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06. Februar 2012

Die Lügen des Alltags

Der Kabarettist Frank Sauer im Weiler Theater am Mühlenrain.

  1. Frank Sauer Foto: Roswith Frey

Der Mann hat den richtigen Namen. Heißt es nicht immer: Sauer macht lustig. Und umwerfend witzig ist er wirklich, der Kabarettist Frank Sauer, der sich im Weiler Theater am Mühlenrain die großen kleinen Lügen des Alltags vornahm. Gerade bei den wichtigen Fragen im Leben wird doch gelogen, "dass sich die Balken biegen vor Lachen", konstatiert der Satiriker mit mephistophelischem Lächeln. Zum Beispiel bei der Frage, bei der Männer lieber nicht die ungeschminkte Wahrheit wissen wollen: "Wie war ich?" Oder beim Schummeln über das wahre Alter. "Die Gammelfleischverordnung sollte auch für Menschen gelten", mokiert er sich über die Fälle für "Schönheitsreparaturen" und den "Hautlappendesigner".

Ironisch, bissig, süffisant, temporeich, mit rasant schnellen Geistesblitzen und sprachlich funkelnden Pointen machte sich der ganz in Schwarz gekleidete Glatzkopf mit dem Ziegenbärtchen seine Gedanken über Wahrheit und Lüge, Sein und Schein. Um brutale Wahrheiten auszuhalten, müsse man schon sehr, sehr selbstbewusst sein, so die Erkenntnis des kabarettistischen Lügenforschers. Wo man sich umschaut heutzutage, nichts als Ausreden, Täuschungen, Schwindeleien, Etikettenschwindel und Mogelpackungen. Sauer hat etwas von einem zynischen Mephisto, wenn er spöttisch, frech, klug und teuflisch grinsend Lug und Betrug in Sport, Gesellschaft, Medien und Politik entlarvt. Was ist Realität, was nur gespielt? "Das kann doch nicht wahr sein", denkt er sich, wenn er sich die aktuellen Politiker so anschaut und teils im unsäglichen O-Ton einspielt. "Ich glaube, das sind alles Schauspieler" – schlechte, drittklassige Schauspieler, die ihren Text vergessen haben. "Wer castet die?", fragt er sich in komischer Verzweiflung. Ja, Frank Sauer geht gehörig ins Gericht mit den "Knallchargen" von Politikern, aber auch mit der "gigantischen Trickserei" im Fernsehen, in den Reality-Shows.

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Sauer amüsiert aber nicht nur mit geschliffenen Gedankenspielen über chemischen Vierkampf im Doping, sondern auch mit erfrischender Selbstironie, wenn er sich beim Friseurbesuch als eitel outet: "Einmal Staub wischen und polieren!" Auch schauspielerisch und mimisch hat der Gewinner des Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises Glanznummern im Programm. Eine ist die Figur des elitären Künstlers, der abgehoben und bedeutungsschwanger über sein Triptychon "Die drei Jahreszeiten" schwadroniert. Wenn er mit bedeutungsvoller Miene ein Schneebild auf weißer Leinwand oder ein dürres Zweiglein als Herbstobjekt als Kunst verkauft, persifliert Sauer die absurden Blüten und Auswüchse in der Kunstszene. In seinem Solo "Lieber Lügen als kurze Beine" untersucht er auch, ob in den Verpackungen das drin ist, was drauf steht. Da malt sich Sauer eine aberwitzige Geschichte von Kunden aus, die sich in einer Selbsthilfe- und Protestbewegung zur Warenkontrolle zusammentun. Die scharfsinnige wie amüsante Lehrstunde in "Lügologie" ist bestes Kabarett auf der Höhe der Zeit. Ungelogen!

Autor: Roswitha Frey