnt, steigert sich im Laufe des Konzerts ins Tanzbare.
Äl Jawala selbst setzen das dann nahtlos fort, bis eben die Bühne zum Tanzboden und der Zuschauerraum zur Bühne wird. Als die 900 Gäste aus dem ausverkauften E-Werk strömen, sind zwei Festivaltage zu Ende, an denen die Geburtstagskinder selbst für den stimmungsmäßigen Höhepunkt sorgten.
Autor: Friederike Grasshoff
