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27. Januar 2011
Die Internetdetektive
"Myspace Invaders" auf der Werkraumbühne im Theater Freiburg.
Soziale Netzwerke im Internet sind aus dem Leben junger Menschen nicht mehr wegzudenken: Kaum einer, der nicht auf Facebook, Myspace, Schüler- oder Studi- VZ ein persönliches Profil angelegt hat und täglich chattet, bloggt oder postet. Aber wo sind die Risiken und Grenzen dieser Netzgemeinschaften? Um das herauszukriegen, haben zwanzig Jugendliche zwischen zwölf und 26 Jahren bei einer Art virtuellem Versuchslabor im Theater Freiburg mitgemacht und sich nach gründlichen Recherchen mit fiktiven Online-Identitäten ein Jahr lang bei unterschiedlichsten Communities herumgetrieben (Leitung und Ausstattung: Ina Annett Keppel, Michael Kaiser). Ein hochspannendes Experiment à la Günter Wallraff, dessen Ergebnisse jetzt in der Szenen-Collage "Myspace Invaders" auf die Werkraumbühne kamen.
Monitore und Tastaturen gibt es hier keine, dafür ein großes, grünes Billardfeld mit Bande, dahinter eine Leinwand, auf die wichtige Infos zu den jeweiligen Netzwerken projiziert werden. Ansonsten übersetzt man mit gebastelten Requisiten aus Pappe ausgesprochen pfiffig die digitale Welt analog auf die Bühne: Im Google-Büro wirft einer in rasendem Tempo mit Papieren um sich, immer wieder drängelt sich Werbung in die Szene, die User kauern in selbst gebastelten Profilhäuschen und bekleben ihre Pinnwände. Datenübertragung findet mit Tönen oder neonfarbenen Gummibändern statt, ständig trällert jemand "Online!" oder legt sich mit einem knappen "Off" schlafen. Das hat in seinem Wiedererkennungswert jede Menge Witz und Dynamik.
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Nach und nach treten einzelne Spieler an den Rand der Bühne und erzählen von ihren Erfahrungen, die es dann als pointiertes Rollenspiel zu sehen gibt: Da ist eine, die sich als Psychologiestudent in Mannheim ausgibt und ihre Chatpartner davon überzeugt, dass man sich wirklich schon begegnet ist. Eine andere meldet sich bei Elitepartner.de als Klempner mit Hauptschulabschluss an – und bekommt auch gleich wieder den Account gelöscht. Auf der Teenie-Chat-Plattform knuddels.de bekommt der Theater-Avatar zwar jede Menge Sorgen mit, merkt aber bald, dass viele davon genauso ausgedacht sind wie die Identitäten dahinter. Beim Chatroulette oder der Singlebörse uppz.com kommt es haufenweise zu bizarren Begegnungen und sexistischen Anmachen. Überhaupt ist das Resümee der Internetdetektive ausgesprochen desillusionierend: Kontakte sind oberflächlich und austauschbar, Beziehungen rutschen ins Übergriffige oder gar Bedrohliche, persönliche Daten entgleiten einem. Nur eine konnte die Anonymität wirklich nutzen und stellte als fiktiver Poetryslammer erfolgreich Texte ins Netz. – Ein tolles Stück, das beste Aufklärung in Sachen Medienkompetenz bietet: spannend, spaßig und kritisch.
– Weitere Vorstellungen: Am 28.1. sowie am 4., 5., 11. und 12. 2., jeweils um 19 Uhr, Werkraum, Theater Freiburg. Karten unter: Tel. 0761/ 496 88 88.
Autor: Marion Klötzer
